Nach meiner gestrigen Schelte zur Hintergrund-Organisation der VinCE 2011, der direkte Sprung nachVillány, wo ich mich einem kleinen aber interessanten Cabernet Franc-Vergleich hingab:

Die Cabernet Franc-Reihe begann und – für einen Direktvergleich – endete mit dem 2008er von Heumann. In der Nase mit einer noch sehr gedeckten, dunkelroten Frucht und röstigen, ja fast rauchigen Noten. Am Gaumen noch sehr verschlossen, mit deutlichen, aber nicht zu kräftigen Tanninen. Dichte und recht breite, gekochte dunkle Frucht aus Brombeeren und schwarzen Johannisbeeren, zusammengezurrter Säure. Daneben ganz dezent auch grüne Paprika, etwas Nougat und im Marzipan im Aus. Schöner, im Mund mit Ausnahme einer kurzen Zwischenphase recht druckvoller Wein, der unbedingt noch seine Zeit braucht.

Der Cabernet Franc von Vylyan war leider von 2007, allein schon deshalb zwangsläufig offener, zugänglicher. Im Glas gegenüber dem mittleren bis dunklen „Heumann“ deutlich heller, ebenso in der Nase: hellere, freier gestellte Frucht. Am Gaumen kühler, fruchtiger, zudem auch eben offener, mit recht eng geführten Kirscharomen, schönen Säuren, verhaltendem Holz, dem Ende zu dann aber recht stark adstringierend. Leichter gebaut, weniger komplex, dafür auch verständlicher.

Der Cabernet Franc 2008 von Janus Borház neben sauber herausgearbeiteter roter Frucht mit deutlichen klassischen Verweisen auf grüne Paprika und sanftem, warmem Holz in der Nase. Am Gaumen auch ganz eindeutig zur Kategorie „nimm mich jetzt, ich bin bereit“ gehörend. Soll heißen: deutlich fruchtbetonter als die anderen, dabei dann intensiv aber nicht komplex und breit wirkend, mit klaren, warmen, stimulierend-frischen Säuren, von schlanker Gestalt. Angenehm weiches, leicht-würziges Holz als treuer Begleiter, die eingesetzte US-Eiche soll es wohl machen. Paprika und Kaffe zum Ende. Ähnlich zeigte sich der 2007er Örömbor, das erste Cuvée unter diesem Namen aus überwiegend Franc (75%), aber auch Merlot. Daher runder, weicher, insgesamt noch saftiger, ansprechender und trinkfreudiger als der reinsortige Franc, mit intensivem Rotfrucht-Säure-Spiel. Beide Janus Weine schön zum ungezwungenen genießen und etwas mehr, vor allem auch für Gelegenheits-Trinker.

Dann die eingebaute Vertikale, drei Cabernet Franc von Malatinszky: Der Cabernet Franc 2008 im Direktvergleich mit dem Protagonisten von Heumman noch verschlossener, allenfalls Röstaromen und entfernt im Raum abgestellte und abgekühlte, dunkle gekochte Frucht in der Nase. Am Gaumen insgesamt sanfte, sehr kompakte und dichte dunkle Schwarzkirschen-Johannisbeer-Frucht mit ganz leicht süßlichen Anklängen von Frucht und Nougat. Alles nur in Andeutungen, noch karg, fast widerwillig zurückgezogen, extrem konzentriert. Zum Ende einleitend Kaffe, dann recht prägnante, gar zu wilde Gerbstoffe. Viel Druck und Potential. Benötigt unbedingt Zeit. Der 2007er Franc zeigte sich im Anschluss schon wesentlich freundlicher, mit leicht süßlicher Frucht von schwarzen Kirschen und Lakritzaromen in der Nase. Am Gaumen mit klarer, sofort präsenter Frucht, heller, derzeit noch kompakter und dichter wirkend als der 2008er, abermals leicht süßliche Frucht aus Kirschen und Brombeeren, zum mittleren bis langen Ende hin deutlich adstringierend. Freundlicher ja, könnte sich gerne eleganter geben. Aber letztlich auch noch verschlossen und alles andere heute und jetzt als trinkfertig. Der 2006er mit deutlichen Grafittönen und entfernter schwarzer Kirsch-Johannisbeer-Holunderfrucht in der Nase. Hier ist das Potential von Malatinszkys Cabernet Francs schon am deutlichsten freigelegt: sauber herausgearbeitete, fast schon  erstaunlich klar wirkende Frucht, warm, breit, ausladend und doch sehr elegant in einen Rahmen gefasst. Gebändigte, nach vorne gerichtete Power, begleitet von klar strukturierten Säuren, Anklängen von Paprika und dezenter, grüner Pfeffer-Würze. Lang. Für alle gilt: das sind enorm konzentrierte, extraktreiche, moderne Weine mit viel Potential.

Diesen wie alle Malatinszky Weine und sicherlich auch den Cabernet Franc von Heumann sollte man mit Geduld begegnen, ihnen mit dem nötigen Vertrauen noch einige Jahre Zeit geben oder, wenn es denn unbedingt jetzt schon mit dem Öffnen sein muss, sie dekantieren und hernach mehrere Stunden oder gar ein-zwei Tage stehen lassen. Das machen alles problemlos mit und gewinnen dabei nur. Den Vylyan kann man getrost jetzt schon öffnen, auch wenn er sicher noch einige Jahre vor sich hat. Die beiden Vertreter von Janus sind jetzt schon gut gelungener, wenngleich nicht allzu komplexer Trinkspaß.

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