Somló Kincse Kézműves Kispince - Furmint 2012Mannomann! Mehr geht wohl nicht.

Da nennt sich dieses Kleinstweingut (nein, nach dem letzten Beitrag geht das nicht so weiter mit den Kleinerzeugern, ist keine Absicht) grob spiegelübersetzt „Somlóer Schatz Handgemachte Kleinkellerei“. Alles ok, ruhig Blut. Das Etikett ist zweifelsohne auch noch handgemacht. Wunderbar. Willkommen in der ungarischen Weinwelt der Gegenwart. Wo die kleine Weinszene seit einiger Zeit und bis auf weiteres wohl auch wie verrückt nach diesen „handgemachten“ ehrlichen Weinen gesucht wird.

Das ist dann häufig aus der Not geboren, meint eine Korbpresse, in jedem Fall tatsächlich viel Handarbeit, häufig Spontanvergärung und dann auch noch mehr oder weniger Bio. Das kann, wie man sich vorstellen mag, durchaus zu interessanten Weinen führen. Inwiefern diese dann stabil sind und inwiefern da mittelfristig Konstanz und echte Qualität auf hohem Niveau kommen wird bzw. kann, steht aber natürlich genauso in den Sternen, wie das irgendwo sonst der Fall wäre. Immerhin zeigt dieses Lechzen nach Handgemachtem, Kleinem, Außergewöhnlichem, dass der ungarische (Binnen-)Weinmarkt inzwischen in einem recht reifen Stadium angelangt ist. Dass viele Ergebnisse bisweilen unsauber sind und als soclhe gar nicht wahrgenommen werden, führt gleich wieder zu Abstrichen. Soll aber nicht stören, schließlich lernt man eifrig, holt sukzessive auf. Und das ist gut so.

Der 2012 Furmint ist der erste Jahrgang, der auf dem Markt gelandet ist. Andrási László heißt der Erzeuger, der nun schon immerhin 1,3 Hektar auf der Westseite des Vulkankegels sein eigen nennen darf. Es gibt neben ihm noch einen Gemischten Satz, sicher weil die einzelnen Rebzeilen eine völlig bunte Ansammlung an Rebsorten brachten. Indirekt gibt er aber wohl auch die Richtung vor. Andrási László jedenfalls plant eine deutliche Ausweitung seines Rebsortenportfolios, rein um ungarische Exoten, als da wären: Bakator, Gohér, Sárfehér, Királyleányka, Kéknyelű, Budai Zöld, Zöldszilváni és Alattermő. Da steht ihm einiges bevor. Ob das klug ist, darf man wohl guten Gewissens in Frage stellen. Wirtschaftlich sicherlich nicht.

Der Furmint hier jedenfalls duckt sich erst einmal erfolgreich weg. Mittel strohgelb ist er im Glas. Krautig-vegetabil mutet er in der unterkühlt wirkenden Nase. Eine schwer ausmachbare hellgelbe Frucht zusammen mit leicht mineralisch-salzigen Einlassungen und nicht allzu starken Säuren geben noch ausreichend Platz für auch hier recht deutliche vegetabile Töne. Dann gibt man ihm eben Zeit und also Luft. Das tut ihm recht gut. Am Folgetag traut er sich mehr hervor. Nicht, dass man es jetzt plötzlich mit einem wirklich beeindruckenden, komplexen Wein zu tun hätte. Er wirkt doch etwas kraft- und ausdruckslos.

Aber sein Gesamtpaket kommt dann doch mit ein paar nette Eindrücke für ein eher ungewöhnliches Gesamtbild. Unreifer Pfirsich, Aprikosen, neben einer inzwischen doch recht krachenden Mineralität. Haselnuss, Salz unterfüttern schüchtern das leicht schmelzenden Körperchen. Der hat etwas urwüchsiges, ohne in der Urwelt jedoch jemals eine Überlebenschance gehabt zu haben. Der hat was – der ehemalige Händler meines Vertrauens mag es mir verzeihen – bäuerliches. Und das muss vielleicht gar genau so sein, als handgemachter Erstlingswein. Auf der Grundlage: keine Ahnung, was Andrási in den kommenden Jahren zu liefern imstande sein wird.

Wein: Somlói Furmint 2012
Weingut, Ort: Somló Kincse Kézműves Kispince
Rebsorte/n: Furmint,
Alkoholgehalt: 12,5% Vol.
Preis: 2990 HUF, und damit klar zu teuer, da das 10 EUR sind

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