Nach dem Einstiegsartikel und den Anmerkungen zu den trockenen Lagenweinen zu guter letzt noch Notizen zu drei Süßweinen von Zoltán Demeter. Ein Resümee bzw. einige weitere Anmerkunegn werde ich hoffentlich im Laufe der Woche noch schreiben können.

Főbor 2007

80% Furmint und 20% Hárslevelű machen diesen „Hauptwein“, so die wortwörtliche Übersetzung, aus. Der Nicht-Aszú ist, wenn man so will, der Einstiegs-Dessertwein. Entsprechend offenherzig gibt er sich, vom ersten Augenblick an präsent, zugänglich, trotz seiner Jugend. Eine warme, volle, fast ungestüme Frucht in der Nase aus eingemachten dunkelgelben Früchten und geröstetem Zucker, zudem mit einer rauchigen Mineralität. Am Gaumen mit feinem, fast aufdringlichem Schmelz und frischen, sehr jugendlich spritzigen Säuren. Schöne Aromen von Ingwer, Apfelschalen und Lindenblüten. Etwas einfach, weder breit noch tief noch komplex strukturiert, genau deshalb zugänglich aber eben kein filigraner Süßwein. Mal sehen, wohin die Entwicklung führt.

Beim Thema Flaschenverschluss hat sich Zoltán demeter noch nicht entscheiden können. So arbeitet er derzeit mit Naturkork, Glas – und auch diesem Kunststoffkorken, der aus drei Komponenten besteht.

Anett Bora 2008

Der Wein von Anett, Der Freundin Zoltán Demeters. Ein reinsortiger Gelber Muskateller mit 197 g/l Restzucker und allein damit über dem gesetzlich vorgeschriebenen Aszú-Standard von 160-180 g/l liegend. Nun ist Gelber Muskateller zumindest für mich nicht unbedingt bekannt dafür, wirklich feine Weinchen hervorzubringen – sondern zumeist eher leicht verständliche, zugängliche, einfacher gestrickte schöne, aromatische Tropfen. Ganz anders verhält es sich mit dem Wein von Anett. In der Nase sehr eindeutig getrocknete Aprikosen. Am Gaumen mit einem wunderbar balancierten Säure-Frucht-Süße-Spiel, filigran zugeschnitten, nicht zu süß, mit herrlich frischer Frucht aus überreifen Aprikosen und Pfirsichen und klaren, absolut transparenten Säuren. Gute Länge, ganz am Anfang aber auch schon wunderschön zu trinken.

Aszú 2003

Ein 6-puttiger, wobei Zoltán am liebsten die traditionellen Abstufungen nach Putten fallen lassen würde. Wenn er einen Aszú macht, entspricht er ohnehin automatisch einem 6-Pütter. 2003 war ein sehr guter Jahrgang für Aszús, mit einem warmen, nicht zu heißen Sommer und einem feuchten Herbst. 250 g/l Restzucker. Herrlich leuchtender Bernstein im Glas, dicht und langsam schlierend. In der warmen Nase Nougat, Türkischer Honig, Zwetschgen und einer ganz subtilen, kaum wahrnehmbaren salzig-rauchigen Note. Am Gaumen mit herrlich dichtem, konzentriertem, in die Breite drängendem Schmelz, einer frischen, wie gestern vollreif geernteten Frucht aus Aprikosen, daneben deutliche Karamelltöne, sehr vitale, zupackende, glasklare, leicht herb-metallische Säuren. Ein Traum – den es nicht mehr zu kaufen gibt.

Man bedankt sich still bei Zoltán, wohl wissend, dass das einer der Momente war, die – wenn überhaupt – nicht so schnell wiederkommen. Man empfindet Demut, gegenüber dem Winzer der in Gestalt eines schaffenden Künstlers da neben einem sitzt. Und gegenüber der Natur, die so etwas Schönes, einzigartiges vollbringen kann. Und nachdem man sich verabschiedet hat und noch einen kurzen Spaziergang in den Gassen von Tokaj macht, schmeckt man, eine halbe Stunde nach dem letzten kleinen Schluck, immer noch ein wenig Fruchtsüße und Säure auf der Zunge.

Eine Reaktion

  1. Vielen Dank fuer die schoene Artikelreihe ueber einen der besten wine maker in Tokaj. Ich hatte das Vergnuegen, drei von Zoltan’s tollen Weinen in Californien verkaufen zu duerfen. Wir haben Tokaj auch kuerzlich besucht und wurden von seiner oben genannten Freunding Anett zu einer umfassenden Verkostung eingeladen. Ein einmaliges Ereignis, wie es auch aus Ihren Notizen hervorgeht. Tatsechlich sehr empfehlenswert.

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