Der Jahrgang 2010 hat auch in Tokaj vielen Winzern Probleme bereitet. Die Qualitäten stimmen nicht, die Mengen noch viel weniger. Und so musste sich jeder entscheiden, was daraus überhaupt noch sinnvoll zu machen ist. Die Barta Pince hat in einer kleinen Auflage einen halbsüßen Furmint und einen süßen Muskateller auf den Markt gebracht. Beide in recht wuchtigen Burgunder-Flaschen und auch sonst optisch von dem sonstigen Portfolio abgehoben, mit anders gestalteten Etiketten. Preislich wird man auch unter dem sonst üblichen Level liegen. So muss man keine Scharte auswetzen, hat präventiv reagiert und einmalig eine andere Richtung eingeschlagen. Nicht dumm und sicher nicht die schlechteste Lösung. 

 

Egy kis félédes Furmint 2010
„Ein wenig halbsüßer Furmint.“ 11,5% Vol. Alkohol, 27 g/l Restzucker. Frische Orangen und Äpfel und florale Töne in der Nase. Am Gaumen vor allem und ganz viel Birnen, förmlich zum Reinbeißen, Aprikosen, Orangensaft, weich, frisch, spritzig, zitrusig, wunderbar unkompliziert – das Richtige für nen schnellen Schluck im Alltag.

Egy kis édes Muskotály 2010
„Ein wenig süßer Muskateller.“ 10,5% Vol. Alkohol, 50 g/l Restzucker. Saftig traubige Nase, Traminertöne sind hier eher untergeordnet. Traubi Soda (eine ungarische Limonade auf „Trauben“-Basis), nach etwas Zeit and er Luft dann eher kräuterig werdend und von da an konsequenterweise stark an Almdudler erinnernd. Mir etwas zu füllig, auch einfach doch einen Tick zu süß für einfach so, nebenbei. Das ist aber gewiss sehr subjektiv, gewiss kommt der kleine Schmeichler oft gut an.

Furmint-Muskotály 2008
… im Verhältnis 60 zu 40 in Gestalt einer Spätlese vereint. Daher mit „lediglich“ 12% Vol. Alkohol und immerhin 106 g/l Restzucker ausgestattet. Und das ist eine spannende Mischung, mit tabak, ja fast Röstaromen, Botrytis-Anklängen, traubigen Noten, Frucht von Aprikose und Birne, beide Male vollreif geerntet und eher schon halb getrocknet, gedörrt, Karamell und eine feine mineralische Bitterkeit. Nett.

Noch ein kurzer Nachtrag, gar nicht mal ein richtiges Resümee, sondern vielmehr allenfalls eine Anmerkung, ein Hinweis. Nun wurde die „Tokaj reloaded“-Serie, in der es um vier Erzeuger ging (Attila Homonna, Bott Pince, István Szepsy, Zoltán Demeter) um „Tokaj revisited“ erweitert. Da waren drei Winzer im Spiel. Und kein Ende ist in Sicht. Tokaj bewegt sich, entwickelt sich dynamisch. Nicht auszudenken, was in 5 bis 10 Jahren sein wird. Die Qualitäten können und werden sich noch steigern, die Sicherheit über die Jahrgänge hinweg, die Konstanz zunehmen und damit das allgemeine  Niveau angehoben werden.

Und das geschieht auf ganz unterschiedliche Weise. Die drei letzten von mir vorgestellten Vertreter sind ein gutes Beispiel für die Vielfalt an Erzeuger-Profilen und Ansätzen. István Balassa macht in klar begrenztem Umfeld und mit einer so bewussten wie beachtlichen Lagen-Diversität seine eigenen Weine, nachdem er einige Jahre die „Schulbank“ bei anderen gedrückt und auch in einem Labor Erfahrung gesammelt hat. Dass er heute seine eigenen Weine  nicht zur Analyse ins Labor schicken möchte, einfach keinen Sinn darin sieht, sagt viel. Zoltán Asztalos hat als Quereinsteiger verhältnismäßig spät begonnen, ist gleichzeitig in seine Heimatregion im äußersten Osten Tokajs zurückgekehrt und leistet mit geringem Kapitalaufwand, dafür umso mehr eigenem körperlichen Einsatz echte Pionierarbeit. Und Károly Barta schließlich, geht den Weg des bewusst und bedächtig und maßvoll investierenden Unternehmers, der selbst bereits viel von Weinen versteht, das Machen klugerweise aber anderen, konkret Attila Homonna überlässt und so auf dem besten Weg ist, aus der Lage Király und dem Sitz des Weingutes, der Rákóczi Kúria, wieder das zu machen, für was sie einmal standen: stolze Aushängeschilder Tokajs.

Schön ist es, diesen Prozess begleiten zu dürfen.

Eine Reaktion

  1. Ein schönes Plädoyer für Tokaj, ehrlich und tiefgründig, somit wertvoller, als eine Marketingfirma, die jährlich Millionen (Forint) kassiert.

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