Am heutigen Nachmittag fanden sich auf betreiben von Zoltán Kolonics – für einige Weingüter seit nicht allzu langer Zeit gewissermaßen ein Statthalter in Sachen Marketing/Vertrieb – vier Erzeuger aus drei Anbaugebieten im Vam Design Center in Budapest ein, um ihre aktuellen Weine vorzustellen. Ich war da und darf bzw. möchte mich an dieser Stelle auch einmal ausdrücklich für die Einladung von Zoli bedanken. Zu den ersten beiden Erzeugern gibt es die Notizen schon jetzt, wenige Stunden nach der Veranstaltung.

Kolonics Pincészet, Somló

Kolonics-Weine, mit „traditionsbewussten“ Etiketten versehen

Wer auf deutlich ausgeprägte Säuren steht, ist bei Károly Kolonics an der richtigen Adresse. Es beliebt einem leider nichts anderes übrig, als den gemeinsamen Nenner seiner Weine verkürzt auf einen allgemein anzutreffenden, hohen Säuregehalt zu bringen. Denn der spielt letztlich immer und überall nach einem kurzen, friedfertig anmutenden Anfangsgeplänkel die erste und letzte Geige. Das mag ein Stück auch an den Fassgrößen von 1.000 und 1.500 Litern und dem recht hohen Dienstalter der vorwiegend Eichen- aber auch Akazien-Fässer liegen. Holz, das ein wenig beeinflussen könnte, gibt es da kaum mehr spürbar. Die Freue am Trinken bleibt in jedem Falle spürbar eingeschränkt. Nicht jeder Magen macht das mit.

Das gilt für den Olaszrizling 2008 ebenso, wie für den 2009er, wobei der der 08er trotz seines Zeitvorsprunges aufgrund nach wie vor (noch) deutlich mehr, vor allem dem Ende hin wirklich scharfe, spitze Säuren aufzeigt. Die Alkoholwerte sind mit 13% für Somló vergleichsweise niedrig, der 08er zeigt Brennnesseln und Pfeffer in der Nase und am Gaumen Gurken und eine recht scharf-würzige grüne Frucht. Der 2009er Olaszrizling Szt, László (es wird von verschiedenen Fässern unterschiedliche Abfüllungen geben) wirkt im direkten Vergleich erst einmal ruhiger, mit eine fast süßlichen Apfelfrucht. Dann kommen aber auch hier die Säuren durch. Sehr verkürzt erlebt man dasselbe Phänomen beim 2009er Furmint (mit einer verhalten charakteristischen klaren grünen Apfelfrucht) und dem 2009er Hárslevelű, hier speilen noch etwas Laub und ledrige Noten und eine reifere, goldgelbe Frucht leicht abschwächend rein. Einzig der Juhfark 2009 setzt sich ein Stück weit ab, dank eines kräftigeren, volleren Auftritts, mehr Extrakten und wärmeren gelben Fruchtschalenextrakten.

Lenkey Pincészet, Tokaj

Der 6 puttonyos Aszú von Lenkey von 2003 – zu dem gibt es morgen die Notiz.

Die Weine von Géza Lenkey warne für mich schon immer insofern etwas Besonderes, als dass sie einerseits stets etwas später auf dem Markt landen (im Durchschnitt mit ein-zwei Jahren Verzögerung und das, obwohl auch er ein noch recht junger, kleiner Erzeuger ist) und damit einher gehend aber doch gesondert charakteristisch und eben genau so gewollt, weil nicht zwingend, ihre Stilistik gemeinsame Charakterzüge aufweist: sie wirken stets fast noch einen Tick älter, als sie sind, wozu ganz wesentlich die überreif wirkende, goldgelbe, bisweilen auch Botrytis-Züge aufweisende Frucht beiträgt. Nach diesem unnötig langen verschachtelten Einleitungssatz umgehend zu den Notizen. Doch, noch etwas: beim 2007er Jahrgang, von dem hier die Rede sein wird, hat Géza Lenkey bewusst versucht, die einzelnen Lagen herauszuarbeiten, wodurch immer „Cuvées“ aus (zumeist) Furmint und Hárslevelű aus der jeweiligen Lage entstanden sind. Hatte ich früher bisweilen abgeschreckt auf die launisch grünlich-überreif wirkende Frucht reagiert, so gefielen mir insgesamt die Weine heute besser denn je.

Der Einstieg stammte aus der Lage Kishegy bei Mád, eben ein 2007er, 56% Hárs und 44 Furmint, anfänglich eine etwas verblüffende Mischung aus Kopfsalat und Cognac in der Nase, dann etwas ruhiger werdend, grün bleibend, vor allem Olivenöl. Am Gaumen der frischste und leichteste Lenkey an diesem Abend, mit einer sanften hellgrünen Frucht weich, vegetabile Noten von sanft gedämpftem Gemüse, geschmeidige Säuren nur im Hintergrund, zum Ende hin Rosinen und Mandeln. Nicht komplex, nicht tief aber schön, fein gewebt, positiv besetzt. Dann der 7 Dűlő, Hárs und vor allem, nämlich 70% Furmint zusammengetragen aus sieben Lagen. Sonnenbeschienene, glänzend polierte Apfelschalen in der Nase. Klare, gerade so nicht überreif wirkende, grünliche Frucht auf Stahlplatten, verhaltene Säuren, nicht bitter sondern straight, dabei weich. Sehr ausgeglichen, rund. Der Holdvölgy 2007 aus 65% Furmint und 35% Hárs kommt nach neun Monaten im Holz mit einer grünen Frucht aus unreifen Birnen in der Nase an und endet mit steinern-moosigen Tönen am Gaumen, dabei erst etwas widerspenstig wirkend, um sich am Ende doch bereitwillig hinzugeben. Das machen auch die gut getakteten Säuren aus. Nettes Gefüge. Der Urágya-Köves 2007 aus eben diesen beiden Lagen ist im Grunde ein Máslás – und ein sehr eigenes Weinchen. In der Nase wie ein Weinbrand/Brandy, warm und fast scharf alkoholisch-traubig, am Gaumen an der Oberfläche sanft, dann aber doch mit reichen Extrakten und 14% Vol. Alkohol ein kleines Feuer entfachend, mit gekochter Frucht aus grünen Traubenschalen, an Verjus erinnernd, in einer weiteren Phase kommen dann deutliche Aszú-Noten hinzu. Spannend, nicht jedermanns Fall und nur für ein Glas gut. Der Második 2007 ist mit 18,2 g/l Restzucker der halbsüße Gutswein, aus Furmint 54%, Hárs 42% und 4% Muskateller, gewonnen aus dem zweiten Pressvorgang. In der gesetzt, ja zurückhaltend scheu wirkenden Nase warme golgbraune Frucht und Mineralwasser. Am Gaumen leicht, nach dem Urágya-Köves fast etwas flach wirkend, spielerisch, mit Noten von bitterem Efeublatt, Quittengelee und Oranginat. Die Säuren nur sehr sanft im Hintergrund.

Morgen dann (hoffentlich) die Notizen zu den Weinen von Sarolta Bárdos aka Tokaj Nobilis (Tokaj) und Tibor Juhász aka Pastor (Szekszárd)…

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