Demeter Zoltán – Tokaji Furmint Birtokbor 2011

Der „Gutswein“, der Einstieg. Drunter kommt nichts mehr. Ein reinsortiger Furmint, trocken ausgebaut. Für 12,50 EUR.

Hoppa, mag ein Außenstehender denken. Und ja, damit ist die intendierte Botschaft angekommen.Darüber gibt’s in Ungarn nur noch den Einstiegswein von Szepsy für 17,80, wo man dann quasi bei der Robert Weil-Vergleichseben angekommen wäre.

Der hier ist aber von Zoltán Demeter. Und damit in der Tat von einem der besten Erzeuger Tokaj’s – und damit auch Ungarns. Ob er den Preis rechtfertigt, oder „nur“ die junge Marke spricht?

Um es gleich vorweg zu nehmen: ich persönlich fände 9 EUR angemessen, bei relativem, eingeschränktem Verständnis für eine solche Preispolitik, die, wenn sie trägt, gerade für ein Underdog-Land wie Ungarn zusätzlich symbolisch aufgeladen wird, eine klare Signalwirkung entfaltet.

9 EUR in einem Direktvergleich zu dem, was man beispielsweise in Deutschland sinnvoller und angemessenerweise im Gutsriesling-Bereich bekommen kann. Aber bitte, wenn er sich dafür verkauft, der Birtokbor, warum dann nicht?

Um die Beschreibung von hinten zu beginnen: je länger er offen ist und je länger er zudem der Wärme ausgesetzt ist, umso mehr gewinnt dieser Wein. Das an sich ist, mit allen damit einher gehenden Abstrichen bzw. Verkürzungen ein deutlicher Qualitätsnachweis. Hier steckt schon im Kleinen Größe. Da deutet jemand mit einem feinen und doch markanten Fingerzeig unmissverständlich sein Potential an. Und er zeichnet jenen Stil, der sich letztlich charakteristisch durchzieht durch das gesamte Sortiment: diese ungemein klare, saubere, exakt gezeichnete Linienführung. Das an sich hat etwas, muss man einfach so sagen.

Streng geführte, recht würzige Nase mit traubiger Frucht und einem Hauch Zitrus. Am Gaumen mit eben dieser Klarheit, dieser reinen Lehre, die mal streng, mal spielerisch leicht wirkt. Wie man sie wahrnimmt, hängt ganz wesentlich von einem selbst, vom Blickwinkel ab, den man gerade einzunehmen in der Lage oder eben bereit ist. Etwas wärmer als erlaubt genossen, bekommt man es mit einem erstaunlich druckvollen und überaus würzigen Vertreter zu tun. Die Frucht aus reifen gelben Birnen verharrt in einer eigenständigen Saftigkeit neben der leicht metallisch, vor allem aber steinern-erdig wirkenden Mineralität, Nährboden für die Würze. Die Säuren, anfangs, unterkühlt probiert und frisch entkorkt etwas allzu kräftig, das Kommando an sich reißend, bleiben zwar markant, treten aber gut zwei Schritte zurück und enden so doch im Glied. Hinten kaum an Druck und Prägnanz durch Würze verlierend, erstaunlich lang. Hält sich zudem blendend, ist auch nach mehreren Tagen geöffnet noch bemerkenswert stabil und frisch. Ein wirklich schöner Einstiegswein, den gewiss so manch ein Erzeuger gerne als Flagschiff im eigenen Portfolio hätte.

Wein: Tokaji Furmint Birtokbor 2011
Weingut, Ort: Demeter Zoltán, Tokaj
Rebsorte/n: Furmint
Alkoholgehalt: 12,5% Vol.
Preis: 12,50 EUR, 3.590 Ft
Internet: demeterzoltan.hu

2 Antworten

    • Lieber Gottfried,

      das ist in der Tat nicht üblich, 2011 hat als Jahrgang seinen Anteil, man kann aber auch in den letzten 2-3 Jahren die Tendenz verfolgen, dass einige Winzer gezielt versuchen, niedrigere Alkoholgarde zu erreichen.Von niedrigem A.Gehalt würde ich vor ungarischem Hintergrund noch bei 13% reden, bei 13,5% bin ich selbst meistens auch noch glücklich (hatte kürzlich einen Cabernet Franc mit 16% in der Flasche…).

      Gruß
      Peter

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