Dass der 2008er enttäuschend sein soll, hatte ich vielfach gehört. Ich zögerte, war lustlos, entsprechend lange lag die Flasche bei mir zu Hause. Erst eine kurze Zwischenstation auf dem Weg nach Südwesten, in Vörcsöki, dem Herkunftsort des Furmint, rief ihn mir wieder ins Gedächtnis.

Ein schönes Beispiel, wie ein einstiger Überraschungserfolg dank (ehemals) in sich stimmigem Ansatz und vor allem gutem Preis-Leistungs-Verhältnis schnell diskreditierbar ist. Und zwar möglicherweise hausgemacht, selbstverschuldet. Der dritte Jahrgang des Furmint aus dem südungarischen Ort Vörcsöki, ganz an der Grenze zu Kroatien und Slowenien gelegen, schwächelt, und zwar mächtig. Im besten falle hätte man ihn so gar nicht auf den Markt bringen dürfen, dem Image der noch jungen „Marke“ tut er jedenfalls nicht gut.

Hier hat man es – kalt ökonomisch ausgedrückt – mit einem Performance-Verlust zu tun, der schlichtweg schade ist und wo man nur hoffen kann, dass Mutter Natur dem aus eben ihr stammenden Produkt in 2009ff wieder eine bessere Grundlage und also echte Chancen auf eine Fortsetzung der Erfolgsstory bietet. Also dass es eher an Mutter Natur lag und nicht an menschlichem Unvermögen, etwa verschuldet durch zu viel Arbeit (neben den eigenen Aktivitäten der drei Winzerfreunde von Kerkaborum haben sie ja auch noch einen Hárslevelű auf den Markt gebracht), Zweifel bleiben jedenfalls.

Wo der 2006er Jahrgang noch so richtig zu gefallen wusste und der 2007er von eben jenem auch nicht weit entfernt war, zeichnet sich durch 2008er durch eine Eindimensionalität aus, die es in sich hat: Säure. So viel, dass mein Magen rebellierte und sich nicht anders zu helfen wusste, als auf die vermeintliche Kriegserklärung mit Sodbrennen zu reagieren. Die nüchteren technische Angaben bringen einen auch nicht immer weiter: 6,1 g/l Säure konkurrieren unter anderem mit 1,9 g/l Restzucker. Viel mehr bleibt mir nicht zu schreiben. Alle anderen Eindrücke wurden mehr oder minder im Säurebad ersoffen. Der Wein wirkte anosnten karft- und lustlos, uninspiriert, hatte in der Nase Aromen von Mandarinen, grünen Äpfeln und Blättern, war Goldgelb im Glas und am Gaumen fanden sich noch Spuren von unreifen Äpfeln.

Wein: Vörcsöki Furmint 2008
Weingut, Ort: Kerkaborum, Muraszemenye
Rebsorte/n: Furmint
Alkoholgehalt: 13,5% vol.
Preis: 6,00 EUR (1.720 Ft)
Internet: kerkaborum.hu

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