Die Bortársaság, zu Deutsch „Weingesellschaft“, in Sachen Wein einer der größten Einzel- und Großhändler Ungarns hat einen neuen Winzer ins Angebot augenommen, Miklós Tamás Rácz aus der südungarischen Rotweinregion Villány-Siklós. Im Newsletter und im Shop sieht man den armen (?) Kerl, wie er – nur mit einer Stirnlampe (so wie es aussieht immerhin der neuen Generation, mit LED-Leuchten) bestückt – im eigenen Keller Wein zum prüfen aus einem Fass zieht.

Man fragt sich automatisch: reichte das Geld nicht einmal für eine normale Deckenbeleuchtung? Allzu praktisch kann man sich jeglichen Arbeitsgang im Keller bei derart eingeschränkter Beleuchtung jedenfalls nicht vorstellen. Und Sinn macht eine solche Aktion rein technisch betrachtet ja nun auch nicht.

Oder man fragt sich einfach: warum ist man auf die Idee gekommen, so ein Foto zu schießen? Weil der Jungwinzer einfach verdammt cool aussieht, also besser ankommt? Und weil es konzeptionell ins Gesamtbild von Bortársaság passt, das einen insgesamt sonst wirklich gelungenen, modernen Auftritt hinlegt und damit in Ungarn im Weinhandel weit über allem schwebt. Weil das Unternehmen inzwischen Krisztián Sauska gehört, der sein Villányer Weingut auch so modern ablichten ließ, den Chardonnay pflichtbewusst in nachtgekühlten Aktionen ernten und damit vor vorzeitigem Gären bewahren lässt und vielleicht noch die eine oder andere Stirnlampe über war? Man weiß es nicht so genau, muss dabei mit Miklós Tamás Rácz vermutlich kein Mitleid haben, darf aber immerhin spekulieren, und über solch einen Marketing-Humbug kräftig schmunzeln.

3 Antworten

  1. Lieber Peter,

    hast du das auch geglaubt? Diese Legende, dass Bortársaság Sauska gehören würde ist immerhin ein Urban Rumor, nichts mehr. Das ist ganz ähnlich dazu, als St. Andrea auf den Markt kam: damals hieß es, dass sie Bortársaság gehören, was ebenso ein Quatsch ist.

    An sonsten möchte ich gratulieren, weil ich dein Blog, seitdem ich es vor einigen Wochen gefunden habe, verfolge und es toll finde. Dein Werk erfüllt eine Lücke in der ungarischen Blogosphere und macht es sogar auf ein gutem Niveau.
    Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg!

    • Lieber Zoli,

      mag sein, dass es ein Urban Rumor ist mit Sauska. Es wird hier im Lande ja ohnehin viel geredet und noch mehr geglaubt, da bleibt man selbst nicht ganz verschont… 🙂
      Man könnte sich ja die Mühe machen, einen Handelsregisterauszug (Cégkivonat) zu besorgen, wirklich schlauer würde man da sicherlich auch nicht daraus.
      Aber passen würde es ja. Immerhin hat Bortársaság einen ziemlichen Wandel durchlebt in den letzten 12 Monaten. Nicht nur optisch aufgefrischt, das alte Logo zum Glück abgelegt etc. Sondern auch im Einkauf eine ganz neue Linie eingeschlagen: mit deutlich mehr Erzeugern, teils kleinen Mengen, temporären Verfügbarkeiten und vor allem endlich auch einem Wegkommen von den rund 20-25 klassichen Großen in Ungarn (sorry… ;)). Schließlich ist der Markt ja mächtig in Bewegung, zum Glück. Der einzelne Erzeuger leidet aber gleichzeitig auch darunter, unter dem breiteren Angeboit, der höheren Konkurrenz. Und sie stellen Sauska schon mehr nach vorne, als es (zumindest mir) eigentlich vernünftig erscheint, bringen jetzt auch noch die Sauska-Weine aus Tokaj – kenne ehrlich gesagt noch keinen, würde aber wetten, dass es einige andere Erzeuger gibt, die spannendere Weine machen…

  2. Dass der Markt in Bewegung ist, finde ich toll. Alleine in Szekszárd wurden die Anzahl abgefüllten Flaschen in den letzten 5 Jahren verdoppelt. Dadurch können mehr Erzeuger höheren Qualitäten „produzieren“, es bringt guten Ruf für die Region.
    Auf der Verkaufsseite der Geschichte gibt es immer mehr Druck, worunter einige älteren Namen der Branche leiden.

    Über die Strategie von Bortársaság wird in den letzten Jahren viel gestritten. Eines ist sicher: diese Professionalität, was sie auf der ungarischen Weinmarkt verwirklichen, ist vorbildlich.

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