Ein Logo für den zweiten Furmint Február! Violett! Der Gang zur großen Furmint-Verkostung wie der Gang zur Kirche? Violett, das ist doch Advent und Fastenzeit, Besinnung, Einkehr, Buße. Und heutzutage ja auch alternativen Frauenpower, Emanzipation, bisweilen gar Männerxxxx…

Fasten war an diesem Donnerstag nicht angesagt, im Stadtwäldchen von Budapest. Ganz und gar nicht. Buße tun mussten allenfalls einige wenige Erzeuger. In der Vajdahunyadvár, einem architektonisch äußerst schrägen Konglomerat verschiedener historischen Bauten,fand nach 2010  die zweite große Furmint-Verkostung statt. Es ist der Hauptevent des vom Online-Weinmagazins Vinoport 2010 erstmals ins Leben gerufenen Furmint Február. Der Februar als der Monat, in dem die Aufmerksamkeit der ungarischen Weinwelt sich auf die bedeutendste autotthone Rebsorte des Landes richten soll. Und dies auch tut. Im Gegensatz zum Rest der Weinwelt, die mehrheitlich nach wie vor nicht die leiseste Ahnung hat, welches Potential in Furmint steckt.

Vajdahunyad vára: Ja, auch in so was kann man große Weinverkostungen durchziehen.

Die Schiere Masse an Weingütern – gegen Ende war von bis zu 50 die Rede – macht es dem Besucher von vornherein nicht leicht, sich binnen vier Stunden – auf diesen engen Zeitrahmen war die Veranstaltung angesetzt – ein Bild der aktuellen Lage zu machen. Doch ohnehin geht es ohne Abstriche nicht. Ich für meinen Teil habe mich diesmal fast gänzlich auf Tokaj beschränkt. Was auch bedeutet, dass ich die paar ausländischen Weingüter aus Österreich (Burgendland) und Slowenien nicht besuchte. Leider. Und selbst dann und obwohl ich kommende Woche ohnehin einmal mehr nach Tokaj fahre und daher manche Weine allein deshalb auslassen konnte, war es einfach zu viel.

Dennoch, es führt kein Weg an einem solchen Event vorbei, es bedarf eines Furmint Február, um die Aufmerksamkeit zu erhöhen, die kritische Auseinandersetzung mit dieser ganz beosnderen Rebsorte förmlich zu erzwingen. Daher auch ein großes Lob an die Veranstalter, die mit einer hochprofessionellen Organisation für einen reibungslosen Ablauf gesorgt haben!

Wie gewohnt stelle ich die Verkostungsnotizen schrittweise ein. Und ebenso schrittweise werde ich noch einige Sätze, vielleicht auch Allgemeinplätze zu Furmint an sich und der eigenen aktuellen Wahrnehmung einfließen lassen.

Anmerkung: Wenn nicht anders angegeben stehen die Weinnamen für Lagenbezeichnungen. Die Namen der Weingüter werden genannt, dann folgt deren Location, deren Ort und nach dem Bindestrich die Region, aus der sie kommen.

Majoros Birtok, Tokaj – Tokaj

Mit Weinen von Majoros war ich zuvor noch nicht in Kontakt. Sie bildeten den persönlichen Auftakt und der hatte es in sich. Keine leichten Jungs, die beiden Lagen-Furminte. Und wie sich später herausstellen sollte gehören sie zu den Entdeckungen des Abends. Einzig die Preise lassen einen erschrocken zusammenzucken, 18,50 EUR für den Agyag, das ist mehr als eine Ansage. Das ist einfach ein gutes Stück zu viel Geld.

Furmint Deák 2009

6.000 Flaschen. Deutliche, leicht scharfe mineralische Würze in der Nase. Sehr direkte Ansprache, trocken, fast hart wirkend, mit bitterer Mineralität und gelber, leicht trüber Frucht. Männlich, nicht plump, kleines Kraftpaket.

Furmint „Agyag“ 2009

1.000 Flaschen, zweite Märzhälfte im Verkauf. Sonnengebrannte rote Äpfel, warme, steinige Mineralität. Am Gaumen filigraner und klarer als der Deák, mit deutlich gezeichneterer Frucht, tabakbittere Mineralität, viel Grüntee der zu lange stand. Kein einfacher Wein, noch männlicher, druckvoller, mineralischer als der kleinere Lagenfurmint.

Dobogó Pincészet, Tokaj – Tokaj

…mit einem schon ganz zu Beginn der Veranstaltung zum Kotzen schlecht gelaunten Domokos Attila. Wenn man kaum Lust verspürt einzuschenken und erst recht nicht, ganz normale Fragen zu beantworten, sollte man es einfach lassen. Ist einfach fehl am Platz, unprofessionell. Nicht zu vergessen dass das Weingut dem großen Handelshaus Zwack gehört, also nicht irgendwer ist.

Tokaji Furmint 2009

13,5% Vol. Weich und traubig grün. Am Gaumen etwas dünn und flach wirkend, dabei aber fein und klar strukturiert, mit verhaltenen Säuren und schöner grüner Apfelfrucht.

Tokaji Furmint 2009

… aus den Lagen Szt. Tamás und Becsek. Etwas stärkere, gelbgrüne Frucht. Am Gaumen hell, weicher, weißes Apfelfleisch, dann in zweiter Phase Druck entwickelnd und härtere mineralische Noten auspackend. Einfach noch sehr jung, unruhig. Vermutlich müsste man ihm zumindest auch einfach mehr Zeit an der Luft geben.

Szent Benedek Pincészet, Tállya – Tokaj

Furmint Szent Tamás 2008

Rund 1.000 Flaschen, gelangt erst in ein-zwei Monaten in den Verkauf. 13,0% Vol. Vegetabile Noten in der Nase, gedämpfte Sellerie, Karotten, Kohlrabi. Sehr klare Frucht aus gelben Birnen und Zitrusfrüchten, leider durch recht starke, spitze Säuren konterkariert, die vor allem zum Ende hin alles dominieren.

Furmint Szent Tamás 2006

12,5% Vol. und damit ein kleines Wunder in Tokaj. Ganz gezielt sucht man niedrige Alkoholwerte zu erreichen. Apfel und Gurken in der Nase. Am Gaumen ausgesprochen klar und schlank geschnitten, fein, elegant, weniger Säure als beim 08er aber auch hier ein Tick zu viel, die fast transparente gelbe Frucht überlagernd. Dennoch schön.

Tokaj Nobilis Szőlőbirtok, Bodrogkeresztúr – Tokaj

Den Birtokbor 2009 von Bardos  mit 90% Furmint- Anteil ließ ich bewusst aus.

Furmint Barakonyi 2009

14,5% Vol., die man überhaupt nicht spürt. Kühle, noch sehr verschlossene Nase mit unreifen gelben Birnen und feiner Kräutermineralität. Am Gaumen weich, anfangs dominiert eine kalte, leicht gedämpfte Frucht aus Birnen und Äpfeln, dann tritt eine steinerne, sanft-bittere Mineralität auf, die sich dann zusammenzieht und im Aus Trockenfrüchten Platz macht. Schön! Noch unbedingt Zeit geben.

…………………………………………………

Im nächsten Teil zu den Furminten von Breitenbach, Erzsébet Pince, Dorogi Testvérek und Zsirai Pincészet.

Kommentieren? Hier entlang... ▼

Connect with Facebook


Verwandte Artikel