Spätestens am Wochenende folgt das Resümee. Jetzt lediglich drei weitere, die letzten Verkostungsnotizen aus Tokaj. Die miteinander verbundenen Einträge finden sich hier:

Einstiegsartikel über die „TBT“
Blindverkostung mit acht Weinen
Patricius, Disznókő, H. Bardon
Dorogi Testvérek, Vissy László, AZ Nektár

Doch nun zu den letzten drei…

 

 

 

 

Csite – Toplec Furmint 2009

 

 

 

Furmint Toplec 2009, Csite Norbert

Da hat ein noch- oder bereits ehemaliger Kollege die Seiten gewechselt. Und da macht der nun seinen ersten Wein, zumindest den ersten, der in Flaschen in den echten Verkauf gelangt. Und da geht man offen gesagt anders ran, beim ersten Beschnuppern, beim ersten Reinschmecken. Ganz unbefangen jedenfalls nicht, alles andere wäre gelogen. Doch endlich zum Wein: in der Nase salzig-feuchte Meeresluft, zu der gesellen sich frisch geerntete überreife Feigen in praller Sonne – und nach einiger Zeit an der Luft auch frische grüne Äpfel. Recht stramme Säuren erwarten den Gaumen gleich zu Beginn, eine grünlich Apfelfrucht, Marzipan und auch Mandeln in Reinform und weil das noch nicht genug ist, auch vegetabile Noten, nämlich grüner Salat. Das alles kommt sehr direkt, gänzlich unverfälscht und ein wenig rustikal daher. Netter, erfrischend ehrlicher Auftakt. Weiter so.

Furmint Csontos 2009, Bott Pince

In sich zusammengezogene, leicht gekühlte Aprikosenfrucht, Honig und feine steinern-mineralische Würze in der Nase. Und am Gaumen werden die einmal für diese Lage und den Bodó’schen Stil antrainierten Reflexe wieder wunderbar bedient: charakteristische Noten von Pfirsichkernen und Mandeln, eher zurückhaltende Säuren unterstützen verhalten die leicht matte gelbe und auch etwas süßlich wirkende Frucht, gelbe Birnen, Quitten. Die mineralische Würze ist eine Facette am Rande. In sich sehr ruhig, schlüssig, gepflegt.

Édes Szamorodni 2005, Kikelet

Für mich ist Kikelet stets ein Stück weit das am feinsten Ziselierteste, das Filigranste, was Tokaj so zu bieten hat. Klar strukturierte, feinst gewobene Weine, die immer ein wenig der Gefahr ausgesetzt sind, dass ihre subtile innere Struktur nicht erkannt und die Weine im Ganzen daher verkannt werden. Der 05er Szamorodni ist da auf den ersten Kontakt hin deutlich direkter, offenbart auch seine doch schon ein paar Jahre dauernde Reife. und das tut er aufs Angenehmste: mit Spuren von Oranginat, Vanille, leicht angetrockneten aber von einer aktuellen ernte stammenden, überreifen Aprikosen in der Nase. auch hier schon glasklar, fast schillernd wirkend. Am Gaumen trifft man dann auf Säuren, die manch einem Jungwein gut zu Gesicht stünden. Und auch kommen reife Aprikosen ins Spiel, die von einer leicht grünlich-bitteren Mineralität flankiert werden, die Halt, die Griffigkeit gibt. Alles sehr kompakt, tief, in eine fein schmelzende Textur verpackt. Lang. Fein. Ein Genuss.

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