Bussay - Zalai Pinot Noir 2010

Und dann hat man es bisweilen mit Weinen zu tun, die einen ein Stück weit ratlos zurück lassen. Was an sich nicht schlimm ist. Schließlich liegt es an einem selbst, nicht am Wein. Und ist auch wieder nur menschlich, dass man die Ratlosigkeit nicht akzeptieren, nach der einen, im besten Falle so schlüssig wie schmissigen „Message“ kommen will. Wenn diese einem also verwehrt bleibt, hadert man. Erstmal mit dem Wein, was der sich so herausnimmt. Letztlich aber doch und nur mit sich. Dann, einen Schritt weiter, mit der nötigen Distanz zu sich selbst und dem „Herausforderer“, akzeptiert man im besten Falle die Sache so, wie sie ist.

Und so ist es mir auch mit dem jungen Pinot Noir aus dem Südwesten Ungarns ergangen. Dem Pinot, den der Zähne verarztende Dr. László Bussay dem 2010-ten Jahr nach Christus abgetrotzt hat. Leicht bräunlich, leicht trübes, helles bis mittleres Rubinrot, so kam er rein optisch im Glas daher. Ein spontanvergärter Pinot, was man auch in der Nase riecht. Zudem weiche Kirsch-Zwetschgenfrucht, Mandeln. Ein filigranes Gebilde, mit sanfter Hand gemalt. Still, wie der Vorbote einer noch gar nicht absehbaren, verschneiten Winterlandschaft. Mit Zwetschgenhaut an der noch spärlich überreife Fruchtfleischreste hängen. Mit etwas getrockneten Feigen, ein klein wenig Karamell, aber nicht ansatzweise süßlich. Mit feiner Würze etwas betagter trockener Kräuter. Etwas Holt noch, sanfte, matte Säuren. Ungefilter, nicht geschönt schön.

Im Abgang etwas kurz geraten. Und auch sonst eigentlich fast zu zahm, zu weich, zu sehr in sich gebändigt, mit sich zufrieden. Ein Mauerblümchen. Das ist einer jener Fälle, bei denen es auf die eigene Stimmung stärker ankommt, als in vielen anderen Fällen. Der einem also gefallen kann, oder auch nicht. wenn nicht, enttäuscht er durch mangelnden Druck, durch seine feminin anmutenden Weichheit, weil er nicht zupacken kann und will. Und weil er letztlich in seiner schieren Nacktheit, seiner fast unverschämt wirkenden Unbehandeltheit, seiner gar etwas verschüchtert rüberkommenden Natürlichkeit, ganz und gar nicht in die heutige schnellebige Weinwelt passen will.

Wein: Zalai Pinot Noir 2010
Weingut, Ort: Bussay László,  Csörnyeföld
Alkoholgehlat: 12,5% Vol.
Preis: 9 EUR (2.790 Ft)

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