Sauska - Cuvée 113 2009

Echtes Entsetzen. Zuerst hatte es mir ein bekannter lokaler Erzeuger erzählt. Doch trotz der bedeutenden Quelle konnte, nein wollte ich es nicht glauben. Inzwischen steht der erste empirische Nachweis vor mir: eine Flasche Cuvée 113, von Sauska-Tokaj, dem neuen Projekt von Krisztián Sauska. Der US-Unternehmer mit ungarischen Qurzeln hatte mit den 2006er Jahrgängen aus seinem Villány-Weingut begonnen, die ungarische Weinszene etwas aufzumischen. Die Formel: viel Geld, Hightech, ab und an eingeflogene US-Berater, durchgestyltes Design und modernes Marketing. Nun auch in Tokaj. So weit, so noch irgendwie gut.

Der ganz wesentliche Unterschied: hier wird ein Tabu gebrochen. Sauska ließ einen britischen Berater Jahr im Voraus die Tokajer Region durchstreifen, analysieren, eher er letztlich zuschlug und das Weingut Árvay és Társa übernahm. Dagegen wäre ja noch nichts zu sagen. Doch er hörte auf seinen Berater und ließ Chardonnay und Sauvignon Blanc anpflanzen. In Tokajer Terroir! Das ist, tut mir leid wenn ich etwas theatralisch werde, das ist gewissermaßen die Entweihung heiligen Bodens. Das ist ein absolutes Nogo! das ist Ketzerei! Oder was würde man in Deutschland sagen, wenn in wunderbaren Lagen an der Mosel, im Rheingau, der Pfalz plötzlich Riesling-Stöcke den internationalen Konkurrenten weichen müssten? Wie ignorant muss man eigentlich sein? Wie blind, wie verstellt? Wo das einzigartige Terroir Tokajs, gekoppelt an die Tradition und autochthone Rebsorten Furmint, Hárslevelű, aber auch Kövérszőlő Ungarn weltweit eine einzigarte Chance, ein echtes USP beschert! Und wie kann man eigentlich auf die Idee kommen, (ausgerechnet) der Meinung eines Briten Glaube zu schenken? Wo es doch inzwischen nachweislich mehr als genug ungarische Erzeuger gibt, die über so viel Erfahrung, so viel Wissen verfügen, welches kein Außenstehender auch nur ansatzweise haben kann.

Das Cuvée 113 ist ein Einsteigscuvée. Der Anfang von was auch immer. Mit Sicherheit wird es auch Aszús geben, oder moderne Interpretationen, Süßweine. Irgendwo dazwischen dann wohl auch reinsortige Weine. Mal schauen. Und vermutlich wird es oder git es schon jetzt auch ein eigenständiges Labor, wo die Weine permanent chemisch überprüft werden und zuvor computergestützt zusammengesetzt. So wie in Villány. Diese jewede Tradition und alles Existente negierende Ejakulat von Wein schließlich, zeigt sich mit leichten Zitronennoten, Eindrücken von Gräsern und Spuren von Feuerstein in der Nase – und am Gaumen mild, mit leichter mineralischer Würze und nur schwach ausgeprägten, etwas verbrannt wirkenden Säuren, einer leicht süßlichen Frucht (der Wein nennt sich trocken, ich würde ihn in jedem Falle zumindest halbtrocken bezeichnen, gut möglich dass 14% Vol. Alkohol zum Süßeeindruck nicht unwesentlich beitragen) aus Aprikosen, Bananen und Ananas, dabei zart schmelzend. Zweifelsohne gut trinkbar, aber gandenlos unspannend. Auch jetzt, mit einer letzten Kraftanstrenung und dem Zwang zur Objektivität: darauf hat die Welt nicht gewartet.

Wein: Cuvée 113 2009
Weingut, Ort: Sauska-Tokaj, Tokaj
Rebsorte/n: Furmint, Hárslevelű, Chardonnay, Sauvignon Blanc
Alkoholgehalt: 14,0%
Preis:  8,40 EUR (2320 Ft)
Internet: sauskatokaj.hu

3 Antworten

  1. Hallo!
    Deiner Meinung über Chardonnay und Sauvignon in Tokaj kann ich verstehen, obwohl ich das nicht als Sünde betrachte. Dabei haben sie keine Stöcke von Furmint ausgerissen.
    Eben vorige Woche haben wir Rhein Riesling von Szentesi József probiert – und fanden wir Weltklasse, mit Deutsche (Cool Climate) Qualitäten vergleichbar. Ich finde also, dass man sich, sein Terroir mit internationalen Rebsorten durchaus zeigen darf. Soll zwar nicht, aber darf.

    Nur noch ein kleines Korrektion: Sauska war der Partner in Árvay és Társa („und Co.“ auf ungarisch), er musste sich also nicht reinkaufen im Weingut. Es gehörte Ihm größten Teils, praktisch.

    • Der entscheidende, große Unterscheid zwischen einem Riesling in Etyek und der ebensolchen oder irgend anderen internationalen Sorte ist doch der Ort. Und auch nicht wirklich, ob man Furmint dafür entfernt oder nicht.
      Tokaj ist und bleibt in vielerlei Hinsicht eine Ausnahme, verdient eine Sonderstellung. Dort „fühlen“ sich die Autothonen nachweislich sehr wohl, dort kommen sie zum Teil auch her, über die Symbiose von Terroir und Rebsorte ensteht das unnachahmliche Potential. In Etyek ist dem nicht so.

      Und ich schätze die Rieslinge von Szentesi, wirklich bemerkenswert was da geleistet wird. Sie zu Weltklasse und kurzerhand auf eine Ebene mit Deutschen zu zählen, naja, das würde ich allenfalls als subjektive Wertschätzung gelten lassen. Sorry, dafür kenne ich die deutsche Rieslinglandschaft dann doch auch recht gut und würde das nicht behaupten. Die Szentesi’s sind eigenständig, haben verdientermaßen ihren Platz und sollen sich bitte auch weiter entwickeln. Aber was Komplexität, Rafinesse, etc. anbelangt reichen sie bei weitem nicht an die Top-Weine Deutschlands heran. Allenfalls, wirklich allenfalls an eine Mittelklasse. Dann aber im Direktvergleich zu einem beachtlich guten Preis-Leistungs-Verhältnis.

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