Auch zum letzten Teil keine weitere, ausführlichere Einleitung aus Zeitmangel. Nur etwas zur Preisentwicklung: bei den bekannten Qualitätsgüter sind die Preise in den letzten 2-3 Jahren wenn überhaupt nur noch unwesentlich mehr gestiegen. Das Gros liegt dann zwischen 5.000 und 6.000 Forint, also grob 18 bis 23 EUR. Wir reden hier von trockenen Furminten. Das ist nicht wenig und nicht immer angemessen. Geradezu verwegen sind die „Newcomer“ der letzten Jahre geworden, jene Weingüter, die begonnen haben aufzuschließen zu den bereits bekannten Größen. Sie haben den Sprung auf 5.000 Forint vielfach auf ein Mal vollzogen. Dazwischen klafft häufig eine Lücke und was man für unter 10 EUR bekommen kann und wirklich überzeugend oder gar eigenständig ist, das ist überschaubar. Ganz unbedenklich ist die Gesamtentwicklung zumindest vor dem Hintergrund eines potentiellen Exportes nicht. Auf dem internationalen Markt ist die Konkurrenz groß und der Preiskampf ein ganz anderer. Furmint wird sich als eine der großen Sterne am Weißweinhimmel etablieren, irgendwann. Zur Not müssen mache Preispolitik eben nochmals durchdacht werden. The star is already born, die Frage ist nur, wann die Sicht auf ihn für alle frei wird.

Karádi és Berger – Erdőbénye, Tokaj

Und hiernach postwendend ein Negativbeispiel. Nee, nee, tut mir leid. Aber das wird einfach nicht besser. Ich kann keinen Gefallen an den Weinen von Karádi és Berger finden. Auch der Furmint Palandor 2008 reiht sich ein in die Liste von Enttäuschungen. Immerhin bleibt man seinem Stil treu, der zu „Furmint-Interpretationen“ von grüner Frucht, grüner Holzigkeit und Säure, ja merkwürdig Flechten-wurzelähnlichen Tönen führt. Ich weiß nicht was das soll.

Vorne: Kovács Nimród aus Eger. Hinten: alles Tokaj

Kovács Nimród, Eger – Eger

Der Vorgängerjahrgang hätte der jungfräuliche erste sein sollen. Die Natur spielte nicht mit und so ist der 2009er also der erste Furmint überhaupt aus der bekannten Lage Nagy-Eged. Und der ergab 480 Flaschen und ist nett geworden, mit 14% Vol. auch für Eger recht hoch ausgefallen. Wirklich anmerken tut man ihm das nicht, was schon mal gut ist. Wirklich eigenständig will er sich aber auch nicht zeigen, etwa durch echte Charakterstärke. Es ist am ehesten die eng geschnittene Linie und die leicht salzigen Töne, die neben einer klaren Säure-Frucht-Struktur – Aprikosen-Birnen – und verhaltenen, trockenen Steinaromatik den Wein trägt und schön erscheinen lässt. Vom Stand weg knapp 15 EUR dafür zu verlangen erscheint dann aber doch etwas vermessen.

Pók Tamás, Eger – Eger

Eger ist auf den Furmint gekommen. es wäre übertrieben, das in den Raum zu stellen einfach nur weil zwei Erzeuger sich der Rebsorte angenommen haben und erste Ergebnisse zeigen. Tamás Pók hat mit dem Furmint Pajdos 2009 jedenfalls im Direktvergleich der reinsortigen (er selbst hatte auch schon von 2008 ein Cuvée mit Hárslevelű) das interessantere Ergebnis erzielt. Vegetabil, salzig, fein-rauchig und kräuterwürzig in der Nase, leider auch etwas schweflig-beißend. Am Gaumen dann kalt und grün, mit ebensolchem Holz, Avocado, Moos, Stein, zurückhaltende gelbe Frucht und nicht allzu prägnante Säuren. Der hat ein paar Ecken und Kanten, vielleicht auch kleine Fehler und der Druck fehlt.

Spiegelberg Borpince, Somlójenő – Somló

Da arbeitet jemand auf gerade einmal 1,4 Hektar, kann davon (wie auch immer) leben – und macht von Jahr zu Jahr schönere Weine. OK, bei den beiden vorgestellten Furmint Jahrgängen liegt es eher an persönlichen Präferenzen, ob nun der 07er oder 08er einem besser gefällt. Für mich hat der 2007er die Nase vorn. Er hat im Vergleich zum 2007er die griffigere, präsentere Frucht, wirkt mit seinen klaren Säuren in sich runder, ausgewogener. Im Abgang bilden sich schöne Mandeltöne. Sein Nachfolger, der Somlói Furmint 2008 startet mit 15% Vol. und kann mit denen erstaunlich gut umgehen, ohne dass man es deutlich merken würde. Ganz verschweigen geht natürlich nicht. Doch unangenehm kommt der Alkohol nicht rüber. Die reife Frucht wirkt hier eher gekocht, eine warme mineralische Würze, gewiss unterstützt vom Alkohol, bildet ein stabiles Fundament, auf dem nicht allzu kräftige Säuren den Oberbau bilden. Der 08er ist wohl eher nichts für einen Erstkontakt mit Somló. Insgesamt überzeugen die beiden Furminte von Stephan Spiegelberg aber durch ihre klare Frucht und Säure, trotz ihrer Kraft und Reife wirken sie nicht verbrannt oder überreif oder gar unrund.

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Teil 1 mit Majoros, Dobogó, Szent Benedek, Tokaj Nobilis.
Teil 2 mit Breitenbach, Erzsébet Pince, Dorogi Testvérek und Zsirai Pincészet.
Teil 3 mit Patricius Borház, Royal Tokaji, Chateau Dereszla und Hétszőlő.
Teil 4 mit Ferdinánd Pincészet, Lenkey, Balassa, Orosz Gábor und der Barta Pince.

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