© Weinmanufaktur Wassmann; Bearbeitung durch BorWerk.

Letztlich habe ich mir vorgenommen, es was die Jahrgangsbewertung dieses Jahr auch nicht anders zu machen als die Kollegen vor Ort: Winzer selbst zu Wort kommen zu lassen. Das wird eine kleine Serie werden, vielleicht ein wenig unstrukturiert, lediglich nach Anbaugebieten getrennt, die sich über die kommenden zwei-drei Wochen ziehen wird. Um für die Winzer nervige Doppelt- oder gar Dreifachanfragen zu vermeiden, greife ich auch auf bestehendes Material zurück und übersetze dies ins Deutsche.  Jetzt, hier, für den Anfang, kommen jedoch drei Erzeuger aus Villány-Siklos zu Wort, im O-Ton, mit ihren Originaltexten, ohne Eingriff meinerseits, ohne weiteren Kommentar. Damit sei auch gesagt, dass ich für die unterschiedlichen Textlängen nichts kann…

Weingut Heumann, Siklós

„Anders als in Westeuropa wo das Frühjahr sehr warm war, entwickelte sich die Vegetation hier in Ungarn normal. Das änderte sich jedoch mit Beginn des Sommers. Ab Juni bis Anfang Oktober schien von ganz wenigen Regentagen abgesehen die Sonne, teilweise mit Temperaturen um die 38 Grad. Die Reben und Trauben haben diese Hitze und den Wassermangel im Grossen und Ganzen gut weggesteckt. Es sieht so aus, als wenn noch genügend Wasserreserven vom Vorjahr vorhanden waren. Die Trauben sind herrlich reif und gesund mit einer wunderbaren Aromenvielfalt.

Die weissen Trauben (Chardonnay, Riesling und Gewürztraminer) haben wir dieses Jahr zusammen geerntet und vergoren. Dies war möglich, da die drei Sorten zur gleichen Zeit reif waren. Wir haben einen früheren Erntezeitpunkt (5.  September) gewählt, um die Frucht der Sorten zu erhalten. Trotzdem ist mit 13% Alkohol genügend Körper vorhanden.

Auch beim Syrah (Jungfernjahrgang) haben wir bewusst auf einen für diese Sorte frühen  Zeitpunkt (23. September) gesetzt. Ebenfalls, um die Frucht zu erhalten und gekochte Aromen zu vermeiden.  Der Wein ist fertig gegoren mit 14% Alkohol und 5 Gramm Säure.

Die Trauben aus den verschiedenen  Kékfrankos (Blaufränkisch) Rebbergen konnten wir Ende September mit 102-103 Oechsle ernten, die Merlots diese Woche mit 105 resp. 108 Oechsle. In beiden Fällen optimale PH-Werten von 3.4. Gestern und heute kamen die ersten beiden Lagen Cabernet Franc  rein – 108 Oechsle.

Dem letzten Cabernet Franc sowie den Cabernet Sauvignon lassen wir noch ein wenig Zeit zur vollen physiologischen Reife. Auch wenn sich die Trauben schon jetzt sehr gut verkosten, werden zusätzliche 8-10 Tage die Tannine noch weicher machen.

Natürlich ist es noch zu früh, um ein endgültiges Fazit zu ziehen. Aufgrund der Qualität der Trauben und des ausgeglichenen Geschmacks darf jedoch ein grosser Jahrgang erwartet werden. Erstaunlich ist zudem, dass trotz der hohen Temperaturen keine exzessiven Alkoholgradationen zu verzeichnen sind. Bei unseren Top-Rotweinen erwarten wir einen durchschnittlichen Alkoholgehalt von 14.5% balanciert durch eine feine fruchtige Säure.“

Weingut Hummel, Villány

„Soeben (06.10.) ist der letzte Cabernet Sauvignon hereingekommen, was bedeutet, dass die Ernte 2011 für mich, bis auf eine Hárslevelü Spätlese, die ich Anfang November lesen möchte, beendet ist.

2011 ist mit Einschränkungen ein sehr guter Jahrgang. Wir haben Trauben von allen Sorten in idealen Reifegraden gelesen, ohne dass die Zuckergrade zu hoch sind. Der höchste liegt beim Cabernet Sauvignon bei 22° Klosterneuburg, Cabernet Franc 21°, Merlot 21°, Kékfrankos 19,5°-20°, Portugieser 18,5-19°. Allerdings sind die Erntemengen kleinen als erwartet, besonders beim Kékfrankos und Cabernet Sauvignon. Interessant sind die relativ hohen Säurewerte beim Portugieser, aber auch bei den anderen Sorten. Aber da muss man die Gärung abwarten und die Malolaktische. Es spricht für innere Spannung und Struktur in den Weinen. Auf dem Papier und im Tank ist alles Premium. Schau mer mal, was der Markt dazu sagt!“

Weinmanufaktur Wassmann, Villány

„Bei uns waren alle Sorten tadellos gesund und das unglaublich warme, sonnige und stabile Wetter war traumhaft für die Lese.

Wir haben jeweils schon um 7:00 Uhr angefangen, damit das Lesegut nicht zu warm rein kommt ins Presshaus, in anderen Jahren haben wir nicht vor 9:00 Uhr angefangen, damit das Lesegut nicht zu kalt ist…

Besonders zeichnet diesen Jahrgang aus, dass die blauen Trauben in sich eher inhomogen gereift sind, d.h es gibt tief-violette, blaue und zart-rosafarbene Beeren in einer Traube. D.h. die Beeren haben ganz unterschiedlichen physiologischen Reifegrad, die Trauben insgesamt aber sehr hohen Zuckergrad. Das finden wir besonders spannend, denn es ist nun quasi so, als hätten wir mehrere Auslesen hintereinander vorgenommen bei unterschiedlichen Reifegraden. Wir versprechen uns davon sehr vielschichtige und komplexe Weine.

Die genauen Öchsle-Grade lagen bei uns bei 93° Portugieser, 95° Olaszrizling (Welschriesling), 99° Chardonnay und Kékfrankos (Blaufränkisch), 102° Merlot und 104° Cabernet Franc.

Die homogenste und am weitesten fortgeschrittene physiologische Reife hatten unsere weißen Sorten, wo wirklich alle Beeren goldgelb und alle Kerne dunkelbraun waren und auch der Stielansatz der Trauben schon durchweg verholzt war und nicht mehr grün. Den Chardonnay vergären wir erstmals anteilig auf der Maische, weil der Geschmack der Trauben so ungewöhnlich intensiv war.

Alle Trauben schmeckten dieses Jahr ganz besonders aromatisch und fruchtig, so dass bei der Lese jeweils auch viel genascht wurde 😉 Bei den durchweg guten Erträgen dieses Jahr, können wir das leicht verkraften 😉

Cabernet Sauvignon haben wir noch nicht gelesen, er steht aber aktuell bei ungefähr 100° Öchsle.

Alle Weine werden also zwischen 13 und 14% natürlichen Alkohol bekommen und bisher verlaufen die offenen Maische-Gärungen bei allen roten Sorten ganz sanft, um nicht zu sagen langsam. Das ist für uns der Optimalfall, denn wir verzichten bewusst auf Reinzuchthefen, Enzyme, Hefenährsalze, Kühlung, Erwärmung, um jeden Jahrgang ideal widerzuspiegeln. Der bisherige Verlauf ohne stürmische, vulkanartige Gärungen und ohne sich stark aufheizende Maischen ist sozusagen lehrbuchmäßig. Außerdem freut uns, dass alle Gärungen absolut reintönig verlaufen und die gärenden Moste / Jungweine schon viel Aromatik zeigen.

Wir haben berechtigte Hoffnungen auf große Weine aus 2011 und setzen in den kommenden Wochen und Monaten alles daran, dieses Geschenk der Natur zu bewahren und allen Weinen beste Bedingungen zu geben, damit sie sich optimal ausprägen und entfalten können und am Ende die höchste Stufe in der Qualitätsgarantie „Districtus Hungaricus Controllatus Villány“ erreichen werden: DHC Villány Premium.“

3 Antworten

  1. Vielen Dank fuer diese aktuellen Informationen von der Ernte. Sie geben einen guten Einblick in das Geschehen. Es freut mich, dass der 2011er Jahrgang so vielversprechend aussieht. Bin schon gespannt darauf, die Weine dann zu verkosten.

  2. Warum nur deutschsprachige Winzer? Haben die ungarischen Weinproduzenten in Villány/Siklós bereits wegen Reichtums geschlossen?

    Die Konzentration in den Beschreibungen auf die hohen Oechslegrade lässt die in Ungarn so beliebten Alkoholbomen befürchten. M.E. hat Villány die beste Zeit hinter sich und ruht sich auf den Lorbeeren einiger weniger Jahre aus.

    • Kommt alles noch zu seiner Zeit. In den kommenden Wochen wir auch nochmal Villány zu Wort kommen. Die Ungarn haben noch nicht wegen Reichtums geschlossen, wobei der eine oder andere sicher gut im Speck steht.

      Oechslegrade anzugeben gehört dazu. Ich verstehe aber Ihren Einwand durchaus, kann ihn nachvollziehen und vielfach unterstützen, leider. Das Motto: hohe Alkoholgrade gleich hohe Qualitaet bestimmt leider nach wie vor die Arbeit einiger Erzeuger, gar nicht weniger. Kann an dieser Stelle auf einen Artikel zu Bock verweisen und auf meine Einleitung zu einer Villány-Serie

Kommentieren? Hier entlang... ▼

Connect with Facebook


Verwandte Artikel