Zekk war offensichtlich schon leicht bedüdelt beim Fotografieren, zumindest würde das die leichte Schräglage von manch einer Flasche erklären.

Ein nicht allzu komplexer, sich schnell wunderbar im Glas entfaltender Pinot. Mit mittlerem Rubinrot, das einen Tick ins Bräunliche geht. Mit einer schönen warmen und reifen Kirschfrucht in der Nase. Und einer schlanken, ganz leicht süßlichen und daher verlockenden Kirsch-Zwetschgen-Kombination, recht kräftigen aber eben gerade noch nicht zu kräftigen Säuren. Würze ist da, eine recht kräftige sogar. Mittel im Abgang. Eigentlich ein guter Einstieg in die Pinot-Welt.

Zekk szép. „Zekk ist schön.“ Steht auf der letzten Flasche von allen vieren dieser Serie. Und weiter: „Dann blase ich ein bisschen Rot in das Blau rein, und sage einen nicht allzu komplizierten Satz – sagte Zekk, der den zweiten Laut des Wortes „nie“ nie aussprach.“

Zekk ist der „Klammeraffe“, das Bindeglied der Serie. Ein Hase mit Karnevalsmütze zwischen den Löffeln, Kleeblatt zwischen den Hauern (auf dem Pinot-Etikett geht er etwas unter).

An dieser Stelle: Rekapitulation. Was kam davor:

Beim Chardonnay wird von von Phosphoreszenz geschwafelt, da Zekk gestern keinen in Mehl gewendete Forelle zum Essen bekommen hat, sondern sich mit einer Schweinehaxe zufrieden geben musste. Was seinem Magen nicht gut tat, weshalb er sich einen Gin und zwei Wodkas zum Frühstück genehmigte. Dennoch: nach wie vor ist ihm nicht gut.

Beim Rosé erfährt man, dass Zekk an der Abschlussparty der Vortragsreihe „Über die Apokalypse“ teilgenommen hat. War, laut Zekk, ein schöner Abend, weshalb er hofft, dass es eine Fortsetzung geben wird. Dabei spricht er den zweiten Buchstaben des Wortes”nie” niemals aus.

Beim Bordeaux-Blend erfährt man, dass Zekk ab und an die irdischen Sphären verlässt und sich in ein kosmisches Wesen verwandelt. Ich bin ein Ufo geworden, Mutter, sagt er, wenn er heimkommt.

Zekk – Gál Tibor – Egri Pinot Noir 2007

Und jetzt eben wieder der bewusst gepflegte Sprachfehler, Farbspiele und das Eingeständnis, nur simple Sätze veräußern zu können.

Machen wir es kurz: die Serie verspricht schöne Weine mit gutem Trinkspaß zu ordentlichen Preisen (der Pinot hier erscheint mir doch zu teuer). Und auch hier und vor allem hier: das Etikett ist schön, mir gefällts jedenfalls.Das macht die gesamte Serie am ehesten aus. Alles drumherum, ob das nun ein Hase als bindenden Element ist oder irgendein anderes frei erfundenes graphisches Element spielt letztlich keine Rolle. Bei der Betextung hat man vielleicht besonders extravagant sein wollen, dadaistisch gar. Oder eben einfach nur irgendwas schnell runtergetippt. Wer weiß. Egal. Für einen Preis für besondere Kreativität reicht allemal nicht. Dennoch tut Ungarn ein solcher Marketingansatz sicher gut, schadet das Geschreibsel zumindest nicht, da die Inhalte der vier Flaschen mit ihren unterschiedlichen Stilen in der Summe stimmen – ganz egal ob man sich ihnen allein stehend oder in Reihe geschaltet zuwendet. Habe ganz offensichtlich schon jetzt unangemessen viel Zeit mit meiner „Analyse“ hier verbracht.

Wein: Egri Pinot Noir 2007
Weingut, Ort: Gál Tibor Pincészet, Eger
Rebsorte/n: Pinot Noir
Alkoholgehalt: 13,5% Vol.
Preis: 10,70 EUR (2.853 Ft.)
Internet: tiborgal.com

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