Balassa - Hárslevelű Mézes Mály 2006

Hier bedarf es einer Vorgeschichte: den Hárslevelű aus der Lage Mézes Mály, am Ortsrand von Tarcal gelegen, Löss der Untergrund, hatte mir im April 2009 gut gefallen. So gut, dass ich mir weitere fünf Flaschen zulegte, um seine Entwicklung über die Jahre hinweg verfolgen zu können. Schließlich steckt man mitten in der doch recht spannenden Anfangsphase trocken ausgebauter Weißwein aus Tokaj. Wo der Weg genau hinführt, vor allem was das Lagerpotential, die Fähigkeit zu altern anbelangt, kann man aus dem so einfachen wie logischen Grund selbst mit dem besten Willen nicht sagen: alles ist noch so neu, die ersten trockenen Weine wurden um die Jahrtausendwende erzeugt, es gibt keine Erfahrung.

Für mich selbst bedeutet das, von ein paar wenigen, zumeist ja auch recht kostspieligen Weinen (einige Erzeuger verlangen vom Stand weg um die 18-22 EUR für die Flasche) mir mehrere Flaschen zuzulegen und anhand dieser Musterreihen die Entwicklung am eigenen Leib, an Nase und Gaumen zu verfolgen.

Die fünf Hárslevelű von István Balassa ließ ich also liegen und machte die erste erst vor drei Monaten, an Silvester auf. Der Korken zerbröselte, der Wein war oxidiert. Das nervt, kann aber mal vorkommen. Die zweite öffnete ich folglich relativ „zeitnah“, wie man heutzutage unsäglicher Weise zu sagen pflegt, vor vier Wochen: der Korken zerbröselte, der Wein war oxidiert. Grundsätzlich bin ich undomatisch dem Verschlussthema gegenüber eingestellt. In solchen Situationen kriegt man aber dann doch zu viel. Die Fehlerquote ist zu hoch. das ist inakzeptabel. Schließlich hat eine Flasche doch über 16 EUR gekostet. Was soll man machen.

Dann, diese Woche, fast schon mit zittrigen Händen und auf alles gefasst, die nächste. Ging schwer und nur mit viel Gefühl ohne Schaden raus, aber immerhin. Farbe OK, Geruchstest OK. Also endlich zur Verkostungsnotiz: die Nase hat an Kraft und Charme verloren, ohne im fünften Jahr im positiven Sinne Altertöne zu gewinnen. Wachs, Honig, Stroh, entfernt auch von der Sonne beschienene halbreife gelbe Birnen und Äpfel. Am Gaumen dann mit einem durchaus schönen Spannungsverhältnis, eine Wärme spendende, gerade nicht zu weit gehende Völle – von 14,3% Vol. Alkohol – neben einer ausgeprägten Würze, wo wiederum der Alkohol unterstützend wirkt. Leicht süßliche Frucht aus Quitten und Birnen, beide wirken, wie als hätten sie den letzten Schliff Sonnenreife auf der Fensterbank abbekommen. Frische ist selbstredend nicht mehr wahrnehmbar, die Säuren verstecken sich etwas hinter der Würze. Im Abgang etwas adstringierend. „Mein“ Hárslevelű hat sich doch stark verändert, ist zu einem auf ganz andere Weise sehr direkt ansprechenden Wein geworden, männlicher, „unfruchtiger“, herber. Ja, und am Folgetag war er tot. Den verbliebenen Flaschen, so deren Korken ihrer Aufgabe nachgekommen sind, werde ich wohl in nicht allzu langer Zukunft auch öffnen.

Wein: Hárslevelű Mézes Mály 2006
Weingut, Ort: Balassa Bor, Tokaj
Rebsorte/n: Hárslevelű
Alkoholgehalt: 14,0%
Sonstige Angaben: Restzucker: 1,2 g/l, Säure: 6,4 g/l
Preis: 15,90 EUR (4.770 Ft) – natürlich schon lange nicht mehr zu bekommen
Internet: balassabor.hu

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