Gereg, Gereg, immer wieder Gereg, die Großlage bei Gyöngyöspata. Von hier stammen fast alle beschriebenen Rotweine.

Wie gestern angekündigt, die kompletten Verkostungsnotizen:

Zum Einstieg ein blutjunger Zöld Veltelini 2010, Grüner Veltliner, von Tamás Szecskő im Ganzen gepresst, sehr frisch und ungebändigt, mit warmer, grünlich-gelber Frucht, durch schön klar wirkenden Säuren animierend, nicht sehr komplex aber idealer Frühlings- und  Sommerbegleiter. Noch nicht zu haben aber eigentlich schon jetzt gut trinkbar. Dann die „Duftsorten-Fraktion“. Zuerst ein Muscat Ottonel, auch 2010, mit typischem aber recht dezentem Muskateller-Bouquet, mit gut 6 g/l Säure und 12 g/l Restzucker und 12,5% Vol. Alkohol, zum Glück nicht zu fett, nicht zu schwülstig-aufdringlich am Gaumen, mit exotischer Papaja-Maracuja-Frucht, dieselbe wie frisch geerntet und zerhackt, schwaches, mattes Säuregerüst im Hintergrund. Muskateller sind generell nicht so mein Fall aber der hier geht sich gut an. Dann ein reinsortiger Királyleányka 2010, der wohl unter dem Namen Julianna auf den Markt kommen wird, mit 7,7 g/l Säure und 3,7 /l Restzucker. Auch noch jung wirkend, sehr schön gelungen mit ausgeprägter Frucht von zerstampften Äpfeln, Ananas und Bananen, kühl, unaufdringlich, im Kleinen geradezu elegant.

Dann eine längere Abfolge von Weinen von Bálint Losonci. Start mit einem weißen 2010er Cuvée aus Olaszrizling (45%) dem der komplett durchgegoren war, ebenso viel Veltliner in dem jedoch 37 g/l Restzucker verblieben waren und Sauvignon Blanc. Leicht schweißige Nase mit Ananasaromen, am Gaumen dann ein halbtrocken bis halbsüße wirkender leichter, unaufdringlicher Sommerwein mit grünlich-floralen Noten und Zitrusfrüchten. Fast könnte man meinen, dass der Sauvignon Blanc die Leitung in Sachen Aromatik übernommen hat. dann ein halbtrockener  Chardonnay 2010 von einem gepachteten Weinberg. Dazu kam es erst letztes Jahr, so dass dieser Chardonnay der erste überhaupt ist. Bálint selbst findet, dass ihm damit der bislang beste Weiße gelungen ist. Er ist eher von floralen als fruchtigen Noten geprägt, eher kühl-mineralisch als breit oder gar fett, mit feiner gelber Frucht und eigenständigen Noten von Schwarzbrot. Vom Cerszegi Fűszeres 2010 kam gerade einmal 25 Liter zusammen. Was schade ist, denn der ist wirklich schön, mit Veilchen und frisch geschnittenen, reifen Äpfeln in der Nase und am Gaumen ungemein saftig, frisch-fruchtig. Feine Würze und Aromen von weißen Gummibärchen. Recht viel Säure trifft auch recht viel Zucker – zusammen ergibt sich ein schönes Spannungsbild. Mit dem Szürkebarát 2008 von Tamás Szecskő dann weg von den 10ern: mit paukenschlagenden 15% Vol. Alkohol, 0 g/l Zucker und 6,1 g/l Säure. Lavendel und indische Gewürze in der Nase, Lorbeeren am Gaumen, Mandelaromen – wohl vom Alkohol, der aber sonst nicht ansatzweise durchdringt – halbreife Äpfel, zum Ende hin Marzipan. Recht klar, dabei breit geschnitten.

Boden-Vertikale. Weniger als ein halber Meter bis zum Gestein… Andesit und Kalk.

Dann die Roten, nun mit den Weinen von Bálint Losonci zum Anfang. Der materialisierte sich in einem 2010er Cuvée aus Magyar Frankos (Kékfrankos x Muscat Bouchet) und Bibor Kadarka (Kadarka x Muscat Bouchet), zwei Rebsorten aus den 1950er Jahren, also den Zeiten des damals noch experimentierfreudigen ungarischen Sozialismus. Doch man tut ihnen unrecht, sie deshalb einfach abzutun. Eine sorgfältige, ertragsbeschränkte Beschäftigung mit ihnen lohnt sich, wie Bálint einmal mehr zeigt. Denn auch wenn die Erste vor allem zum Färben eingesetzt wird und sich nicht gerade lagerungsfähig erweist, kann sie doch recht eigenständige, nette Weine hervorbringen: mit Grafit und roten Kirschen in der Nase und auch am Gaumen dominieren Grafit-Töne und eine sehr saftige, mineralisch-würzige Frucht aus Zwetschgen und allen erdenklichen vollreifen Kirschsorten. Der Kékfrankos Gereg 2009, also selektierter Blaufränkisch von 40 Jahre alten Reben aus eben jener Lage, kommt jung daher und das mit rauchig-warmer Sauerkirschnase, am Gaumen satt fleischig, Rauschfleisch an roter Frucht, mit klaren, geradlinigen Säuren, fein adstringierend und erstaunlich lang. Wirklich schön!

Weiter. Der 2008er Nyitnikék ist ein reinsortiger Magyar Frankos und kommt in der Nase mit sehr intensiven schwarzen Früchten daher, Holunder und schwarze Johannisbeeren, ebenso am Daumen, eingekochter und doch klarer Frucht mit schöner Würze versehen und dennoch kühl rüberkommend. Breit wirkend aber nicht tief angelegt. Spannend. Úrráteszi Kékfrankos von 2008 kommt wie ein Nadelwald daher, erdig, auch am Gaumen, daneben leuchtend rote, glasklare Frucht, Mandel im Aus. Sehr gefällig, sehr Mátra, sehr Bálint. Der Gereg Kékfrankos 2008 fällt dann breiter und weicher aus, wirkt runder, gesetzter, eleganter. Die leicht süßliche, konzentrierte Frucht aus schwarzen Kirschen ist ein echter Schmeichler, eine leicht matte Mineralität liegt gazeartig über ihr, der Wein wirkt nicht fett und doch reich, der säureorientierte 2008er Jahrgang stellt zudem ein schönes klares Gerüst in den Hintergrund. Schön! Der 2010er Cabernet Sauvignon dann zum Abschluss der recht langen roten Reihe von Bálint, die Trauben ebenfalls von einem gepachteten Weinberg. Erstaunlich hell im Glas, man würde eher einen Pinot vermuten und auch sonst eher untypisch. Sehr intensive, wenn auch kühle Nadelwaldluft mit frischen roten Beeren in der Nase. Am Gaumen sehr fruchtig, jung und mineralisch-prickelnd, gute Säure, Zwetschgen, Kirschen, Brombeeren, wohl ausgewogene Tannine ziehen sich wie ein schmaler Strang durch die gesamte Wahrnehmung. Ungewöhnlich, interessant.

Als Abrundung oder sagen wir lieber Besiegelung des Abends noch eine Fassprobe des 2009er Turán von Tamás Szecskő. Danach geht geschmacktechnisch ohnehin nichts mehr, die Knospen wurden ein letztes Mal und aufs Äußerste herausgefordert. 16,6% Vol. stehen an. Und man verträgt sie, denn der Wein trägt sie. Selbstredend nicht spielerisch, doch durch eine unheimlich präsente, dicht gewebte, wie eingedampfte Frucht aus schwarzen Johannisbeeren, Holunder und Waldbeeren. Breit angelegt, mit matt wirkenden Säuren und ebensolchen Gerbstoffen. Wie immer außergewöhnlich. Bemerkenswert.

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