Szepsy István - Nyúlaszó Furmint 2011Ich bin ja kein Anhänger von bewusst herbeigeführtem, quasi programmatischem BSA. Zweifelsohne haben aber die Weine von Szepsy etwas Besonderes. Der macht das mit dem biologischen Säureabbau. Da laufen die Heizungen im Holzfasskeller, tun pflichtschuldigst Ihren Beitrag zu „Gottes“ Werk – denn als solchen würden manche da draußen István Szepsy vermutlich ohne mit der Wimper zu zucken bezeichnen. Ich selbst fände es spannend einmal einen Furmint aus den Händen des „Großmeisters“ verkosten zu können, der eben diesen Prozess nicht oder nur in Teilen und „selbstbestimmt“, natürlich durchlaufen hat. Das wird wohl (leider) reines Wunschdenken bleiben.

Dieser hier aus 2011 und der Lage Nyúlászó von Stöcken aus dem Jahr 1956 und Böden aus gelbem Ton und Tuffgestein kommt in der Nase und am Gaumen an Tag eins jedenfalls klassisch so rüber, wie ein echter Szepsy-Furmint es zu tun pflegt: mit eben dieser Note, die auf die BSA verweist und eine frische, direkt und mit entsprechenden Säurestrukturen gepaarte Frucht nicht mit sich bringt. Angetrocknete Grapefuitschalen, abgeriebene, luftgetrocknete Äpfel, Seife, Unterholz, Sand, Stroh, verdörrte Ingwerwurzel. Mit mehr Luft kommen zunehmend auch florale Töne dazu und die Frucht wird plastischer und goldgelb, reif.

Am Gaumen erst einmal noch deutlich verschlossen und dadurch gar wenig druckvoll und wenig aussagekräftig. Wehe dem, der an dieser Stelle aufgibt, enttäuscht oder gar frustriert abnickt, wegschaut, rauskippt! Salz, wieder Seife, Orangenkonfitüre, Zitrusfrucht-Abrieb in der Sonne angetrocknet. Die Säuren eher verhalten und eingepackt ins spürbare, eine wohlig warme Textur gebende Holz. Spannend wird das Ganze spätestens an Tag 2. Dann kommen Muskateller-Töne heraus, wird die Frucht deutlicher, wirkt reifer und die Struktur insgesamt breiter und dichter und dieser Nyúlászó im Schub druckvoller. Auch zur Nase gesellen sich Aprikosen, Muskatnuss, und verwelkter Fenchel. Die Säuren könnten, müssen hier aber nicht Frische bringen. Der kommt über eine erhabene, vom Holzausbau nachhaltig unterstützte Schiene zum laufen und gewinnt in seinem Lauf zunehmend, wird dabei auch ausdauernder. Jung war und ist er, vom Öffnen an. Potential hat er und Zeit muss man ihm geben. Lang wird er jetzt schon und endet in einem zerkochten goldgelb-braunen Dörrobst-Versprechen, gebettet auf frühherbstliches Laub am Rande einer Salzwiese.

Das hat was. Der hat was. Trotz, nein vermutlich gerade wegen des BSA. Dennoch: ich würd‘ viel dafür geben, auch mal einen ohne im Glas zu haben.

Wein: Furmint Nyúlászó 2011
Weingut, Ort: Szepsy István, Mád
Rebsorte/n: Furmint
Alkoholgehalt: 14,0% Vol.
Preis: 23,70 EUR (7.550 Ft)
Internet: szepsy.hu

 

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