Wie gestern beim Einleitungsartikel angekündigt, hier meine Eindrücke zu den trocken ausgebauten Lagenweinen von Zoltán Demeter.

Őszhegy 2008

Der erste Gelbe Muskateller aus der Lage Őszhegy beim Ort Mád, von 20-23 Jahre alten Rebstöcken, trocken ausgebaut. In der Nase kühles Rosenwasser, Veilchen, Zitrusfrüchte. Am Gaumen anfangs frisch und jung, leicht, fast spielerisch tänzelnd dank feingliedriger Säuren und einer wunderbar sanften, klaren Frucht aus grüngelben Birnen. Nach einiger Zeit gesellen sich kräftigere, mineralischere Töne hinzu, die noch etwas uneingebunden wirken. Gibt sich gewiss mit der Zeit.

Lapis 2008

Der trockene Furmint aus der Südlage Lapis ist mit 14,5% Vol. wahrlich kein Leichtgewicht. Ende Oktober geerntet, mit Reinzuchthefen vergoren, in Holzfässern gereift, was man ihm aber quasi nicht anmerkt. Der kräftigste, breiteste, voluminöseste trockene Wein Zoltáns. Und dennoch: alles ist eingebunden, sauber integriert, in sich stimmig. Der Alkohol verleiht ihm zwar Volumen, ragt aber nicht heraus, die Balance stimmt. Leicht warme, von mineralischen Noten begleitete gelbe Frucht in der Nase, insgesamt aber noch ziemlich verschlossen. Am Gaumen ausgesprochen elegant: feine, noch sehr zurückhaltende Frucht von gelben Birnen, grünen Äpfeln und Quitten. Eine ungemein klare, sauber herausgearbeitete Säurestruktur, daneben eine ebenso reine mineralische Linie, die sich von Anfang bis Ende konstant durchzieht. Noch ganz am Anfang stehend, wunderbares Potential.

Szerelmi 2008

Der trocken ausgebaute Hárslevelű von Zoltán Demeter aus der mit Löss unterlegten Szerelmi. Spontan vergoren, rund 7 Gramm Restzucker. Schon etwas weiter in der Entwicklung wie der Lapis, aber auch er noch jung. Sehr runde Struktur, wunderbar reine, genau richtig dosierte Säuren neben einer etwas voller, breiter angelegten Frucht aus gelben Birnen und Äpfeln. Eine würzige, griffige und doch kühlende Mineralität, die gegen Ende mehr Raum greift. Vielleicht der schönste Hárs, den das Tokaj des 2008 zu bieten hat.

Kakas 2008

Und wieder ein Furmint, nun aus der Lage Kakas. Wenn man so will der schlankere, fruchtbetontere, leichter zugängliche Bruder des Lapis. In der deutlich wärmeren, offeneren Nase dunkelgelbe Frucht und Grastöne, auch leicht würzige, mineralisch-steinerne Spuren. Am Gaumen offener, mit ausgesprochen traubigem Angang, ohne jedoch plump zu wirken. Nur eben noch auch noch jung. Leicht cremig texturiert, die Mineralität steht eher wieder etwas im Hintergrund, die Säuren einmal mehr glasklar und rund. Mein persönlicher Liebling des Nachmittags.

Veres 2009

Ich gebe ab hier nicht die Verkostungsreihenfolge wieder. Denn den Furmint aus der Lage Veres westlich vom Ort Mád kredenzte Zoltán einem nach dem 6-puttigen Aszú (!) und also nach dem dritten Dessertwein – und dieser bewährte sich ohne jeglichen Tadel. Reduktiv ausgebaut, in der Nase wohl am schwierigsten nach dem Aszú, mit einer kühlen Mineralität, gelben Frucht und Spuren von Sommerwiese. Am Gaumen durchweg mit einer schönen, stoffigen Frucht, die Säuren und steinig-mineralischen Töne in einer aufsteigenden Wahrnehmungskurve, dazu gesellen sich feinste Noten von kandiertem Zucker. Robust wirkend und dabei dennoch elegant bleibend.

Morgen dann noch zu den Edelsüßen…

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