Fortsetzung des von mir übersetzen und gekürzten Interviews mit István Szepsy im Infórádió vom 10. September 2010. Zum Teil 1 geht es hier, den zweiten teil findet man hier.

Wann werden Sie mit der internationalen Elite konkurrieren können? Wann wird ihr Betrieb soviel Umsatz machen, dass Sie anfangen können ein ausreichendes Budget für Marketing zu haben?

Wir müssen einen etwas anderen Weg gehen, als der Rest der Welt. Der Ungarische Weintrinker ist treu: wenn er die Qualitätsunterschiede kennt, und Wein mag, und wenn er an einem bestimmten Anbauort glaubt, der wird seinem ausgewählten Winzer treu bleiben. Gleichzeitig versuchen wir auch, im Ausland unsere Weine zu verkaufen, weil ein nachhaltiges Wachstum, mit Weinen im höheren Preissegment, ohne Export nicht möglich ist. Nur deshalb versuchen wir, ins Ausland zu gehen, ansonsten könnte der ungarische Markt alles aufnehmen.

Vor drei Jahren hätte ich mich nicht getraut, dies zu behaupten. Es gibt jedoch eine dünne Schicht der ungarischen Verbrauchern, die in der letzten Zeit sich enorm entwickelt hat, was das Wissen über Wein angeht, und die über genug Kaufkraft verfügt, die Top-Erzeuger am Leben zu halten. Aber um einen Schritt weiter gehen zu können, müssen wir uns als Marke im Ausland aufbauen. Dazu müssen wir zusammenhalten – und damit sind wir schon am wieder bei der Pannonischen Weinzunft angekommen. Es liegt im Interesse des ganzen Landes, dass wir da ein gutes Bild abgeben. Vom ungarischen Wein an sich ist es jedoch schwierig, ein einheitliches Bild zu vermitteln, weil die ungarischen Weine sehr vielfältig sind.

In einem Satz: Wie ist der ungarische Wein? Können wir einen Satz über ihn sagen?

Nein, das können wir nicht. Der ungarische Wein ist vielfältig, und ist in manchen Fällen sehr fein. Das heisst, sehr eigenartig, sehr tief, reich, komplex, balanciert und nuancenreich. Aber das ist zu viel. In Ungarn kommt die stärkste Botschaft vom Boden, er ist die wichtigste Kraftquelle.

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Also müssten wir einen Satz formulieren, der die ungarischen Weine beschreibt, im Zusammenhang mit dem Boden?  Das hört sich für eine angenehme Aufgabe an…

Ja, aber früher oder später werden wir ihn formulieren können, da bin ich mir sicher. Die vulkanische Aktivität im Karpatenbecken hat jedes Weinbaugebiet beeinflußt. Mehrere Tausend Vulkane verteilten hier Millionen von Jahren lang ihre Asche. Auch wo das vulkanische Gestein von den Ablagerungen des Pannonischen Meeres oder von Löss-sedimenten bedeckt wurde, ist die vulkanische Asche im Löss- oder Lehmboden noch immer vorhanden.

Wenn diese eine Botschaft formuliert wurde, wird es Geld geben, damit sie auch übermittelt werden kann?

Unser gemeinsames Geld reicht dafür bei Weitem nicht. Aber ich bin zuversichtlich, dass die Politik das Potenzial im Wirtschaftzweig „Wein“ erkennen wird. Wenn man so will, bieten wir der Politik ein Geschäft an. Sie soll die natürlichen Schätze des Landes, darunter die Weinproduktion, entdecken, darin verbirgt sich nämlich eine sehr ernste, sehr starke Botschaft. Wir möchten daran erinnern, dass Ungarn vor dem Zweiten Weltkrieg der drittgrößte Weinproduzent der Welt war. Damals gab es zwar noch keinen globalen Weltmarkt, aber manche unsere Weine waren an den Besten Adressen vertreten, in einer Gesellschaft mit den Spitzenweinen der Welt. Seit dem Zweiten Weltkrieg gingen nach und nach diese ungarischen Werte verloren.

Ich habe nur noch eine Frage zum Schluss, wenn man sie überhaupt beantworten kann. Wenn es eine qualitative Entwicklung beim Wein gibt, heißt das, dass man immer bessere und bessere Weine herstellen kann, richtig?

Ja, immer.

Wie fängt man in diesem Fall an, eine neue Qualität zu entwickeln, die es naturgemäß davor nicht gab?

Das muss man, kann man nicht aktiv entwickeln. Es ist eine Lebensform, dass man jeden Tag etwas zur gegeben Qualität hinzufügt, diktiert von der eigenen Erfahrung und vom eigenen immer steigenden Wissen. Die Natur gibt dann die nächste Ebene preis. Wie der alte Spruch es sagt: wer sucht, der findet.

Aber wie weiß man, was man sucht?

Wenn man es gefunden hat, weiß man es.

Und wie wird der Qualitätsunterschied wahrgenommen? Schmeckt man ihn?

Ja. Der Erzeuger entwickelt einen besonderen Sinn für Qualität, was ihn von jenen Erzeugern unterscheidet, die nicht diesen Weg gehen wollen. Es ist eine neue Ebene, es ist, wie wenn ein Sammler oder Forscher einen Edelstein oder eine Perle oder etwas anderes sucht, und weiß, dass er ihn noch nicht gefunden hat. Man sucht die Harmonie, die von den Kennern erkannt wird, so dass man gar keine zusätzliche Erklärung, kein Marketing braucht.

Denken Sie, dass die Kenner diese Harmonie genauso wahrnehmen, wie Sie?

Ja, ich bin mir sicher. Dinge hängen zusammen. Das Prinzip des Universums ist, dass nichts ohne Antwort bleiben kann. Die Austrahlung, die Schwingungen, kommen irgendwie zurück.

Kann man das in einem Glas Wein spüren?

Ja.

Bedeutet Qualität das Selbe für uns alle?

Es gibt eine Qualität in einem Glas Wein, die nicht analytisch beschrieben werden kann. Wenn jemand diese Qualität plötzlich schmeckt, wir der lächeln, die Welt dehnt sich für ihn aus, und er wird sagen: wie gut, dass ich bis jetzt gelebt habe, dass ich das erleben durfte.

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