Ja, die Wassmann’s mit ihren „leisen“ Weinen. Anders als viele ihrer Villányer Winzerkollegen kommen sie weniger marktschreirisch und vor allem mit deutlich weniger alkoholischen Weinen daher. Setzen auf biologischen Anbau, natürliche Weinbereitung nur mit dem nötigsten an Technik. Heraus kommt ein Stil, der vielleicht nicht immer gleich verfängt, den einen oder anderen Wein ggf. auch mal unter Wert im Glas stehen lässt. In jedem Fall aber haben Susann Hanauer und Ralf Wassmann, das überaus sympathische Paar im kleinen Dorf Pécsdevecsér da am Ende der Welt ihren Weg gefunden und stilistisch eine Stelle besetzt, die es dort sonst schlichtweg nicht gäbe.

Jaja, die Wassmanns: Ernte gut, alles gut. Kreativer konnte ich gerade leider nicht sein. (copyright/quelle: Wassmann, Facebook)

Nicht zu vergessen, dass sie durch ihre alles andere als selbstverständliche und für die alteingesessenen Zunft häufig auch nicht verständliche Pionierarbeit als Öko-Winzer keinen einfachen und letztlich doch wichtigen, weil inzwischen für viele andere wegweisenden Pfad beschritten haben. Wozu das auch  führt: dass sie mittlerweile bei einigen Betrieben beratend tätig sind, dass in manch einem Weinberg nunmehr, flapsig ausgedrückt, statt kahlgespritzter, offen liegender Erde das Grünzeug zwischen den Reben wächst, Mikrobiotope entstanden sind und die schweren Lössböden nachhaltig stabilisiert wurden. Eine Folge: weniger Schäden durch ausgewaschene Furten in den Weinbergen bei schweren Niederschlägen, wie es sie in den vergangenen Jahren immer mal wieder gegeben hat. So bemerkenswert das an sich ist, sind das dennoch nur erste Schritte und man scheint noch weit entfernt von einem grundsätzlichen Sinneswandel.

Zurück zu den Weinen, den aktuellen und somit einer Bestandsaufnahme anlässlich eines Besuchs vor Ort. Alles neu? Ja und nein. Der neue 2011er Olaszrizling, also der Welschriesling, zeigt sich so schön wie vielleicht nie zuvor (zugegeben: die älteren Jahrgänge kenne ich nicht). Der Blaufränkisch, aus zugekauftem Traubengut aus Szekszárd erstellt, bleibt aus meiner Sicht das „Problemweinchen“. Doch auch der 08er war anfangs nicht so doll und steigerte sich dann mit der Zeit. Das wird man, wie so oft, einfach sehen müssen.

Doch zu den Weinen im Einzelnen:

Olaszrizling 2011
… und auch dessen Trauben sind wie immer einige Tage auf der Maische geblieben. Der Most wurde über Nacht durch natürliches absetzen vorgeklärt. Am Ende stellten sich vor allem in im Vergleich zur Region an sich angenehme 13% Vol. Alkohol ein.

In der kühlen Nase zuerst vor allem mit traubiger Frucht, die später dann zu gelben Birnen und Quitten übergeht. Hefegebäck und Honig. Am Gaumen saftig, mit entsprechend animierender Frucht, wie es so schön heißt. Und schön ist fast schon ein Understatement. Denn dieser Olaszrizling gehört zu den bemerkenswertesten, die ich bislang im Glas hatte. Die Frucht aus soeben geschnittenen, saftigsten, perfekt gereiften Apfel- und Birnenschnitzen wird von angenehm hellgelb-feingrünen Säuren flankiert. Da ist viel jugendliche Frische und doch auch schon, ja, sogar bei einem Welschrielsing geht das, Eleganz zu spüren. Klare Struktur, unterfüttert durch eine bereichernde kernig-metallische Herbheit, die leicht verspätet einsetzt und gegen Ende an Fahrt aufnimmt. Hallt im Abgang zusammen mit den Schalen von Zitrusfrüchten noch nach. Kaufen!

Portugieser 2010
Und auch hier sei vorweg gleich gesagt: es geht auch mit weniger. Nein, weniger ist mal wieder mehr. Lediglich 12% Vol. Alkohol – und man bekommt wider erwarten (Ironie!) doch einen vollständigen Wein präsentiert. In der Nase so kompakte wie geleckte schwarze Kirschfrucht, Minze, feinstes, kühles Holz. Am Gaumen wiederum die schwarzen Kirschen, satt und fest, dazu Johannisbeeren der ebensolchen Farbe. Leicht metallisch herb unterfüttert von Beginn an, dabei tiefdunkel erdig-hölzern wirkend, recht füllig, verhältnismäßig konzentriert und sehr präsent und willig, getrunken zu werden. Schöner Wein, der sich sehr klar und angenehm abhebt von der breiten Masse unambitioniert gemachter Portugieser der Konkurrenz. Es geht eben mehr mit dieser Sorte, wenn man nur will.

 

Olaszrizling = Welschriesling. 2011 = 2011. Wenigstens die Jahrgänge sind international.

Szekszárdi Kékfrankos 2009
Kühle Nase mit dunklen Früchten, vor allem schwarze Kirschen, samtenem Holz, Zartbitterschokoldae und ganz feinen Grafittönen. Am Gaumen sehr präsent, auch hier mit schwarzer Kirschfrucht, recht satt, zum Ende hin mattes Holz, schwach adstringierend. Von Beginn an jedoch mit sehr starker Würze, die insgesamt ein wenig zu dominat wirkt und die Frucht und fein begleitenden Säuren etwas zu sehr in den Hintergrund drängt.

Mundia Cuvée 2008
Portugieser, Kékfrankos und Merlot. Nach wie vor eher verhaltene Nase aus getrockneten Kräutern, einer angetrockneten roten Frucht, sonnenbeschienen im holzumrahmten Fenster. Am Gaumen: ganz leicht süßliche aber sich nicht ansatzweise aufdrängende oder völlig wirkende dunkelrote Frucht. Nein, hier saftig, auch im vierten Jahr ungemein frisch wirkend. Und mit sanftem aber nachhaltigen Druck kommend. Da ist jemand auf dem besten Wege, in der Flasche voll auszureifen, in sich zu einem sehr gelungenen, runden Ganzen zu werden und langsam einem gehobeneren Alter entgegen zu blicken – ohne auch nur ansatzweise Schwäche zu zeigen. War nie und wird nie ein „Powerwein“ sein. Und das ist gut so.

Mundia Cuvée 2009
Portugieser und Kékfrankos. In der Tat einen Tick jünger, wilder, „ungehobelter“ wirkend, schon in der Nase. Ledern, animalisch wirkend, Grafittöne, quasi als Kontrapunkt eine leicht süßlich wirkende, hellrote Frucht. Und am Gaumen ein richtig kompakter Fruchtkern, umgeben von feinem Holz. Zwetschgen, hellrote Süßkirschen, auch Sauerkirschen, Waldbeeren, frische und gut eingebundene Säuren. Vom Blaufränkisch eingespielte, leichte Würze. Nicht schwer und nicht zu leicht im Körper, dadurch elegant, etwas verhalten gediegen, in jedem Fall nicht wild oder ungestüm in seiner Jugend, sondern schon schön trinkbar.

Merlot 2009
Und dann noch ein Merlot, der mit seinen wunderbar leichten 13% Vol. ein derart angenehmes Gegenbeispiel zu vielen Merlots darstellt, die ich bei meinem Villány-Kurzaufenthalt diesen Sommer probieren durfte, vom Erlebnis her gedacht eher: probieren musste. Und eben doch alles hat, was ein gelungener wein braucht. Floral feurig, Lakritz spielt mit rein. Paprika, sauber heraus gearbeitete, knallrote Frucht, saftig, offen liegend, aber nicht ungestüm, mittlerer, gerade geschnittener Körper, gegen Ende schält sich dann die Säure etwas deutlicher heraus, fein adstringierend im Abgang.

Kommentieren? Hier entlang... ▼

Connect with Facebook


Verwandte Artikel