Vergangene Woche fand die letzte offene „Club“-Verkostung des Online-Weinmagazins Vinoport statt. Zehn Weine des Tokajer-Gutes Béres Szőlőbirtok és Pincészet wurden von der Geschäftsführerin Melinda Béres vorgestellt.

Béres. Der Name steht in Ungarn für Béres-Csepp, Tropfen aus Vitaminen und Spurenelementen, die so ziemlich für alles oder auch gegen jedwedes Zipperlein gut sein sollen. Die Ungarn schwören darauf. Man selbst kam nicht drumherum, das metallisch-bitteren Zeug zwischendurch eingeflößt zu bekommen.

Um das Familienoberhaupt Dr. Béres entstand so ein beachtliches Familienunternehmen. Die Liebe zum Wein wiederum ließ die Béres‘ im Jahr 2002 stolze 45 Hektar Rebfläche nahe Erdőbénye in Tokaj erwerben und einen repräsentativen Allzweck-Bau errichten. Rund die Hälfte mit Furmint bestückt. Den Rest teilen sich Hárslevelű, Gelber Muskateller, Kövérszőlő und Zéta. In den ersten Jahren war Sarolta Bárdos (Tokaj Nobilis) für die Weine verantwortlich. Heute ist es der junge Peter Hudák.

Man ist landesweit in diversen Super- und Hypermärkten vertreten, hat sich mit einer ziemlich breiten Produktpalette von Qualitätsweinen ganz bewusst im Einstiegsbereich angesiedelt. Dort trifft man neben ganz großen Erzeugern als eigentliche, direkte Konkurrenz auf all jene großen Namen, die durch ausländische Investoren ähnlich bzw. qualitativ insgesamt etwas höher aufgestellt sind: Disznókő, Oremus etc.

Daher gebe ich auf zwischen den Notizen die Preise an. Sie sind vergleichsweise ein wichtigerer Faktor für die Einstufung der Qualitäten. Schließlich handelt es sich mehrfach nicht um Weine, auf die man im Fachhandel trifft. Und dafür sind sie dann auch wirklich OK. Manche verlangen gar etwas mehr Aufmerksamkeit, wie die Lagen-Furmint, oder mehr Respekt als man per se dächte. So der Szamorodni und das edelsüße Margita-Cuvée, Schleckereien für zwischendurch, den schnelllebigen Alltag.

Zum Einstieg, als Einstieg: zwei reduktiv ausgebaute Weine für rund 6 EUR. Mit bewusst auf jung und modern gestylten Etiketten, um genau diese Zielgruppe anzusprechen und für trockene Weißweine aus Tokaj zu öffnen. Weine für jeden Tag, simpel, unkompliziert. Das passt auch. Nur eben sind sie auch so beliebig, dass sie nicht wirklich nach Tokaj weisen. Mission nicht wirklich erfüllt.

Sárga Muskotály 2009

Gelber Muskateller. Kühles, enges, florales Bouquet, v.a. Holunder. Am Gaumen klar, schlank, sofort zugänglich weil einfach gestrickt, angenehm frische Säuren, Zitrusfrüchte und unreife gelbe Äpfel.

Furmint 2009

Noch deutlich direkter als der Muskateller. Würzig und dennoch klar, reife gelbe Äpfel und Birnen, Gras, alles andeutungsweise karamellisiert wirkend, leicht schmelzend, mit ziemlich zurückhaltenden Säuren. Geradlinig, schnörkellos, einfach, aber ok. Könnte auch von sonstwo herkommen.

Omlás Furmint 2007

Lagenfurmint No. 1. Einerseits klassischer, in Holz ausgebauter Furmint. Nur dass das Holz (noch) etwas zu sehr vorne steht. Darin war er sieben Monate lang. In der Nase viel Holz und Petroltöne, leicht floral und dann noch eine überreife gelbe Frucht. Mit punktuellem Druck hinten, recht tief gehend, auch am Gaumen mit recht viel Holz, fest und dabei weich anschmelzend, etwas verbrannt wirkende Frucht aus Birne und Quitte, gegen Ende hin mit fast etwas scharfer Würze. Der sehr heiße 2007er Sommer lässt grüßen.

Omlás Furmint 2008

Im Direktvergleich trotz absolut identischem Ausbau mit deutlich weniger Holzeindrücken. Wieder, schon wie bei der ersten Begegnung, mit überrumpelnder Art schon in der Nase weich-mineralisch wirkend, gelb-grüne Äpfel, Stroh, Vanille, Veilchen. Am Gaumen klarer und komplexer, jetzt schon fertiger wirkend, zum Ende hin würziger und mit leicht stumpfen Petroltönen. Persönlich bevorzugt.

Lőcse Furmint 2007

Lagenfurmint No. 2. Wieder ein Jahrgangsvergleich. Wieder fassausbau, dieser hier war einen Monat länger im Holz, also acht. Süßliches Holz und überreifen Trauben und Birnen in der Nase, jedoch deutlich gesetzter, gediegener wirkend als der 07er Omlás. Am Gaumen verstärkt sich der Eindruck, runder und weicher, weniger aufdringlich und wild, dennoch auch hier deutliche Petrolnoten, eine offenere Mineralität, klarere Säuren und hellere gelbe Frucht. Meiner Meinung nach komplexer, mehr Potential.

Lőcse Furmint 2008

Feiner, dezenter Holzton, Vanille, Veilchen, Joghurt und Apfel. Straighter und noch klarer am Gaumen, reine grüne Apfelfrucht, leichte mineralische Bitterkeit, grüne pflanzliche Töne, Efeu, Petrol nur schwach, andeutungsweise. Noch etwas gedeckt.

Édes Szamorodni 2007

Anstelle der für Szamorodni gesetzlich vorgeschriebenen zwei Jahre Reife wurde diesem hier drei gegönnt. 74 g/l Restzucker. Auch Karamell aber vorwiegend getrocknete Aprikosen. Am Gaumen ziemlich leicht um nicht zu sagen fast beschwingt, mit frischen Säuren, dann aber dagegen haltend eine tabakige, leicht bräunliche Bitterkeit. Kompakte Frucht aus Birnen und Aprikosen. Nicht allzu süß, recht einfach strukturiert, sich feilbietend. Insgesamt gelungen, gewiss gut als Aperitif geeignet.

Margita Cuvée 2008

Eine Spätlese aus allen fünf kultivierten Rebsorten. Erst der zweite Jahrgang und doch bereits der erfolgreichste Wein, jener, mit dem man das Weingut Béres in Ungarn am ehest in Verbindung bringt. Ein moderner Süßwein aus Aszú-Trauben, für 2.100 Ft, also 7,80 EUR wirklich überaus attraktiv. Orangen, salzige Meeresluft und dezente Petroltöne. Am Gaumen saftig und recht druckvoll, fester Fruchtkern aus Orangenkonfitüre mit ganz leichter Bitterkeit, bräunliche, leicht spitze Säuren, gegen Ende getrocknete Apfelringe. Trinkspaß.

Lőcsei Fehér Asszony 2008

Das weiße Fräulein aus Lőcse ist der Titel eines bekannten Romans – und hier ein verkappter 4 puttiger Aszú. Knapp zwei EUR teurer als das Margita Cuvée. Aus Furmint und Hárslevelű. Mit 143 g/l Restzucker. Leicht tropisch-buttrige, überreife Frucht, viel Honig. Am Gaumen traubig, auch hier tropische Fruchteindrücke, gelbe Säuren steuern gut gegen die Süße, fein, wenngleich etwas flach.

Vitis Tokajensis 5 Puttonyos Aszú 2005

145 g/l Restzucker. Kühle Nase, floral, klassische Botrytis-Töne, Quitten, Aprikosen. Am Gaumen leicht, zu leicht: recht schwach ausgeprägte, klare Säuren, durchaus vital, hellgelbe Frucht aus Aprikosen und Pfirsichen, etwas kraftlos, Tiefe und Breite und Länge fehlt.

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Copyright aller Fotos: Szőlőbirtok és Pincészet

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