Fangen wir nochmals von vorne an, um mit leichter Zeitverzögerung zu einem vorläufigen Ende zu kommen. Ich rede in der Überschrift die ganze Zeit von „Tokaj“, was doch etwas unangemessen verkürzend ist. Schließlich beschränken sich die Beobachtungen des vorletzten Wochenendes auf die Weingüter der Tokaji Bormívelők Társasága (TBT), der Tokaj Wine Artisans’ Society. Und auch von denen waren bei der Blindverkostung nur ein Bruchteil anwesend. Der Einstieg ins Thema.

Es scheint ein wenig wie im klassischen Vereinsleben zuzugehen. Man streitet sich bisweilen über die Statuten, ändert diese. Manche treten aus, weil das Konzept ihnen ungenügen oder falsch erscheint. Bisweilen mag es um wichtige Dinge gehen, bisweilen um Nichtigkeiten. Andere treten bei, was immer mit einer Vorlaufphase, einem Kandidaten-Status von zwei Jahren einhergeht. Wesentlicher aber erscheint die Tatsache, dass das Engagement von einem kleinen, hartern Kern ausgeht. Ohne den ginge gar nichts und möglicherweise ist das auf Dauer auch zu wenig. In jedem Fall wundert sich der Außenstehende, dass die aktive Teilnahme an einem derartigen Event doch recht gering ausfiel. Entweder – oder.

Denn andererseits ist der Grundansatz mehr als lobenswert: gemeinsam ein Appellationen-System zu schaffen, wiederzubeleben, auf die Geschichte sich zu besinnen und einen Rahmen für wechselseitigem Austausch im inneren, Transparenz nach außen und vor allem Qualität in Form eines Gütesiegels zu schaffen. Er ist weder neu (auf Parallelen zum VDP habe ich ananderer Setelle bereits hingewiesen), noch besonderrs originell, aber eben doch etwas Besonderes. Weil in Ungarn Kooperation unter Winzern in jedweder Form eher die Ausnahme, die große Ausnahme darstellt. Und weil hier auf eine (zumindest nach außen hin so anmutenden) bemerkenswerte Weise etwas von Groß und Klein basisdemokratisch vorangetrieben wird, ein gemeinsamer Auftrag Hintergund zu stehen scheint, der die Region im gesamten und Erzeuger im einzelnen in der Tat nachhaltig voranbringen kann.

Was im Glas landete, war einmal mehr eine enorm breit gefächerte Leistungsschau des besten Weinbaugebietes Ungarns. Unterschiede in der Qualität gabe es und wird es auch immer geben. Die Frage ist meines Erachtens bis auf Weiteres auch nicht so sehr, wie groß die Unterschiede ausfallen. Das wird die Zukunft zeigen und dann muss auch dies zum Thema gemacht werden. Wichtiger ist vielmehr, dass der Einstieg mehrheitlich schon viel weiter oben beginnt, als in anderen Gebieten. Zweifel am Potential des Terroirs werden schnell zerstreut. Teils geht es bereits nurmher um persönliche Vorlieben. Über Stilistiken kann man, darf man, soll man streiten. Der allgemeine Weg ist klar vorgegeben. Man steht noch sehr am Anfang. Und doch gibt es schon jetzt Erzeuger, die ihren Ansatz, ihren Weg, ihre Philosophie scheinbar gefunden haben. Hier bildet sich nicht nur eine Tendenz, sondern Konstanz ab, eine wichtige Grundvoraussetzung für Zuverlässigkeit, für Vertrauen.

Der Ausflug nach Tokaj, zur TBT, musste fast zwangsläufig im Guten enden und  tat dies dann auch. Es bleibt zu hoffen, dass der Verbund stark genug ist, um erst vor fünf Jahren begonnenen Weg fortzuführen. Mit dem hierfür notwendigen und jedes Mal anders zu bewertenden Maß an Offenheit, Kritikfähigkeit und Willen. Genug der verallgemeinernden Worte, genug des pathethisch-perspektivischen Geschriebsels. Ich jedenfals freue mich auf die Zukunft.

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Als Nachtrag noch einige Namen. Manch einer davon wird – wenn nicht ohnehin schon der Fall – in einigen Jahren zu den ganz großen Namen Tokajs gehören. Das kann man auch ohne Hellseherische Fähigkeiten problemlos niederschreiben.

Die aktuellen Mitglieder: AZ Nektár Pince, Árpád-hegy Pince, Balassa István, Bott Pince, Breitenbach Pince, Disznókő Szőlőbirtok, Dobogó Pincészet, Dorogi István, Gajdócsi Szabolcs, Gróf Degenfeld Szőlőbirtok, Erzsébet Pince, Homonna Attila, Királyudvar, Patricius Borház, Tokaj Pendits, Sauska Tokaj, Kikelet Pince, Tokaj Nobilis, Varga Sándor, Hétszőlő

Kandidatenstatus inne haben derzeit: Vissy László, Kovács Gabriella

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Links zu allen anderen Artikeln um das Wochenende bei der TBT:

Einstiegsartikel über die „TBT“
Blindverkostung mit acht Weinen
Patricius, Disznókő, H. Bardon
Dorogi Testvérek, Vissy László, AZ Nektár
Csite, Bott Pince, Kikelet

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