Lange ist es her, dass ich an einer Verkostung des Terroir-Clubs teilnahm. Vergangenen Donnerstag klappte es endlich mal wieder und man traf auf eine recht Bunte, ungarisch-französische Mischung aus Weiß und Rot, die einem einmal mehr lehrte, wie wichtige internationale Quervergleiche sind – und dass sich Ungarn, dank Tokaj, mit einiger ganz eigenen Identität wahrlich nicht zu verstecken braucht.

Bott Frigyes – Grand3 2010 (Süd-Slowakei)
Der Name stellt sofort Assoziationen mit „Grand Cru“ her, was komplett fehl leitet und daher nicht gerade gut ist. Eine einfache weiße Cuvée aus der Südslowakei, vom ungarischstämmigen Winzer Bott Frigyes. Aus Királyleányka, Zöld Veltelini (Grünem Veltliner), Olaszrizling (Welschriesling), eine „klassischer“ Blend, der früher immer den Wein des Dorfes war. Fein würzig und doch weich in der Nase, dank Veltliner mit pfeffrigen Noten, Zitrone und Grüntee. Auch am Gaumen gelb-grünlich und leicht daher kommend, mit etwas herber Zitrusfrucht und feinwürzigen Pfeffernoten. Herrlich leichter und dank seiner Würzigkeit doch recht ernst wirkender Aperitif-Wein.

Tokaj Nobilis – Barakonyi Hárslevelű 2009 (Tokaj)
Nach der Blindverkostung das zweite Aufeinandertreffen mit dem 2009er Hárs von Tokaj Nobilis. Und der weiß einfach zu gefallen! In der Nase Mandarinen, von der Rebsorte kommend florale Noten, Pfirsichkerne. Am Gaumen mit sanfter, zart schmelzender Frucht, vor allem Aprikosen, Kernobst, Mandeln, feine und doch kräftige Zitrussäuren, angedeutete feinwürzige Kräuternoten, klare Mineralität, sauber heraus gearbeitete Struktur. Druckvoller, nachhaltiger Wein. Schön!

 

 

 

 

 

 

 

Bott Pince – Határi Furmint 2009 (Tokaj)
Auch wenn nur der Jahrgang und die Region übereinstimmen, im Direktvergleich zum Hárs von Tokaj Nobilis der inzwischen deutlich dezenter auftretende, geradezu gediegen wirkende Furmint von Judit und József Bodó aus der Lage Határi. In der Nase dezent, kühl, verhalten, mit einer hellgelben, fast transparent wirkenden Frucht.  Mehr lässt er derzeit nicht zu. Am Gaumen sehr fein strukturiert, schier unsäglich filigran und also von geradezu adliger Gestalt, Quitten, Aprikosen, fein-herb steinige Mineralität mit Flechten verwoben, sensibel auf das Gesamtgefüge einwirkende Säuren. Der „Gefällt mir“-Button genügt hier nicht.

Demeter Zoltán – Kakas Furmint 2006 (Tokaj)
Mal etwas Gealtertes. Wenn auch nur fünf Jahre, aber da es trocken ausgebaute Weiße erst seit gut 10 Jahren gibt, erfreut man sich auch dieser „jungfräulichen“ Eindrücke. Waren die vorangestellten Weine tendenziell alle hell Zitronen- bis Strohgleb und leicht grünlich, so kommt der „alte“ Kakas mit mittlerer strohgelber Farbe daher. Und mit einer warmen, reifen Trauben-Birnen-Apfel-Frucht in der Nase und Kaffeenoten und ganz leichten Marzipan-Mandel-Andeutungen. Am Gaumen interessant, mit ganz zart schmelzender Textur, sehr klar und elegant, feine Säuren wie aus halbreifen grünen Äpfeln gewonnen, leicht dezent bitteren Apfelschalen-Frucht, Haselnuss und Grüntee. In irgendeinem Zwischenstadium, jenseits von allem schwebend, nicht mehr jung, aber noch nicht ansatzweise alt wirkend. Macht noch viele Jahre mit. Schön!

Karner Gábor – Tavaszföldi Kékfrankos 2008 (Mátra)
Und ein ganz eigenartiger, ganz eigenständiger Blaufränkisch aus der Mátra zum Abschluss. Nach spontaner Initiierung gärte der Gute über ein Jahr vor sich hin, um am Ende mit 16% Vol. und immer noch deutlich wahrnehmbarem Restzucker zu enden. Ein Amarone-artiges Etwas, dabei allerdings nicht schwer, sondern vor allem von seiner süßlichen Frucht betont wirkend. In der Nase schweißige Noten, schwarzrote Frucht, Teer, Öl, eine Bahnanlage in der Sommerhitze. Am Gaumen saftig-fleischige und wie erwähnt süßliche Frucht, fette reife schwarze Kirschen, Zwetschgen, schwarze Johannisbeeren und Stachelbeeren, neben all dem Fruchtüberschuss nur ganz feine Gerbstoffe und Säuren. Druckvoll, dezent mächtig dank Alkohol und doch weich, rund, nicht würzig. Nicht mein Fall, aber sehr eigen, außergewöhnlich.

Was gab es drumherum noch zu verkosten? Vier Mal Burgund!

Domaine de Villaine Bouzéron 2009
Domaine de Villaine Bourgogne Cote Chalonnaise Les Clous 2009
Domaine des Escaravailles Cote du Rhone Les Sablieres 2010
Domaine de Villaine Bourgogne Cote Chalonnaise La Digoine 2009

Der Chardonnay „Les Clous“ noch sehr jung, daher etwas zu deutlichem Holz, aber sehr schön strukturiert. Und der Pinot „La Digoine“, einfach wunderbar, in sich sehr ausgewogen.

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