Fortsetzung der Notizen zur großen Furmint Február Verkostung 2011 – in anderer Form. Ich habe mich entschieden, zu den einzelnen Weingütern in zusammenhängendem Fließtext über die Weine zu schreiben. Das macht eine Bezugnahme zueinander einfacher. Für mich-  und hoffentlich auch für die Leser.

Der Aufgang am Eingang an sich war schon vielversprechend…

Mehrheitlich wurden dieses Mal der 2009er Jahrgang vorgestellt, teils auch noch der 2008er. Das an sich hat in der Summe schon zu einem homogeneren Gesamtbild im Sinne besserer, einheitlicherer Qualitäten geführt. Im vergangenen Jahr fielen doch einige Weine des heißen 07er Jahres durch zu hohe und v.a. zu deutlich wahrnehmbare Alkoholgrade auf. Auch zu heftiger Holzeinsatz war immer mal wieder ein Thema und unangenehm. Beides diesmal bei weitem nicht so. Klar sollte man sich hüten daraus schnelle Schlüsse zu ziehen. Wirklich nachhaltige Entwicklungen treten nicht so schnell ein. Dennoch, ich werte es als kleines Zeichen der Hoffnung.

Breitenbach Kézműves Pince, Bodrogkisfalud – Tokaj

Furmint Nagy Palánt 2008

Und nach wie vor ist das ein schöner Furmint für wenig Geld. er ist ein wenig älter geworden, wer nicht, die Frucht wirkt nun gedämpfter, eingekocht. Auch die Säuren etwas weniger ausdrucksstark, macht in der Summe einen gesetzteren, reiferen und dadurch auch etwas runderen Wein. Gut.

Erzsébet Pince, Tokaj – Tokaj

Das mit 15 Hektar gar nicht kleine Familienweingut aus Tokaj lässt seine Weine spontan vergären. Beim 2009er Jahrgang aus der Lage Király war nach 2/3 der Wegstrecke Schluss. Was nicht weiter schlimm ist, aber eben zu zwei Weinen mit deutlicher Restsüße führte. Diese sind aber schön, was im weiblichen Sinne zu verstehen ist. Schöne, sanfte Weinchen.

Der Király Öcsi 2009 mit 13% Vol. und eher im Hintergrund stehendem, begleitendem Restzucker (8-9 g/l), also einer schwachen, milden Fruchtsüße, kommt sehr leicht, ja unbeschwert daher. Dabei schafft er es gerade noch so, nicht belanglos zu erscheinen. Klare gelbe Apfelfrucht, milde Säuren. Nett. Resoluter, selbstbewusster und eben auch mit deutlichem Restzucker dann der Király dűlő 2009, 13,5% Vol. Aber zuerst in der Nase auffällig, mit vegetabilen Noten, Selleriesuppe, gekochte Rote Beete. Und am Gaumen mit absolut eigenen, medizinisch-vegetabilen Noten, weich, klar, feine Birnen-Apfel-Frucht, sanften Säuren. Interessant.

Dorogi Testvérek Pincészet, Tarcal – Tokaj

Auch von den Geschwistern Dorogi hatte ich bislang kaum etwas im Glas. Auch eines dieser kleinen Familienweingüter mit gut 6 Hektar Rebfläche, u.a. in der von Kikelet bekannten Lage Lónyai, beim Ort Tarcal.

Der Furmint Előhegy 2008, mit 13,5% Vol auch eher am unteren Rand angesiedelt. Das ist so in Tokaj, in Somló, in Ungarn, auch bei Weißweinen. Intensive warme gelbe Frucht aus Aprikosen und vor allem Birnen. Auch am Gaumen ungemein fruchtig, in der ersten Wahrnehmung satt, doch der Hintergrund, der Unterbau fehlt ein wenig, fast wirkt der Furmint etwas verwässert, wozu auch die recht schwach ausgeprägten Säuren beitragen. Merkwürdig. Schade.

Zsirai Pincészet, Mád – Tokaj

Ein mir gänzlich unbekanntes Weingut, auch noch neu, 2005 war der erste Jahrgang. Witziger weise müssen die auch noch am Somló und in Villány ein paar Reben besitzen und Weine erzeugen, das sagt zumindest ihr Internetauftritt. Keine Ahnung wo die herkommen, wo das Geld, Knowhow etc. Merkwürdiger Ansatz. Was vielleicht zu viel des Guten ist. Zumindest ist der Középhegyi Furmint 2007 das Bedauernswerteste gewesen, was ich an diesem Abend im Glas hatte. Bedauernswert, weil man vermeintlich überreife Trauben geerntet hat, was nicht nur zu deutlich wahrnehmbaren 14,5%, sondern auch zu einer schlimm verbrannten Frucht geführt hat. Am nettesten waren noch die Botrytis-Töne in der Nase.

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Teil 1 mit Majoros, Dobogó, Szent Benedek, Tokaj Nobilis

Im nächsten Go dann zu den Weinen der großen Güter, zu Patricius Borház, Royal Tokaji, Chateau Dereszla und Hétszőlő.

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