Miklóscsabi - Csakazízéér 2010

Mór, dieses kleine Weingebiet rund 85 Kilometer westlich von Budapest übersieht man. Nicht gerne, nicht absichtlich, einfach weil es nicht so viel zu Kosten gibt von dort. Jedenfalls nicht, was schöne, qualitativ gute oder gar spannende Weine angeht.

Mór gehört zu den eher kühlen Anbaugebieten Ungarns. Weißwein ist angesagt, tendenziell mit höheren Säuregraden. Ezerjó, Tausendgut, ist die lokale Größe. Eine autochthone Rebsorte, die man sonst kaum jemals zu Gesicht bekommt. Auch sie liefert tendenziell säurereichere Weine. Und dann kam das Jahr 2010, eher kühl, eher regnerisch – und trug seinen Teil zu tendenziell eher säurebetonten Ergebnisse bei.
Regionen-bedingt höhere Säuregrade, sortenbedingt säurereiche Weine, jahrgangsbedingt säurebetonte Ergebnisse. Und genau das findet man dann auch hier, geballt.

Das kann kein noch so „trendiges“ Etikett, kein noch so „kreativer“ Name, kein noch so „cooles“ Geschreibsel beschönigen oder gar überdecken. miklóscsabi, so möchte der Erzeuger gerne geschrieben werden, so macht es der Handel gerne auch, eigentlich Miklós Csaba, setzt auf Auffälligkeiten, auf Extravaganz, auf Coolness, auf Style. Und gehört sicherlich zu den zwei-drei Erzeugern aus Mór, die zuverlässig gute Qualität liefern. Allein, sein Dreiklang aus Marketing- und Imagemaßnahmen weiß gegen den Dreiklang aus Säure nicht anzukommen. Da kann man noch so gegen die Natur löcken, am Ende zählt, was hinten bei rauskommt.

Mittleres Zitronengelb im Glas. Frische Birnenschnitze und traubige Aromen, unterfüttert von dezenten Holztönen in der Nase. Am Gaumen ausgesprochen trocken. Anfangs in eine kalte Schale gelegte Frucht aus gelben Birnen und halbreifen Tafeltrauben. Da stets ein wenig so wirkend, wie als würden sie nicht wirklich im Mund ankommen. Auch diese von leichtem Holz unterlegt und wie durch Stein geklärt. Aber und vor allem, viel Säure, Limetten, Grapefruit. Säure, die von Beginn an da ist und zum Ende hin stärker wird, im Abgang grünlich wirkt. Das legt sich am zweiten Tag alles ein wenig, wirkt graduell weicher, lässt die Frucht wärmer und voller erscheinen. Dennoch: das ist einfach zu viel des „Guten“, auch und vor allem des Geschmacks wegen.

Ach ja, fast vergessen. Der dadaistisch veranlagte Schreiberling hat wohl auch die Texte für die Zekk-Serie verfasst. Hochkant findet sich jedenfalls die vielsagende Botschaft am Etikett:
„Mutter jedoch. Lehrt tanzen. Einen vor, zwei in Csóka. Tausendgut. Schön lange. Mutter ist, wie ein Engel.“

Und der Produktname, csakazízéér, sollte eigentlich auch getrennt geschrieben werden und meint „nur des Geschmacks wegen“. Warum stimmt es dann gerade dort nicht? Und warum wird so viel Energie für das Drumherum aufgebracht, wenn es am Ende doch „nur“ um den Geschmack geht?

Wein: Csakazízéér 2010
Weingut, Ort: Miklós Pince, Mór
Rebsorte/n: Ezerjó
Alkoholgehalt: 13,5% Vol.
Preis: 8 EUR (2.180 Ft)
Internet: mikloscsabi.com

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