Bock - Bock n' Roll 2008

Ja, das ist in der Tat ein Wein vom bekannten Villányer-Weingut Bock. Das sonst eher einfallslose, oder sagen wir lieber angenehm unauffällige Standard-Etikett des Weingutes wurde in diesem Falle von einem unheimlich dynamischen, extravaganten „Design“-Ansatz ersetzt. Die Schallplattenform erkennt man gar nicht sofort, vielmehr bleibt der Blick auf den feuerumrankten Buchstaben kleben…. Ein Bruch mit der Tradition, der Markenlinie von Bock. Was natürlich ganz bewusst stattfindet. Valér Bock zeichnet laut Aufschrift für den Inhalt der Flasche verantwortlich, der Sohn von József Bock. Es ist ein neues rotes Einstiegs-Cuvée, preislich knapp unter dem bisherigen Einstiges-Cuvée Ermitage angesiedelt, soll wohl etwas Schwung in den Laden bringen und insbesondere die junge Käuferschaft ansprechen. Denn der Wind wird rauher, auch und insbesondere für die Alteingesessenen Erzeuger wie Bock. Die Konkurrenz stärker und vielköpfiger. Ob das im Kleinen mit Bock&Roll gelingt? Ich wage zu behaupten: mit dem Etikett jedenfalls nicht, da muss auch und besonders im heutigen Ungarn schon mehr geboten werden. Da ist man auf halbem Wege und auf unprofessionell wirkende Weise stecken geblieben.

Doch zum Inhalt: ein Cuvée aus fünf Rebsorten: Pinot Noir (25%) und Syrah (15%) jeweils 6 Monate lang in kleinem bzw. frischem Eichenholz ausgebaut, der Rest, als da wären Kékfrankos (Blaufränksich bzw. Lemberger, 25%), Portugieser (20%) und Cabernet Franc (15%) wurden reduktiv ausgebaut. Mittleres Rubin, das leichte aber deutliche Tendenzen ins Bräunliche aufweist. In der Nase anfänglich kühl, zurückhaltend, vor allem von frischem Holz und geprägt, daneben eher nur andeutigsweise getrockenete dunkle Früchte, am ehesten lassen sich noch Zwetschgen konkret wahrnehmen. Dann auch am Gaumen kühl und zurückhaltend, sehr stark vom Holzeinsatz geprägt, der die Frucht deckelt. Die anfänglich überdeutlichen Gerbstoffe ziehen sich unter Luftzufuhr etwas zurück, das Holz beibt frisch und dominant, doch sanfter, geschmeidiger. der Wein ist insgesamt alles andere als komplex, immerhin kompakt, mittig, nicht breit, am ehesten sind Brombeeren und Schwarze Johannisbeeren wahrnehmbar, aber das Holz überdeckt doch alles, immerhin auch die 14% Vol. Man hat es also mit einem vom Holzausbau geprägten, ansonsten leider recht strukturlos daher kommenden Rotweincuvée zu tun. Soviel zum der Eindruck am ersten Abend.

Doch am zweiten ist die Holzdominaz schon etwas zurückgegangen, die Frucht bleibt zwar bedeckt, wirkt nicht frisch und saftig, wohl aber präsenter. Und auch am dritten Tag macht der Wein sich noch richtig gut, was ich nicht erwartet hätte. Für 2.390 Ft. also 8,50 EUR geht das dann auch. Natürlich bekommt man auch andere interessante Weine für dieses Geld, da muss man sich auch in Villány nicht weit umschauen. Aber er zeigt doch vermeintlich mehr Entwicklungspotential, als man aufgrund der ersten Eindrücke annehmen würde. Und man kann dies auch als gutes Beispiel heranziehen, wie schwer es manche Weine beim Verbraucher und auf Verkostungen haben, wenn ihnen nicht ausreichend Zeit gegeben wird.

Wein: Bock&Roll 2008
Weingut, Ort: Bock Pince, Villány
Rebsorte/n: Pinot Noir (25%), Syrah (15%), Kékfrankos (25%), Portugieser (20%) und Cabernet Franc (15%)
Alkoholgehalt: 14,0%
Preis: 8,50 EUR (2,390 Ft.)
Internet: bock.hu

P.S.: Auf das Thumbnail für die Startseite kommt meinereins, wenn er nach „Bock Roll“ googelt. Rockt meiner Meinung nach immerhin mehr, als das Etikett und Inhalt des hier beschriebenen Ansatzes.

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