Dénes Hegybirtok brachte zum Beweis, dass es auch am Ság-hegy Basalt-Gestein gibt, lieber gleich ein paar Brocken mit.

Somló ist neben und schon auch nach Tokaj das wohl spannendste Anbaugebiet Ungarns. Mineralischer Boden weil vulkanischen Ursprungs, säurestrotzende Kraftpakete können hier entstehen, Sonderrolle ohnehin ob seiner Lage und verschwindend kleinen „Größe“, quasi weltweit einziger Spielplatz für die Rebsorte  Juhfark. Alles überschaubar, auch was die Anzahl nennenswerter Erzeuger  anbelangt. Die schaffen es als Gemeinschaft dann, ein kleines Wunder in Ungarn, regelmäßig Verkostungen zu organisieren. Inzwischen heißt dies, dass man im Schnitt in Budapest zwei mal im Jahr Somló quer verkosten kann. Dafür gibt es sonst kein Beispiel weit und breit. Das ist vorbildlich.

Am Donnerstag bot sich, mal wieder im Festetics Palast der Deutschen Andrássy Universität, gleich hinter dem Nationalmuseum, eine weiter Möglichkeit. Der Fokus lag auf 2009, doch auch einzelne ältere und auch schon 2010er konnte man verkosten. Es war diesmal ein Husarenritt mit Abkürzungen. Zügig gehalten, zusammen mit einem ungarischen Kollegen die Stationen bestimmt und die Weine diskutiert. Die Notizen fielen kürzer aus als gewöhnlich. Ein Eindruck hat sich dennoch vermittelt, auch trotz der Hitze und recht schlechten Luft. Aber das ist man von der Location leider schon leidgeprüft gewohnt. Serh verkürzt und mit all den Abstrichen, die ein derartiger Blitzeindruck mit sich bringt: es war der Abend des Furmint – und 2010 scheint doch auch spannende Ergebnisse geliefert zu haben. Teil I jetzt, der Rest schrittweise, beizeiten.

Dénes Hegybirtok
Nicht zum echten Somló gehörend, die weine vom Sághegy, einige Kilometer westlich, Dénes Birtok, der einzige nennenswerte Erzeuger mit immer mal wieder recht interessanten Weinen. Mit einem Sághegyi Olaszrizling 2006, der fein und geschmeidig, und für einen Welschriesling fast elegant zu nennend auf der Zunge lag. Mit feiner Säurestruktur, geduckter gelber Frucht und kein wenig alt. Nicht breit, nicht konzentriert, im Detail schön – und das nach fünf Jahren. Den Chardonnay ließ ich bewusst aus. Der hat dort nichts verloren. „Nem kell“, braucht man einfach nicht, wie ich finde. Der Sághegyi Furmint, Jahrgang 2009, wesentlich breiter aufgestellt, die Grüner-Apfel-Rosinen-Nase sprang einem förmlich ins Gesicht, am Gaumen dann aber umso dezenter, transparent wirkend, mit etwas flachen Säuren und verhaltener Apfelfrucht. Gut trinkbar, erschein etwas zu einfach gestrickt, die Nase hatte größere Erwartungen geweckt.

Erstkontakt mit „Korona“, einer Kreuzung von Irsai Olivér und Juhfark.

Várkapitány Pince
Der Burgkapitän, soso. Der Name des Weingutes verlangt nach dementsprechenden Etiketten. Probiert habe ich dann lediglich den 2008er Furmint, recht ansprechend in der Nase mit dezent kräuterig-medizinischen Tönen, am Gaumen letztlich dann aber ein kraftlos lauer Säure-Frucht-Zweiklang.

Fazekas András Vino-Trans Kft.
Ein Supermarkt-Lieferant, nicht weiter schlimm das. Nur bemerkenswert, dass er vermeintlich auch den Transport hin zu den einzelnen Läden übernimmt. Warum sonst firmiert im Namen „Vino-Trans“? Probieren musste ich dann aber doch den Somlói Korona von 2007. Korona, Krone, das ist gar eine eigenständige Rebsorte, Kreuzung aus Irasi Olivér und Juhfark. Noch nie gehört. Der eine Ehepartner sollte wohl Frucht und Duft beitragen, der andere Säure und Rückgrat. Raus kam, zumindest bei diesem Beispiel, ein nicht ganz uninteressanter, halbtrockener Wein. Mit erstaunlich trockener, ja fast staubtrocken wirkender Kräuter-Nase, obwohl er eher zu warm war, auch vegetabile Noten. Am Gaumen vor allem Quittengelée, blumig wirkend, eher schwache Säuren, eindimensional, da hat sich mehrheitlich wohl der Irsai-Charakter durchgesetzt. Der Juhfark 2007 zeigte halbreife Apfelfrucht, zunehmend über Säuren definiert, gegen Ende spitz zulaufend. Sonst recht schwach aber für etwas mehr als vier Euro nicht wirklich schlecht.

Fortsetzung folgt, wie gesagt.

Die Etiketten vom Várkapitány, dem „Burgkapitän“: mit bewusst rustikalem Touch und flügellahmem Adlerwappen.

2 Antworten

  1. „quasi weltweit einziger Spielplatz für die Rebsorte Juhfark.“ Stimmt, wenn man davon absieht, dass sehr viel, was in Somló als Juhfark bezeichnet und verkauft wird, kein Juhfahrk ist, sondern es sich dabei um andere Rebsorten handelt.

    • Danke für den Hinweis. Interessantes Thema für sich, das im Bewusstsein des normalen Konsumenten nicht ankommt – auch nicht wirklich muss. Nur eben kritisch hinterfragt werden sollte. Was da in öfteren Anlagen in einzelnen Zeilen schlummerte und vor sich hin wuchs und ertrag brachte und bringt…

      Ganz zu schweigen von der nicht zu unterschätzenden Frage, welcher Rebsorten-Klon zum Einsatz kommt. Und da ist auch gerade in Ungarn nicht nur noch viel Pionierarbeit zu leisten, sondern auch schwarzen Schafen einen Riegel vorzuschieben. Habe schon häufig Winzer fluchen hören, dass sie in viel zu großem Umfang nicht das bekommen haben, was sie mal bestellt haben. Immerhin haben, beispielsweise bei Kadarka, ja einige Winzer selbst das Heft in die Hand genommen und begonnen zu experimentieren.

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