Copyright Heumann (Facbook-Profilseite von Erhard Heumann)

Und dann schon wieder Villány. Und auch schon wieder Heumann. Und, um es vorweg zu nehmen, es tauchen in den kommenden Tagen noch mehr „altbekannte“ Namen auf. Was es noch schlimmer macht: mein Besuch vor Ort liegt schon einige Wochen zurück. Der Hochsommer war am Toben. Rotweinproben gehen da nicht so leicht von der Hand. Trotzdem lohnt es sich natürlich grundsätzlich, halbwegs nah dran zu bleiben, zumindest bei einigen Erzeugern. Nur so lassen sich Veränderungen nicht nur an einzelnen Weinen sondern eben auch in der Machart bzw. dem Gesamtansatz, der Philosophie der Erzeuger erkennen und nachvollziehen.

Dass hier auf BorWerk die Winzer mit deutschem Hintergund fast automatisch näher beäugt werden, versteht sich vermutlich von selbst. Weiter erklären oder gar verteidigen möchte ich dies auch gar nicht, allenfalls mit einem Verweis auf die sonst doch wohl sehr breit gestreute Zahl von Weingütern, deren Weine hier vorgestellt werden und die auch in Ungarn nicht zu den allseits und allerorten Geläufigen gehören.

Die Heumanns überzeugen durch Konstanz. Dabei geht es nicht nur um die internationale Stilistik, die sich schon an den Rebsorten, auf die man setzt, festmacht, oder dem recht behutsamen Barrique-Einsatz. Hier gab es im positiven Sinne schon immer eine eindeutig moderne Brechung zum Old-Style der Gegend. Syrah wird durch eine Neupflanzung in den kommenden Jahren verstärkt hinzukommen. Da darf man mehr als gespannt sein. Cabernet Franc soll vor allem auch international die Stärke von Ungarns bekanntester Rotweinregion ausspielen. Das ist, was man bei manchen Erzeugern in den letzten Jahren probieren durfte, mehr als nachvollziehbar. Kékfrankos, d.h. Blaufränkisch allein und im Blend mit der anderen internationalen Größe, dem Merlot, der Lokalpatriot mit Eigenkolorit nach außen sein.

Konstanz, und doch auch Bewegung. Eine Bewegung hin zu niedrigeren Alkoholgraden nämlich, die auch genau so erwünscht sind. Einfach machen es Sommer wie der 2012er sicher nicht, wo lange Trockenphasen durch teils auch für Ungarn extreme und vor allem anhaltende Hitze kennzeichnend waren. Das gelingt mal mehr und mal weniger. Am bemerkenswertesten war am Ende vielleicht sogar die Einstiegs-Rotweincuvée, die so offen und unverkrampft wie dann doch erstaunlich nachhaltig daher kommt, dass sie eine wahre Preis-Leistungs-Freude sein wird.

Eric’s Dream 2011
Chardonnay, Riesling und 2% Gewürztraminer. Letzterer spielt eine wesentlich bedeutsamere Rolle, als seine marginalen 2%-Anteil vermuten ließe, sticht (noch immer) recht deutlich hervor. Insgesamt aber dennoch eine verhalten dreinschauende, noch jung und etwas verschlossen wirkende Cuvée mit Honig-Birnen-Nase und dezent floralen Tönen. Am Gaumen mit etwas zu schwachen Säuren, einer leicht matten Frucht aus gelben Birnen, halbreifen Aprikosen. Und erst zum Ende hin einsetzend und dann aber recht ausgeprägt werdend eine schöne Würze. In sich rund, aktuell etwas verhalten, verlegen wirkend. Nicht wirklich ein Sommerwein und ohnehin sollte man ihm noch etwas Zeit geben.

Rosé 2011
…aus 60% Blaufränkisch, den Rest machen Cabernet Franc, Merlot und Syrah unter sich aus. In sich sehr rund und stimmig, mit einer erstaunlich fülligen Frucht (etwas Restzucker sei Dank) aus Erdbeeren und roten Kirschen, nussige Töne. Auch hier ein Tick weniger Säure als für den Sommer vielleicht wünschenswert und mit einem Rosé fürs erste in Verbindung gebracht. Aber genau deshalb auch eigenständig.

[Vorabfüllung] Rote Einstiegscuvée 2010
Fein rauchig warme Nase mit knallig roten Früchten und sanftem Holz. Auch am Gaumen mit recht deutlichem aber ebenso behutsam, gedämpft wirkendem Holz. Sehr rund, behutsam gezeichnet, leicht erdige Töne, schön gereifte, dunkelrote Frucht und schöne Säuren. Sehr stimmig. Für vermutlich rund 2000 HUF (rund 6,80 EUR) wird das erstaunlich viel Wein zu einem absolut fairen Preis sein.

Borosso 2010
Der Wein, das „Flaggschiff“, ein Namensspiel: Bor – ungarisch für Wein – und Rosso – bekanntermaßen italienisch für die Farbe rot. Und eine Cuvée aus 58% Cabernet Franc, 20% Merlot und 22% Kékfrankos, also Blaufränkisch. Ab September 2012 am Markt, kommt bislang der Franc nur verhalten mit seiner typischen grünen Paprikanote zum Vorschein. Wie man insgesamt vor allem in der Nase – kühle dunkelrote Frucht mit mattem Holzhintergrund – aber auch am Gaumen auf einen noch jungen, entsprechend verhaltenen, aber doch auch schon erstaunlich gut trinkbaren Wein trifft. Am Gaumen markant, knochig-sehnig, dabei dennoch gefällig, mit feinen Gerbsäuren, d.h. recht dezent eingesetztem Holz, doch einer recht ausgeprägten Würze (ggf. vom Blaufränkisch, in anderer Gestalt sicher auch vom Franc), Grafit-Töne, saftige Frucht aus roten Kirschen und Johannisbeeren. Nicht zu breit und nicht opulent rüber kommend. Mittel bis lang im Abgang. Schöner Repräsentant des ja doch recht schwierigen 2010er Jahrgangs.

Merlot 2008
Mattes, warmes Holz und vor allem satte schwarze Kirschfrucht in der Nase. Und am Gaumen. Eben und breit und rund und geschmeidig gezeichnet. Dabei sehr gerade laufend und direkt. Recht verhaltene Säuren, metallischer Einschlag. Leicht süßliche Frucht und Würze am Ende verweisen auf 14,5% Vol. Alkohol, der bei Merlot gerne deutlicher nach außen tritt.

Borosso 2009
Hier reden wir jetzt von 55% Cabernet Franc, 12% Cabernet Sauvignon, 23% Merlot und 10% Blaufränkisch. Zudem von 15% Vol. Alkohol. Die zeigen sich schön integriert, anfänglich. Und der Wein mit einer bemerkenswerten Kraft, einer satten Kirsch-Johannisbeer-Brombeer-Frucht, die Präsenz und Breite mit sich bringt. Dann auch noch eine sehr frische, einen wohltuenden Kontrapunkt setzende Säure und im Hintergrund die Paarung aus feinem Holzeinschlag und Grafit. Mittel bis lang mit feiner Würze im Abgang. Der ist jetzt schon voll da, trinkt sich schön, hat aber gewiss noch einige Zeit Entwicklung vor sich. Kleiner Wehrmutstropfen: der hohe Alkohol zeigt sich am Folgetag durch das Mehr an Luftkontakt leider doch in Gestalt einer überreifen und leicht süßlichen Frucht. Für rund 15 EUR hat er dennoch deutlich mehr zu bieten, als viele seiner direkten Villányer-Konkurrenten, wirkt kraftvoller und vor allem moderner.

Kékfrankos Reserve 2009
Eine Blaufränkisch-Selektion. In der Nase ganz bei sich. In sich ruhend, mit einer eingekochten dunkelroten Frucht, gedörrten Zwetschgen, Zimt und Grafitnoten. Am Gaumen mit einer sehr kompakt gewirkten, kernig-säurigen Zwetschgen-Sauerkirschen-Frucht. Alles nah beieinander gebaut, ineinander verwoben. Dabei noch etwas wild und ungestüm wirkend – jung eben, mit warmem Holz und den für Blaufränkisch typischen, hier aber etwas hinter die Frucht gestellten Grafitaromen. Wenn man so will ein „getunter“ Blaufränkisch. Untypisch, bemerkenswert satt und übrigens auch mit 15% Vol. aufwartend.

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