Weiße Rebsorten

Hier werde ich Schritt für Schritt die Rebsorten beschreiben, die in Ungarn angebaut werden. Einige davon findet man ausschließlich in Ungarn (bspw. Juhfark, Kéknyelű ) und solche, die, wie im Falle des Furmint, die ganze Bandbreite ihres Potentials nur in ihren Heimatregionen, wie dem Tokaj, entwickeln.

BUDAI ZÖLD

(übersetzt: „Budaer Grüner“), eine ursprünglich aus Siebenbürgen stammende Spezialität, die Weine mit tiefer Farbe und vollem Körper liefern kann. In erster Linie gilt Budai Zöld jedoch als Bestäubersorte für den problematischen Kéknyelű und ist daher vor allem am Badacsony bekannt. Geschmacklich erinnert er an Ezerjó.

CHARDONNAY

Auf der ganzen Welt und daher inzwischen auch in Ungarn vielfach angebaute Rebsorte, deren Potential hier wie überall äußerst selten wirklich ausgeschöpft wird und zumeist als gesichtsloser, hölzerner, weil übermäßig viel Barrique ausgesetzter Massenwein in Flaschen abgefüllt wird.
Relativ hoher Alkoholgehalt, manchmal eine gewisse Süße und eine für ihn typische goldgelbe Farbe zeichnen den Chardonnay aus. Im Geschmack zeigt er sich vielfältig, von Himbeeren, Vanille, Tropenfrüchten, Pfirsichen, über Tabak, Tee bis hin zu Rosenblättern reicht die Bandbreite – je nachdem wo und wie er ausgebaut wird. Er ist im Handling einfach, erbringt unter verschiedensten Klimabedingungen ohne weiteres gute Erträge, was zu seinem Erfolg sicher auch entscheidend beigetragen hat.
In Ungarn sind es nur ganz wenige Beispiele erwähnenswert, auch weil die lokale Konkurrenz an weißen Rebsorten groß ist und der Patriotismus vieler ungarischer Qualitätswinzer zum Glück den „einfachen“ Weg der Internationalisierung verhindert. Bestechend gut aus meiner Sicht ist der 2005er Veresföldi von Németh Attila (Mátra) und der von Légli Ottó (Dél Balaton, Süd-Balaton) der seit langem als Benchmark für Chardonnays in Ungarn angesehen wird.

CSABA GYÖNGYE

(übersetzt „Perle von Csaba“; Synonyme: Batai, Cabaki Cabanka, Cabanska, Cabski Biser, Csaba Gyöngye Muscotaly, Gyöngyfehér, Juli Muscat, Julski Muscat, Korai Balafant, Margaritati, Muskat Ksaba, Pataki, Pearl of Csaba, Perla Chabanskaya, Perl do Saba, Perola de Casaba, Piros Csabagyöngye, Rindunica Strugurilor, Tamîioasa Ciaba, Tokayer, Vengerskii Muscatnii Ranue, Vita da Csaba, Zhemchug Ksaba und Zhemchug Saba) Ungarische Neuzüchtung, von Máthiás János Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Elternschaft ist umstritten. Zur Auswahl stehen Madeleine Angevine x Muscat Précoce de Saumur sowie Bronnertraube x Muskat-Ottonel. Vermutlich zeichnet das erste Paar verantwortlich, weil alle sehr früh reifen. Die sehr erfolgreiche Sorte wird nahezu in allen weinbaubetreibenden Ländern der Welt angebaut (daher die vielen Synonyme). Csaba Gyönge ergibt goldgelbe Weine mit typischem Muskatton.

CSERSZEGI FŰZERES

(übersetzt „Würziger aus Cserszeg“). Eine weitere, nur in Ungarn heimische weiße Rebsorte. Stark duftendes Bouquet; es mangelt ihm aber an Säure, weshalb er jung getrunken werden muss. Richtig hohe Qualitäten lassen sich nicht erzeugen.

EZERJÓ

(übersetzt „Tausend gute Dinge“). Ein frischer, säurebetonter, einfacher Wein mit grünweißer Farbe. Trocken, etwas herb, das Bouquet simpel, flach. Einstmals in Ungarn viel angebaut, wird die Sorte zunehmend von anderen verdrängt und ist vor allem aus der Gegend von Mór als lebendiger, trockener, jung zu trinkender Wein bekannt.

EZERFÜRTŰ (auch FÜRTIKE)

Hárslevelű x Tramini, in den 1950er Jahren von Kurucz András und Kwaysser István in Kecskemét gezüchtet. Aufmerksamkeit wurde der Sorte allerdings erst Ende der 70er Anfang der 1980er geschenkt, als die sozialistischen Großbetriebe sie in großem Stile begannen anzubauen. Sie widersteht gut Kälte, reift bis Ende September und erbringt Weine von einfacher Qualität. Schönes Beispiel: Duzsi Tamás „Fürtike“, Szekszárd

FURMINT

(Synonyme: „Mosler“ (Burgenland), verwandt mit Sipon (Slowenien), Posip (Kroatien), Grasa (Rumänien)) Die Nummer eins Rebsorte des Tokaji Aszú. Feine, feurige Sorte, deren spätreifende Trauben praktischerweise besonders anfällig sind für Edelfäule. Ihren Weinen verleiht sie einen hohen Säuregehalt und haucht ihnen damit einen langen Lebensodem ein. Feine Süße, reicher Extraktgehalt und überaus große Geschmacksfülle zeichnen sie zudem aus.
Im edelsüßen Tokajer wird sie mit Hárslevelű und bisweilen auch Muscat Lunel verschnitten. Furmint bringt ohne weiteres Weine mit 14% Vol. zustande, die trocken ausgebaut bereits als junge reinsortige Weine robust und charaktervoll sein können. Die Wachstumsperiode verzögert sich gegen Ende, die edelfaulen Trauben (aszú) werden häufig erst spät im November gelesen.

FÜRTIKE

Siehe Ezerfürtű

GOHÉR

Die ersten Erwähnungen dieser genuin ungarischen, früh reifenden Rebsorte reichen ins 17. Jahrhundert zurück. Ihre rein weiblichen Blütenstände erschweren die Bestäubung, weshalb die Sorte zwischenzeitlich vom Aussterben bedroht war. Die Beeren neigen sehr zu Botrytis und ergeben einen körperreichen Wein.

HÁRSLEVELŰ

(dt. „Lindenblättriger“, Synonyme „Lipovino“ und „Feuille de Tilleul“) Eine der echten ungarischen Rebsorten, aromatisch. Sie liefert charakteristisch würzige Weine, wenn auf Qualität getrimmt, ergibt sie tief grüngolden extrakt- und körperreiche vollmundige Weine.
Neben Furmint, der den Hauptanteil ausmacht, steuert sie maßgeblich ihren Duft dem Tokajer bei. In Ungarn wird sie in vielen Anbaugebieten angebaut, in sehr unterschiedlicher Qualität. Die breite Masse ist leider ungenießbarer, halbsüß bis süß ausgebauter alkoholhaltiger Rebsaft.
Richtig populär ist Debrői Hárslevelű, also Hárslevelű aus dem Ort Debrő am Rande der Mátraalja. Qualitativ wirklich hochwertge Weine kommen aber aus anderen Gebieten.

IRSAI OLIVÉR

Kreuzung von 1930 aus Pozsony Fehér (Weißer aus Bratislava) und Csabagyöngye (Perle von Csaba). Typisch für diese Rebsorte ist ihr muskatartiges Bouquet und milden Säuren. Ihr Wein ist relativ schwer und intensiv aromatisch. Irsai Olivér muss früh getrunken werden, wurde auch ganz gezielt als Tafelwein gezüchtet. Frühe, zuverlässige Reife und Anfälligkeit für Echten Mehltau sprechen für und gegen sie. Interessant, weil nur in Ungarn und der Slowakei angebaut, ist sie für Weinliebhaber ansonsten aber eher zu einfach gestrickt.

JUHFARK

(dt. Lämmerschwanz) Seinen Name hat er von seinen länglichen, walzenförmigen Trauben. Im Glas ist er Juhfark strohgelb, im Geschmack markante Säuren, im Hintergrund leichte Herbheit. Er altert schön, gibt sich ausgesprochen männlich, insgesamt sehr charaktervoll. Auch er war, ähnlich wie der Kéknyelű vom Aussterben bedroht und ist leider sehr empfindlich gegenüber Frost und Mehltau. Inzwischen kann man ihn jedoch wieder in hoher Qualität von einigen Somlóer-Winzern bekommen. Denn dort, und ausschließlich dort, an den Hängen des Solmó, des markanten Vulkanfelsens, wird er angebaut.

KÉKNYELŰ

(dt. „Blaustiel, Blaustängler“) Früher weit verbreitet, drohte dieses „Hungaricum“, diese ungarische Spezialität Mitte der 1990er Jahre fast ganz zu verschwinden. Selbst in ihrer Hochburg Badacsony, am Nordufer des Balaton, war sie nur noch selten anzutreffen. Ihre Probleme: große Empfindlichkeit und schwache Erträge. Beides war in Zeiten des „real existierenden Sozialismus“ wenig erwünscht, suchte man doch Jahr für Jahr die Erträge für den Export in die Comecon-Länder noch weiter nach oben zu schrauben. Nicht zu vergessen, dass er ausschließlich weiblich, schwer befruchtbare Blüten vorweist – wohl eine Laune der Natur.
Reinsortiger, mit Umsicht bereiteter Kéknyelű ist aromatisch, besitzt lebhafte Säuren und ist anregend. Egal ob jung oder alt, stets weist er eine hellgrüne Farbe auf und hat ein leicht parfümiertes, jedoch nicht aufdringliches Bouquet. Es ist einigen ambitionierten Winzern, allen voran Szeremley Huba zu verdanken, dass man die Qualitäten dieser außergewöhnlichen Rebsorte wieder erleben kann, die zudem noch lange haltbar ist.

KIRÁLYLEÀNYKA

(„Königstochter“; ungarischer Name für die rumänische Züchtung „Feteasca Regala“). Leicht parfümiertes, angenehmes Bouquet. Daher leicht zugänglich und auch bei Leuten, die nicht so häufig Wein trinken, beliebt. Gut ausgebaut kann sie ansprechende, haltbare Weine hervorbringen.

KÖVÉRSZŐLŐ

(„Dicktraube“, Synonym „Resertraube“ und die rumänische „Grasa“). Kadarka x Munkácsy József. Wenn auch nur noch sehr selten angebaut, ist die Kövérszőlő nach wie vor eine der offiziell zugelassenen Sorten für den Tokajer Aszú. Im Handbuch der Ampelographie von 1876 nennt der Ampelograph Hermann Goethe  sie Kövér Szöllö, als Herkunftsland wird Siebenbürgen angegeben. Nach der Reblausplage verschwand sie fast völlig von der Bildfläche. Sie ist schnellwachsend, neigt sehr schnell zur Fäule, weshalb sie am ehesten in windigen Lagen gepflanzt werden sollte, dafür können ihr aber Frost und Dürre wenig ab. Kövérszőlő ist etwas zwei Wochen vor Furmint reif und ergibt hohe Erträge. Tokaj Nobilis baut Kövérszőlő zu einem reinsortigen Wein und für Cuvées aus.

KÖVIDINKA

(auch Dinka, dt.: Steinschiller) Neben Ungarn auch in der Woiwodina angebaute, schlichte Rebsorte mit allerdings langer Tradition, die frische, unbedingt jung zu trinkende fruchtige Weine mit niedrigem Säuregehalt hervorbringt. In Ungarn vor allem in der Alföld, der Tiefebene, d.h. der Kunság angebaut.

LEÁNYKA

(„Mädchentraube“; ungarischer Name für die aus Siebenbürgen stammende „Feteasca Alba“). Sortenrein gibt es Leányka seit langem in Eger. Wenn die Erträge beschränkt werden, können gute Qualitäten hervorgebracht werden. Weine mit zartem Bouquet und filigranen Säuren.

OLASZRIZLING

(Spiegelübersetzung: „Italienischer Riesling“; in Österreich „Welschriesling“) Der Olaszrizling ist nur dem Olaszrizling Namen nach verwandt mit dem deutschen Riesling, hat ansonsten aber nichts mit ihm zu tun und kann, selbst wenn optimal ausgebaut, ihm auch qualitativ nicht das Wasser reichen.
In Ungarn ist er die meistangebaute Rebsorte und kommt auch in den Nachbarländern häufig vor. Auch hier gilt, dass der allergrößte Anteil bestenfalls als trinkbarer, zumeist jedoch charakterloser Tafelwein angeboten wird.
Olaszrizling reift spät, behält gut seine kräftige Säure, ist leicht im Körper und recht aromatisch. Im Abgang zeigen sich oft Bittermandeln. In günstigen Jahren bildet er auch gerne Edelfäule. Qualitativ hochwertige, reinsortige Olaszrizling findet man am Szent György hegy (Balaton) und der Berekháti-Riede in Csopak.

ORÉMUS

Eine ungarische Züchtung (Kreuzung aus Furmint x Bouvier), die inzwischen Zéta heißt, um Missverständnisse zwischen der gleichnamigen Riede und dem Tokajer-Weingut zu vermeiden. Orémus ist die vierte zugelassene Sorte von Tokaj Hegyalja und erbringt dort trockene sortenreine Weißweine, die sehr charaktervoll sein können. Er reift früh und neigt leicht zum Ausbruch.

PINOT GRIS

siehe Szürkebarát

RAJNAI RIZLING

(„Rheinriesling“, der Riesling) Es gibt bekanntlich kaum eine Rebsorte, die so langlebig ist und die Fähigkeit besitzt, die Charakteristiken einer Lage zum Ausdruck zu bringen und gleichzeitig den eigenen unnachahmlichen Stil beizubehalten. Die Natur hat den Riesling eine hohe Weinsäure beschert, was vor allem beim Ausbau edelsüßer Weine ein gutes Gegengewicht bedeutet. Sein Aroma ist stets kräftig, scharf gezeichnet, kann blumig sein, stahlig oder ausgesprochen würzig und je nach Terroir und Ausbau mehr oder weniger mineralisch.
Sein hartes Holz lässt den Riesling auch harte Fröste überstehen. In Ungarn besteht zumeist die Gefahr, dass er aufgrund des im Vergleich zu Deutschland wärmeren Klimas zu schnell und damit zu früh reift und stumpf schmeckt. Bisweilen wird der Ezerjó aus Mór als geschmacklich verwandt angegeben, was man auch als Unverschämtheit abtun kann – so man möchte…

RIZLINGSZILVÁNI

(ungarisches Synonym für Müller-Thurgau) In Ungarn nicht sehr oft vorkommend, am ehesten in den anbaugebieten Mátra, Ázstár-Neszmély, balatonfüred-csopak und Balatonmellék.

SZÜRKEBARÁT

Auch in Ungarn recht weit verbreitete Rebsorte, die milde, sanft duftige (meiner Meinung nach häufig nichtssagende, charakterlose) Weine hervorbringt. Ihre Farbe ist tiefer als die vieler Weißweine, da sie eine Mutation von Pinot Noir ist. Entsprechend violett-rötlich und damit dunkel sind auch ihre Trauben. Schöne Beispiele findet man im Balaton felvidék (Balaton-Hochland) und am Badacsony.

ZALA GYÖNGYE

(übersetzt „Perle von Zala“; Synonyme: Egri Csillagok 24, Perle De Zala, Perle von Zala, Star of Egri, Zala Dende und Zhemchug Zala. Neuzüchtung von Eger 2 (Sämling von Seyve-Villard 12-375) x Csaba Gyöngye. Der Name verweist auf die Region Zala, der in Eger gezüchteten Sorte wurde 1972 Sortenschutz erteilt. Als Kelter- und Tafeltraube ist sie recht stark verbreitet, die weine sind vone einfacher Qualität, der Geschmack recht indifferent.

ZEFIR

siehe Zeusz

ZENGŐ

siehe Zeusz

ZEUSZ, oder ZEUS

Aus der Kreuzung von Ezerjó x Bouvier (1951, Király Ferenc). Spät reifend, ertragreich, neigt zur Fäulnis. Zeus spielt qualitativ im Mittelfeld, verfügt über einen hohen Säureanteil und sollte unbedingt spät gelesen werden. Dann kann er durchaus überraschen. Beste Beispiele findet man am Badacsony (Szeremley Huba).

ZÖLD VELTELINI

(„Grüner Veltliner“). Langsam aber sicher wird ihm auch in Ungarn mehr Beachtung geschenkt. Ein Prozess, der angesichts seines Potentials und der Vorbildrolle, die das Nachbarland Österreich bei der Erzeugung exzellenter Grüner Veltliner spielt, früher oder später einsetzen musste.
Zöld Veltlini bringt gute Erträge und ist ziemlich widerstandsfähig. Sortentypisch Charakteristika: trocken, pfeffrig und würzig, erinnert bisweilen auch an Pfefferminze. Viele sollten jung getrunken werden, die ganz Großen unter den Zöld Veltlini hingegen sind konzentriert, langlebig und erinnern an weiße Burgunder. In Ungarn kommt er vor allem im Balatonfelvidék (Balatonhochland) und um Mőcsény vor, dort wird er gerne zu Fischgerichten serviert.