Etwas zu viel des Guten (Alkohols): der 2009er Grófi Juhfark von Tornai mit 15% Vol.

Dann also zum letzten Teil des schnellen virtuellen Rittes über den Monolithen, den Vulkankegel Somlós hinweg. Wie eingangs erwähnt wurden diesmal Wege abgekürzt (so etwa Kreinbacher nicht besucht, auch den guten alten Fekete Béla nicht, obwohl er gar selber anwesend war!), nur sporadische und eher oberflächliche Eindrücke gesammelt. Schließlich hat man es bei derlei Veranstaltungen auch stets mit bestenfalls als „suboptimal“ zu bezeichnenden Bedingungen zu tun bzw. mit Widrigkeiten zu kämpfen. Als da wären: zu warme Weine, zu warme Räumlichkeiten, viele Besucher, also auch stickige Luft etc. Und doch taugen solche Events, um Stimmungsbilder einzufangen allemal. Und sind erst recht für den normalen Besucher unbedingt empfehlenswert. Wann und wo sonst sollte er mit kurzer Anreise auf einem Fleck versammelt so viele Weine von so vielen Erzeugern nach eigener Lust und Laune probieren können.

Zum Teil eins über den Event an sich (ein wenig) und Eindrücken zu Dénes Hegybirtok, Várkapitány Pince und Fazekas András.
Zum Teil zwei über den Event über Csordás-Forod und Györgykovávs Imre.

Tornai Pincészet
Der Großerzeuger vom Fuße des Großen Somló, leider auch mit vielen Hektar Reben in der Fläche… Apátsági Furmint 2008. Bissige Frucht und animierende Säuren, Äpfel, Mandarinen, Limetten, saftiger Spaßmacher, wenn auch nicht allzu sehr auf Somló verweisend. Grófi Juhfark 2009mit animalischer Nase, am Gaumen wild und ungezähmt sich breit machend, was stark mit Alkohol zu tun hat, was wiederum auf 15% Vol. verweist und zwar schlimmer raushängen könnte, dennoch genügend spürbar ist, um unangenehm und einfach auch unangemessen zu sein. So was geht einfach nicht, kann einfach nicht gut gehen.

Ein Tier von Wein, der Juhfark in seinem „Käfig“…

Der Hárslevelű 2008 gefällt da wesentlich besser, könnte gar dem einen oder anderen Rebsortenreinen aus Tokaj Konkurrenz machen. Hingebungsvoll offen – und das von der ersten Sekunde an. Saftig und, wie man zu sagen pflegt, „trinkig“, verlangt nach weiterem Schluck, Orangen, Birnen, Stachelbeeren, Mandarinensäurenspritzer, Kristallmineralität. Auch wieder nicht unbedingt Somló-typisch, kein wirklicher Lokalpatriot, aber dennoch nett.

Spiegelberg István
Stephan, der Exzentriker vom Somló mit deutschen Wurzeln, macht ebensolche Weine. Die sind oftmals spannend, bisweilen gar extrem und dann auch nicht Massentauglich. Unsereinen freut’s. Hier hatte man sich auf die 2010er konzentriert, welche Stephan netterweise schon in kleinen Mengen mitgebracht hatte. Zum Einstieg ein 2010er Cuvée aus, Zitat: „50% Olaszrizling und 50% Sonstigem“. Stein-Kräuternase. Am Gaumen eng geschnitten, nicht zu markant, mit geschliffenen Säuren, verkapselter gelber Frucht, karg, noch etwas verschlossen. Nicht uninteressant und nicht unelegant. Der Olaszrizling, also Welschriesling, etwas breiter, floral-fruchtig, zunehmend scharfe Würze, am Gaumen dies erst einmal konterkarierend, mit feinem Schmelz, transparent wirkender Frucht aus halbreifen Birnen und Äpfeln, auch hier dann zunehmend würzig, dabei auch eher karg und eng bleibend. Der Furmintauch hier und jetzt vielleicht am schönsten, interessantesten, mit kräftiger Aprikosennase, am Gaumen schlanke Gestalt suggerierend und doch heimlich mit mächtigem Druck kommend, auch hier eher karge Frucht, schönes

Zusammenspiel von mineralischen Noten und Säure, letztere alles andere als ausladend. Noch richtig jung. Der Juhfark dann als Fassprobe nicht nur weil aus der Plastikflasche eingeschenkt außergewöhnlich: mit satten 16,5% Vol. Ein Tier von Wein mit spürbarem Restzucker (10 g/l). Breit und auslandend, Wachs und tropische Früchte, viel Saft und Druck, klarer, gelber Säure im Rücken. Und trotz geschätzten 19-20 Grad Temperatur nicht brennend oder mit überbordender Alkoholwürze. Erstaunlich.

 

….und Lajos Takács im unfreiwillig inszeniertem Gegenlicht.

Hollóvár Pincészet / Takács Lajos
Lajos, der andere Exzentriker am Berg, auf seine Weise. Und mit ebensolchen, wiederum ganz eigenständigen Weinen. Sein 2009er Olaszrizling mit Spontangärungs-Nase, Pilze, Käse, getrocknete halbreife Birnen-Apfel-Frucht. Am Gaumen mit weichem Kern und griffiger Schale. Nicht anders rum. Ein Steinbeißer mit enormer Mineralität die zum Ende hin herausfordernd würzig nachwirkt. Begleitet von etwas zu klarer, fast verwässert wirkender Apfelfrucht, Tabak, vegetabil. Der 2009er Furmint, ein Mann von Wein. Konzentriert, etwas alkoholisch, vielschichtig, mit viel Druck, dennoch nicht überbordend oder unkontrolliert, mit komplexem Säure-Mineralitäts-Wechselspiel, zurückhaltender Quitten und weiß-gelber-halbreifer-Beerenfrucht, zweifelsohne noch jung und unterentwickelt und ein Paradebeispiel für einen der Fälle, dem man sich in einem solchen Rahmen nicht ausreichend zuwenden kann und der nur unzureichend „betreut“ werden kann. Der Hárslevelű von 2009 schlussendlich am offensten von diesen von Lajos’s Weinen. Mit floraler Nase und gar etwas künstlich wirkender, „dezent würzig-traminernder“ Apfelfrucht. die sich am Gaumen neben einer klaren gelben Säurelinie wiederfindet, nebst Brotrinde, Stein, getrockneten Flechten.

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