Hier musste man anfangs rauf, hier ging es auch wieder runter – nur eben nicht mehr ganz so leichten Schrittes.

Das Weingut Garamvári hatte ich dann bei all dem Kampf doch einfach komplett übergangen, unbeabsichtigt. Keine Lust und Energie mehr hatte ich für Öregbaglas. Ach ja, Achs&Achs findet sich unter den Bekannten und so stimmt das nun auch nicht. Bislang habe ich keine Weine versucht, nur gesehen, außgerechnet im Supermarkt, nicht im Weinfachhandel. Da fiel der Name auf – und die Tatsache, dass es auch Weine aus Ungarn gibt. Schließlich liegen die Wurzeln im österreichischen Burgenland, genauer in Gols, wo Hans Achs und sein Sohn unter dem Namen Terra Galos seit mehreren Generationen sich im Qualitätsweinbau einen Namen gemacht haben. Mit ihm, mit Hans Achs, hatte ich auch Gelegenheit einige Worte zu wechseln. Zwar ist man seit einigen Jahren in Ungarn, aber richtig aktiv, richtig konkret angepackt wurde der Einstieg in den ungarischen Markt und Weinhandel noch nicht.

Man gönnt sich, man nimmt sich die Zeit, steckt immer noch in der Investitionsphase. Technik kommt als Mittel zum Zweck sehr bewusst zum Einsatz. So ist seit kurzem eine Presse mit kompletter Temperaturregelung im Einsatz, um Moste bis zu -5 Grad runterzukühlen und die Fruchtaromen der Trauben maximal beizubehalten udn später herauszuarbeiten.  ganz unabhängig davon, wie man zu derlei technischen Hilfsmitteln und dem damit verbundenen Gesamtansatz steht: vor diesem Hintergund wird es wohl nur eine Frage der Zeit sein, ehe die Weine von Achs&Achs auf dem Weinmarkt wahrgenommen werden, sich von der breiten Masse der kleinen amateurhaften bis semiprofessionellen Erzeuger absetzen und unter den Bekannten landen werden.

Insgesamt gesehen war es zwar einerseits wert, einmal quer möglichst viel verkostet zu haben. Wirkliche Neuentdeckungen: Fehlanzeige. Viel Leiden, viel Selbstdisziplin, um sich überhaupt bis zum Ende durchkämpfen zu können. Das Gros der Anwesenden taugt allenfalls für die Befriedigung des unbewussten Weinkonsums des Massentourismus. Ernst zu nehmender Qualitätsweinbau sieht ander aus. Und den wenigen, die sich hiervon leicht absetzen, gelingt dies allenfalls mittels korrekten, netten Weinen, denen es aber an Selbständigkeit, an Mehrwert, an Charakter fehlt. Aus welchen Gründen auch immer, tut sich da in anderen Regionen, wie etwa Szekszárd und (ein Glück!) nun auch verstärkt Tokaj deutlich mehr.

Achs & Achs, Kéthely

Der Chardonnay 2010 ist ein leichter, mehr als ordentlicher Einstiegswein mit klarer, leicht süßlich wirkender Frucht und verhaltenen Säuren.  Der Sauvignon Blanc 2010 kommt (etwas zu) verhalten herb-säuerlich frisch und sehr klar daher, gefällt mir daher im Direktvergleich auch noch ein wenig besser. Gedeckte Zitrusfrüchte, in der Tat auch etwas klassische Gräser-Aromatik. Zweigelt Premium 2008 kommt warm und mit voller Frucht von Schwarzen Kirschen daher, mit ordentlicher Würze und feinen Säuren versehen, gefiel mir ausgesprochen gut! Der Cabernet Franc 2008 fiel da schon ab, insbesondere wenn man auch an einige jener reinsortigen Gewächse denkt, die es inzwischen aus Villány gibt. Mit Paprikaaromen, leicht süßlicher aber nicht allzu breiter Frucht, insgesamt eher schmal geschnitten, recht kräftig adstringierend. Der Cabernet Sauvignon 2009 ist kühler, auf seine Weise bescheiden und elegant zugleich, mit dunkelroter Fruchtfülle und Mandelaromen. Da rote Top-Cuvée T. Lajos 2008 schließlich, aus Zweigelt, Cabernet Franc und Kékfrankos zeigt eine sehr kompakte Sauerkirsch-Johannisbeer-Frucht, wirkt dabei ins sich angespannt aber nicht verkrampft – und deutliche, gut texturierte Säure gibt es auch, zum Ende hin recht stark adstringierend. Schön.

Ikon Borászat, Látrány

Shiraz 2008, erinnert nicht wirklich an die Rebsorte, recht kompakte, enorm süßliche Brombeer-Frucht, gar nicht mein Fall.

Légli Szőlőbirtok (Légli Ottó), Balatonboglár

Jánoshegyi Sauvignon Blanc 2010, da kommt wohl wirklich kaum einer vorbei, jeder muss heutzutage offenbar SB an- und ausbauen. Keiner konnte mich wirklich begeistern, dieser hier war noch der schönste des Abends: ungemein sauber und klar, geradlinig, schöne helle Apfel-Frucht, Gras, mineralische Noten. Der Lugas 2009, 60 Sauvignon Blanc, 40 Riesling, eher ein Sauvignon als ein Riesling, weich, klar, feine aber schwache Säuren, ein nettes, etwas gesichtsloses Alltagsweinchen. Der Landord 2009, im Grunde nach wie vor DER Lagen-Chardonnay Ungarns, war wie alle Légli-Weine gar etwas zu kalt, zeigte sich für mich noch sehr verschlossen, dabei erstaunlich leicht, klar, mit kühler hellgeber Frucht und angenehmen, leicht bitteren Mandelaromen im Hintergrund. Der benötigt einfach noch Zeit.

Konyári Pincészet, Balatonlelle

Loliense Fehér 2010 aus Sauvignon Blanc, Olaszrizling und Chardonnay spricht direkt an, ist endlich mal was griffiges, mit klarer Säurestruktur, Mandeln, Birnen und Äpfeln. Schön. Lolienese Vörös 2008, das rote Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc, warm, weich und rund, mit geringen Säuren und zum Ende hin deutlich adstringierend, mit Marzipan, Nougat, schwarzen Kirschen und Brombeeren insgesamt sehr gefällig, gefallend.

Géza Légli Denkbar schlechtes Licht fällt da auf ihn – und nicht auf seine Weine und auch nicht selbstverschuldet. Ein Glück: Photoshop rettet, halbwegs.

Kislaki Bormanufaktúra (Légli Géza), Balatonboglár-Szőlőskislak

Rajnai Rizling 2010, Pfirsich in der Nase, weich am Gaumen, für einen Riesling recht verhaltene Säuren, rund und leicht und freundlich, florale Noten, abermals Pfirsich. Nett. Pirosbor 2010, ein Schillerwein aus beiden Cabernets, gemacht für Fröccs, für Gespritzten, für eine Schorle. Und dafür wirklich aus so was von prädestiniert! Sehr sympathisch, unverkrampft rüberkommend, geschmeidig, doch spritzig, mit leicht süßlicher Beerenfrucht. Der Sommer kann, der Sommer soll kommen! Die Pinot Noir Válogatás 2009, also die Selektion, gefiel mir diesmal nicht so. Die Zwetschgen-Frucht könnte klarer, sauberer daher kommen, etwas zu viel Holz, im jetzigen Stadium jedenfalls, Tannenwaldnoten, aber eigenständig, aufrecht. Der Jánoshegyi Kékfrankos 2009 war für mich, der Toplisten eigentlich ablehnt, der interessanteste, der schönste Rotwein des Abends: lauwarme, runde und doch fordernde Marzipan-Frucht-Grafit-Nase, am Gaumen sofort präsent, warm und fest, sich breit aufstellen, dabei auch recht konzentriert, leicht süßliche, saftige rote Kirschfrucht, Mandelaromen, gehobene Trinklust. Cabernet Franc Válogatás 2009, eine weitere Selektion, Tannenwald mit Beeren von eben dort in der Nase, spielerisch tänzelnde Frucht, wiederum leicht süßlich, würzig und zugleich weich, Holunder und Zwetschgen, breit ausgreifend, schön! Die eigenständigsten, authentischsten Weine.

Bujdosó Szőlőbirtok és Pincészet, Balatonlelle

Sauvignon Blanc 2010, trotz deutlicher Säurearmut ein einfacher aber schöner Wein mit klarer gelber Frucht; noch etwas besser gefällt das 2010er Cuvée dank einer schönen mineralischen Note und etwas mehr Säuren. Das rote Altanus Cuvée 2006 aus Cab. Franc, Merlot, Cab. Sauvignon und Pinot ist wirklich schön, man das Mehr an Reife, auch hier fehlt es etwas an Säure, ansonsten hat man es aber mit einem gelungenen, sanft gezeichneten Wein mit recht ausgeprägter Schwarzkirsch-Johannisbeer-Frucht und leichter Kräuterwürze zu tun. Der Cabernet Sauvignon 2008 zeigt endlich mal etwas Angriffsfreudigeres, mit ordentlich Gerbstoffen, schöner Würze, roter Kirschfrucht und Marzipanaromen.

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Zum Teil I geht es hier lang. Und zu Teil II hier.

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