Inzwischen wird das „Quasi“ im Titel wenigstens der Realität gerecht. Genau genommen hatte ich es gestern – als es noch ungerechtfertigt mich selber richtend gar nicht zutraf –  in weiser Voraussicht reingestellt. Wie dem auch sei. Zum Abschluss der gestrigen Verkostungsveranstaltung standen noch drei edelsüße Weine im Raum.

Zum einen der Amicus 2008 von Tokaj Nobilis, also Sarolta Bárdos. Ein bewusst modern gehaltener Süßwein aus Furmint (85%), Kövérszőlő  (10%) und Hárslevelű(5%) . Rein gekommen sind sehr viele edelfaule Aszú-Trauben. Das führte zu 122 g/l Restzucker bei 9 g/l Säure und 11,5% Vol. Alkohol. Die Trauben wurden getrennt voneinander vergärt und ausgebaut, im April vereint und im Mai auf Flasche gezogen. Recht helles Strohgelb im Glas. In der sich gar nicht so sher aufdrängenden Nase türkischer Honig, Aprikosen und Senfkörner. Am Gaumen (im positiven Sinne) gut bürgerlich, robust, mit einer sehr griffigen Frucht und recht starken Säuren, aufrechten Ganges, Zitronen und gelbe Birnen, stark über die Säure definiert. Macht sich auch so, alleine schön.

Der 6 puttonyos Aszú von Lenkey von 2003 – zu dem gibt es morgen die Notiz.

Dem folgte dann, auch von Sarolta, der 6 puttige Aszú von 2006, einem recht kühle Jahr in Tokaj. 220 g/l Restzucker, 11 g/l Säure. Vorwiegend Furmint und ein ganz kleiner Anteil Kövérszőlő. Der soll und tut es vermeintlich auch, zu mehr Cremigkeit beitragen. Ein wahres Kräuterbündel in der Nase. Mit goldgelber vollreifer Frucht und sanften Botrytis-Tönen. Am Gaumen unglaublich frisch und jung daher kommend, sehr jung wirkende Säuren und eine feine Mineralität tragen die frisch geschnittene Pfirsich-Aprikosen-Frucht wie auf Händen. Klar, hell, leicht cremig aber eben nicht dick. Jugendlich, straight, belebend. Steht ganz am Anfang. Hat Potential. Macht Spaß!

Dann abschließend stilistisch genau der richtige Gegenpart: der 6 puttige Aszú aus 2003 von Lenkey. 173 g/l Zucker, 7,2 g/l Säure. Gesetzt, könnte der Vater des 6 puttigen 06er von Sarolta sein. Mit deutlichen Botrytis- und leichten petrol-Tönen, Orangen und Aprikosen in der Nase. Alles in allem warm und einnehmend und schon deutlich gereift wirkend. Das auch am Gaumen, intensive, getrocknete Frucht aus Orangenschalen, Aprikosen-Pfirsich-Gelee, rauchiges Korbgeflecht, einer Botrytis-Schwere in Form einer deutlich cremigeren Textur, zum Ende hin metallisch, mit deutlich stärker werden Säuren. Ganz anders, auch schön. Für mich schon ein Tick zu alt wirkend für sein Alter, aber konzeptionell passt das ja ins Bild von Lenkey.

Hier gehts zum Teil I der kleinen Quasi-Liveblogging-Serie über Kolonics und Lenkey und hier zu Teil II über Tokaj Nobilis und Pastor.

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