Die „Großen“ mussten von den „Kleinen“ lernen, dass man neben Aszús und Varianten und Spielarten wie Szamorodni oder Fordítás in Tokaj auch trockene Weine erzeugen kann. Inzwischen muss man es schlichtweg. An ihnen führt in einem ganzheitlichen Portfolio kein Weg mehr vorbei. Teils werden sie nach wie vor etwas stiefmütterlich behandelt. Das könnte sich früher oder später rächen. Oder man setzt sie eben einfach als Komplementärweinchen ein die am Anfang der Preisliste stehen, quasi um nach unten abzurunden.

Vorne: Kovács Nimród aus Eger. Hinten: alles Tokaj.

Die „Großen“ setzen auf reduktiven Ausbau – wenn es um trockene Weine geht. Nun ist es bei den kleinen Gütern sicher (auch) so, dass sie sich Edelstahltanks nicht einmal leisten können. Dennoch ist die recht klare Zweiteilung dennoch bemerkenswert.

Es zeigt auch sehr schön, dass Furmint eine wunderbare Spielwiese ist – wenn erst einmal der nicht immer leichte Kampf im Weinberg erfolgreich ausgetragen wurde. Er spielt nicht nur in allen Süßegraden mit, sondern liefert auch interessante, dann zumeist deutlich leichter wirkende, frucht- und säurebetontere Weine nach reduktivem Ausbau. Holz ist also definitiv kein Muss.

Patricius Borház, Tokaj – Tokaj

Hier wird bislang immer ein trockener Furmint erzeugt, das Portfolio ist sonst von klassischen Aszús geprägt. Da liefert man schöne Ergebnisse, dafür ist man bekannt.

Der Furmint 2009 stammt, wie das fast immer der Fall ist, aus insgesamt vier Lagen. Der Ausbau findet reduktiv statt, fast komplett. 20% der Trauben landen in Holz. Gerade einmal 1,8 g Restzucker sind verblieben. Sehr klare, kühl-gelbe Fruchtnase. Am Gaumen schlank, in kühler, klarer Eleganz erstrahlt sowohl eine schön integrierte Mineralität als auch die Frucht von Quitten, gelben Birnen und Äpfeln. Nicht wirklich bemerkenswert oder gar charakterlich eigenständig. Trinkt sich aber sehr gut. Beim 2008er Furmint sind Mineralität und die nicht allzu strengen Säuren sogar noch klarer herausgearbeitet als beim 2009er, sicher auch, weil die Zeit zusätzliche Ruhe, Gesetztheit bringen konnte. Leicht buttrige Noten, wohl durch den dezenten Holzeinsatz, fast transparent wirkende Frucht aus gelben Äpfeln. Verständlich. Zugänglich.

Royal Tokaji, Mád – Tokaj

Birtokfurmint 2009, also der Gutsfurmint, mit 14% Vol., komplett reduktiv ausgebaut. Insbesondere der 2007er war ein Abräumer, bestach durch einzigartiges Preis-Leistungsverhältnis, erstaunte in so manch einer Blindverkostung, indem er deutlich teurere Konkurrenz auf die Plätze verwies und auch der 08er profitierte noch zu Recht von diesen Erfolgen. Der 2009er erscheint mir nun etwas zu leicht geraten, fast schwebend. Mit etwas trüber Frucht, vegetabilen Anklängen und gegen Ende zu bricht gar der Alkohol etwas durch. So jung wirkte der Wein nun auch nicht, als dass man groß darauf setzen könnte, dass er sich ohne weiteres fangen wird. Mal schauen. Der Lagenwein Mézes Mály 2009, auch reduktiv ausgebaut, kommt ganz anders daher, mit käsig-rauchigem Bouquet. Die gelbe Steinobst-Frucht ist anfangs schlank, läuft dann enger zu bis sie sich in einem recht kompakten Kern findet. Klar, transparent mineralisch, fein gezeichnet, schön.

Chateau Dereszla, Bodrogkeresztú – Tokaj

Der Furmint Lapis 2009 kam sehr zupackend, mineralisch, ja scharf daher. Viel mehr an eindrücken blieb nicht hängen. Irgendwie schien er es vielleicht auch schwer zu haben, vermutlich hingen mir die Eindrücke der Lapis von Demeter Zoltán im Hinterkopf fest. Nicht gut (von mir). Beim Furmint Teleki 2009 machte ich wohl intuitiv nicht diesen Kardinalsfehler und dachte eben nicht an die Bott-Version. Feuerstein und ganz sanft gedämpfte und dann getrocknete Kräuter in der Nase. Und am Gaumen sehr geschmeidig ohne dickt zu wirken, traubig, ohne saftig sein, feine, klare Mineralität die sich nicht ohne Not aufdrängt, verhalten begleitet, reife Frucht, insgesamt zwar nicht allzu konzentriert, aber kühl und breit aufgestellt. Schön.

Tokaj-Hétszőlő, Tokaj – Tokaj

Hier fand nach zwei Jahren Suche Mitte 2009 ein innerfranzösischer Besitzerwechsel statt und langsam aber sicher sucht man eine neue Ausrichtung, Definition. Zu 60% gehört das Weingut nun der Domaines Reybier (Ch. Cos d’Estournel, Ch. Marbuzet) und zu 30% Electricité et Eaux de Madagascar (EEM)!? Der Rest ist in zersplittertem Kleinbesitz. Zuvor hatte das 49 Hektar-Weingut dem  Versicherungskonzern GMF gehört. Der Verkaufsdirektor Tamás Oroszlán äußerte sich positiv darüber, was die Entwicklung anbelangt. Man möchte verstärkt auch auf trocken ausgebaute Weine setzen und die neuen Besitzer sehen im Weingut nicht nur ein nüchternes Investment, sondern sind auch grundsätzlich an der Philosophie der Erzeugung und Stilistik interessiert und vor Ort engagiert.

Der Furmint 2009 ist auf Lössboden groß geworden. Da hat jemand doch etwas viel Sonne getankt und fleißig umgewandelt in Zucker. So dass am Ende satte 15% Vol. standen, 5 g Säure. Das merkt man dem Wein deutlich an, auch wenn er anfangs erstaunlich verhalten beginnt und mit verhältnismäßig schwach ausgeprägten Säuren und etwas dumpfer Frucht insgesamt etwas flach wirkt. Doch dann bricht dem Ende zu der Alkohol seinen Weg, hinterlässt bittere, scharfe Spuren. Der 2010er Furmint, ja in der Tat, der erste und zumindest in meiner Wahrnehmung an diesem Abend der einzige, fiel da deutlich besser aus, nicht nur tut das Mehr an Säure (9 g) gut, die so jung und fidel war, dass sie einem förmlich aus dem Glas entgegensprang, sonder auch das weniger an Alkohol. Das hatte dann auch die reif und ebenso jung wirkende Frucht noch Zeit sich zu zeigen. Alles jung und spritzig, sehr jung, eigentlich zu jung, auf den Markt kommt der Wein auch noch nicht. Aber nett.

Was fehlt und anwesend war: Disznókő und Andrássy. Sorry, war einfach zu viel. Und Béres, aber von denen konnte ich die Weine noch im Dezember kosten.

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Teil 1 mit Majoros, Dobogó, Szent Benedek, Tokaj Nobilis
Teil 2 mit Breitenbach, Erzsébet Pince, Dorogi Testvérek und Zsirai Pincészet

Im nächsten Go dann zu den Weinen von Ferdinánd Pincészet, Lenkey, Balassa, Orosz Gábor und der Barta Pince.


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