Aus Zeitgründen heute und hier einleitend leider so viel, dass die Qualitätsdichte, v.a. genährt durch eine zweite Welle kleiner Betriebe, allmählich spürbar zunimmt.

Ferdinánd Pincészet, Mád – Tokaj

Bihari Ákos Ferdinánd ist wirklich noch jung, vielleicht erst um die 20. Er hat bei Demtervin gearbeitet und nun auch sein eigenes kleines Weingut in Mád. Nie von ihm gehört, zum ersten Mal getroffen und einen Furmint kennen gelernt, der stilistisch zumindest eigen ist. Der Padi-hegy dűlő 2008, zwischen Mád und Rátka, 13% Vol, 5,4 g Zucker, 6,9 g Säure, vier Monate im Holzfass, in der Nase Quitten, Honig und Rauchfleisch, am Gaumen sehr direkt ansprechend und recht mineralisch, ein wenig grob geschnitten, aber in sich solitär, mit guter Säurestruktur und schöner Frucht, erinnert an . Ein netter Furmint für soviel ich weiß gerade einmal etwas mehr als 5 EUR. Vielleicht wird aus Ferdinánd ja einmal mehr.

Lenkey Pincészet, Mád – Tokaj

Mit den Weinen von Lenkey war ich bislang recht häufig auf Kriegsfuß. In der Summe das wohl eher mit deren Stilistik zu tun, die meist in grünlich-gurkige Töne abdriftet, die bisweilen etwas unnatürlich wirken. Dazu kamen dann teils eine allzu überreife Frucht. Unabhängig davon kommen die Weine von Lenkey immer mit etwas Zeitverzögerung, wir reden von zwei-drei Jahren, auf den Markt. Das kann man selbstverständlich nur unterstützen. Viele würde das gerne und können es aus rein finanziellen Gründen nicht.

Und dann war da doch ein junger Furmint von 2009, aus zehn kleineren Fässern und sieben Lagen „gebraut“. Intensiv gelb leuchtend, viel Frucht in der Nase und am Gaumen sehr direkt ansprechend. Die reife gelbe, leicht grünliche Frucht wird durch ziemlich stark, klare Säuren konterkariert, aber alles hält sich gerade so an der Grenze, bildet eine schöne Spannung. Dadurch gewinnt er, wenngleich er sonst nicht allzu breit und tief ist. Schöner Wein. Der Korposd Furmint 2007 kommt zwar aus Mád, zeigt sich aber nicht ganz so schwer wie viele seiner Ortsverwandten. Reife Nase mit leichten, aber deutlichen Petroltönen. Ein strammer, ohne Umschweife ansprechender Furmint, der mit satter gelber Frucht, dezenter Mineralität, dafür aber etwas zu spitzen Säuren. Braucht vielleicht noch etwas Zeit.

Balassa Bor (Balassa István), Tokaj – Tokaj

Gerade mal ein Viertel Hektar gehören Balassa István von der Lage Nyulaszó, der mit 60 Jahre alten Reben bestückt ist. Der 2008er Furmint Nyulászó (14% Vol., Zucker 2,5 g/l, Säure: 6,7 g/l) wurde wie alle seine Weine spontan vergoren und in Holz ausgebaut. Schöne warme Furmint-Nase mit Apfelfrucht und würziger Mineralität. Am Gaumen fällt gleich anfangs die leichte Fruchtsüße im Hintergrund angenehm auf. Vielleicht weil sie einen guten Kontrapunkt zur recht ausladenden Würze bietet. Dann kommt die Frucht, dicht und konzentriert, mit Orangen, Äpfeln und Birnen und abermals einem starken mineralischen Untergrund, druckvoll, ausdrucksstark. Schön.

Orosz Gábor, Mád – Tokaj

„Den“ hatte ich vergangenes Jahr noch auf dem Kieker, wegen hohem, gänzlich uneingebundenem Alkohol und zudem überdeutlichem Holzeinsatz. Der Betsek Furmint 2008 macht sich deutlich besser, mit eigenwilliger Nase nach schweißig kühler, förmlich greifbarer Mineralität. Kräuter am Gaumen zusammen mit trocken wirkender, reifer gelber Frucht und klaren Säuren, ebenso trocken wirkender, deutlich ausgeprägter aber doch gut gebundener Mineralität, zum Ende hin Tabaknoten.

Nicht ganz grundlos am Stand der Barta Pincészet… – Attila Homonna.

Barta Pince – Mád, Tokaj

Die überaus sympathischen Bartas beschäftigen sich lediglich in ihrer Freizeit mit dem Weinbau. Das verlangt ihnen ein Pendeln zwischen Budapest und Mád ab, vor Ort kümmert sich eine Vertrauensperson um die Weinberge. Ander geht es nicht. Kompromisse sind fest eingebaut, die eigene Leistung ein Stück weit geschmälert. Und so haben sie es inzwischen zu beachtlichen Ergebnissen gebracht. Entweder, weil ihr Mann vor Ort mehr kann, als viele andere. Denn spürbare „Amateurweinchen“ sind das, was man von den Bartas eingeschenkt bekommt, wirklich nicht mehr. Ach ja, der Mann vor Ort ist Attila Homonna…

Der Furmint Öreg Király dűlő 2009 (14,5% Vol.) ist schon in der Nase kühl und elegant, was seine Verlängerung am Gaumen findet. Hier ist alles schön im Einklang, Frucht, Mineralität und Säuren gut aufeinander abgestimmt, nichts ragt heraus: eingekochte Trauben, Birnen, steinerne Mineralität, feine Säuren. Nicht allzu komplex, nicht allzu druckvoll. die Furmint Válogatás 2009 (Selektion, mit 14% Vol.) gelangt mit spürbarem, feinem Restzucker auf die Zunge. Gute Führung, klare Linien mit saftiger Frucht aus Pfirsichen und Äpfeln, schön eingebetteten Säuren und einer matten, leicht grünlichen, sich im Hintergrund haltenden steinernen Mineralität. Schön!

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Teil 1 mit Majoros, Dobogó, Szent Benedek, Tokaj Nobilis.
Teil 2 mit Breitenbach, Erzsébet Pince, Dorogi Testvérek und Zsirai Pincészet.
Teil 3 mit Patricius Borház, Royal Tokaji, Chateau Dereszla und Hétszőlő.

Es folgen noch Notizen zu Karádi és Berger (Tokaj) und den nicht aus Tokaj stammenden Furminten von Kovács Nimrod, Pók Tamás und Spiegelberg.

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