Zum Teil I über Dénes Hegybirtok und Imre Györgykovács (Somló)
Zum Teil II über Szt. Ilona Borház und Kreinbacher Birtok (Somló)
Zum Teil III über Laposa und Lajos Takács / Hollóvár (Somló)
Zum Teil IV über Királyudvár (Tokaj) und Frigyes Bott (Felvidék / Süd-Slowakei)
Zum Teil V über Tamas Pok (Eger), Posta Borhaz (Szekszard), Kreinbacher (Somlo)

Oszkár Maurer – Délvidék / Vojwodina (Nord-Serbien)

Nach Frigyes Bott der zweite virtuelle Grenzgang, diesmal in den Süden.

Hajdújárási Kadarka 2009

Ein 11%iges, roséhelles Weinchen, aber eben ein Kadarka, ein echter, unverfälschter. Entsprechend finden sich Himbeer- und Erdbeeraromen und eine feine Würze in der Nase. Offen liegende, leichte, helle Frucht, Saft eingelegter roter Kirschen, rote Johannisbeeren, Granatapfel, all das an einem fast wässrig erscheinenden Körperchen, mit frischen, hellen Säuren versehen und zum Ende kommt auch noch ein wenig Würze hinzu. Nichts Fülliges, kein Schreihals, kein Barrique-Körperwunder – so wie ein echter Kadarka eben durchaus berechtigt sein kann.

Pinot Noir Karász Dűlő 2009

Aus der Lage Karász, was immer das auch heißen mag. Klare, untrügliche Eukalyptus-Nase mit weicher, hellrotbrauner Frucht. Am Gaumen mit ganz wenig Säuren, seifig, wässrig, rotgrüne Frucht, Erdbeeren, Zwetschgen, gegen Ende schön sanft adstringierend. Ja!?

Szerémi Kadarka Krisztus Dűlő 2009

Himbeersirup auf Tannenzapfen, Laub, harzige Süße. Von Beginn an fordernd, würzig, warm, und dabei dann aber auch filigran, weich, reife rote Kirschen, Laub, fester Holzeinsatz, mittlerer Körper, wie man so zu sagen pflegt. Schön.

Ráspi Pincészet (József Horváth) – Sopron

Pinot Noir 2008

Langsam aber sicher muss ich es dann doch sagen: mit einigen wenigen Aussetzern gelingen József Horváth wirklich schöne, absolut eigenständige Weine. Umso mehr muss man es bedauern, dass der Winzer selbst ein derart schwieriger, selbstgerechter Ultraegozentriker ist, dass meinereins kein Wort mit ihm wechseln möchte. Ungemein saftige, florale Frucht in der Nase, am ehesten an irgendwie parfümierte Zwetschgen erinnernd. Wirkt am Gaumen alkoholischer als er ist (13% Vol.), denn auch hier scheinen parfümierte Töne auf, das wirkt auf den Gaumen überstrapazierend. Insgesamt sehr floral-kirschig-zwetschgig, saftig, immer druckvoller werdend. Zum Ende hin würzig, und gleichermaßen kommen Schokotöne nach vorne. Spannend.

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Kurzes Resümee:
Somló beweist einmal mehr, dass auf engstem Raum und vor dem Hintergund eines ausgesprochen markanten Terroirs erstaunliche viele Erzeuger ausdrucksstarke Weine machen. Und dabei reden wir gar nicht von den Abwesenden, wie Spiegelberg und Somlói Apátság etc. Angesichts der bemerkenswerten Angebotsbreite findet jeder (Trinker-)Topf (wohl eher Kropf) seinen stilistischen Deckel, was bei der teils sehr harten Säure und deftigen Mineralität auch enorm wichtig ist, gut tut.

Die ürbige Verkostung war gezwungenermaßen ein Flickenteppich, ganz verschiedene Erzeuger aus verschiedenen Anbaugebieten. Allesamt unter dem Dach des Händlers Terroir Club vertreten. Und allen gemein ist, dass sie, dem Ansatz von Terroir Club folgend, authentische Weine erzeugen, die von Ihrer Herkunft erzählen. Das kann man nach dem Freitag nur unterstreichen. Dass es stärkere und schwächere Erzeuger und auch teils weniger bemerkenswerte oder gar schwache Weine gibt ist auch nur natürlich. Verkürzt kann man immerhin sagen, dass es inzwischen auch im Niedrigpreis-Segment (bis 8 EUR) wirklich schöne Weine gibt. Tamás Pók und Pósta Borház sind da unbedingt zu nennen.  Und dabei stehen wir sicher erst am Anfang.

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