Es ist eine halbe Ewigkeit her, nämlich eineinhalb Monate, als ich in Tokaj bei Zoltán Demeter zu Besuch war. Genau genommen war es am 1. Juni. Und eigentlich hatte mich dagegen entschieden, über meine Eindrücke zu schreiben. Weil es einerseits auch mal gut tut, einfach da zu sein, zu genießen – und zu schweigen. Und weil Zoltán Demeter genau für das steht, was die Welt „da draußen“ nicht wahrnimmt, nicht wahrnehmen möchte, kann, will, ich weiß es nicht. Denn er steht für exzellente Weißweine, trocken wie edelsüß, die ihresgleichen in der ganzen Weinwelt suchen. Das gibt es nirgendwo sonst, nicht einmal annähernd. Das ist, um es einmal schrecklich wirtschaftstechnisch auszudrücken, eine echte USP.

Zoltán Demeter hat über die letzten Jahre hinweg einen klaren Stil entwickelt, der sich von anderen Spitzenerzeugern aus dem Tokaj unterscheidet. Seine Weine sprechen für sich. Wer sie einmal erleben durfte und etwas von Wein versteht, dem dämmert spätestens beim ersten Schluck, was Tokaj zu bieten hat: wunderbare Weine aus autochthonen Rebsorten von einzigartigen Terroirs. Sie sind scharf geschliffen, geprägt von in der Jugend teils hart wirkenden Säuren, einer klaren Mineralität und fest gewirkt. Doch sie sind nicht alle leicht zugänglich, das gilt erst recht für die trockenen Spitzenweine. Und damit wären wir auch beim Grundproblem, über das ich an dieser Stelle nach schier ewig langem Schweigen doch auch endlich mal schreiben muss. Schreiben, um etwas Luft abzulassen. Wer sie nach außen vertritt kann sicher sein, dass ein Experte sofort bemerkt, was er da im Glas hat: etwas besonderes. Nicht ohne Grund verkauft

„Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ – Eigenständige doppelte Kreuzdarstellung im Zoltán Demeters Weinbehandlungsraum.

Zoltán seine Weine u.a. an Kenner in Großbritannien, den USA. Doch wenn sie in falsche Hände gelangen, sei es in jene, unfähiger Weinhändler, oder in jene von Käufern, ohne begleitet, ohne erklärt zu werden, dann können sie missliche Eindrücke hinterlassen. Denn sie sind so komplex, wie schwer verständlich, sind so filigran, wie lange verschlossen, können bisweilen gar harsch abweisend wirken. Kurzum: sie sind nichts für Anfänger. Ich sage das ohne jegliche Arroganz. Mag sein, dass manch einer mir diese nun unterstellen mag. Aber das ist in der trockenen Spitze nichts für den Massenmarkt, und das kann es auch nicht sein.

Man redet von wirklicher, echter, extremer Ertragsreduktion. Von Minimalerträgen, die am Ende zu zwei-drei Trauben pro Stock führen und Teil eines klaren Konzeptes sind. Zoltán Demeter weiß ganz, ganz genau was er will. Er hat über die Jahre gelernt, die Böden und die Rebstöcke die darauf stehen, zu lesen. Er versteht sie, weiß, wie er mit ihnen umzugehen hat, welche Pflege sie verlangen, um optimale reife Trauben zu bringen.  Er bewirtschaftet sieben Hektar in sieben Lagen, kommt aber vielfach nur auf 500 bis ein 1.500 Flaschen seiner Lagenweine. Er hat eine klare Vorstellung und dementsprechend tragen seine Produkte tragen eben diese, seine Handschrift. Denn er weiß auch sehr wohl, dass es am Ende doch „nur“ Produkte sind. Gleichzeitig vergisst er nicht, sie entsprechend zu überhöhen. Self-made Marketing, das nicht unprofessionell daher kommt, sondern durch die schiere Qualität auf einem derart festen Sockel ruht, dass man es als gelungen und stimmig wahrnimmt. Die Gestaltung der Etiketten spricht für sich, an einer eigenen Homepage arbeitet bzw. lässt der Perfektionist Zoltán Demeter seit langem arbeiten – ohne bislang zu einem für ihn befriedigenden Ergebnis gekommen zu sein. Dann lieber nur eine statische Seite mit den Kontaktinformationen, als etwas halbgares, nicht zufriedenstellendes. Entsprechend steht inzwischen ein klares Konzept, mit einem „einfachen“, erschwinglichen trockenen Einstiegswein, dem Gutswein, der sein Pendant im Főbor hat, einer unter dem Aszú angesiedelten edelsüßen Leckerei hat. Trockene Lagenweine aus Furmint, Hárslevelű und seit neuestem auch Sárgamuskotály, ein gelber Muskateller – jeweils nach ihrer Lage benannt. Daneben erlaubt sich Zoltán dann noch so sympathische wie feine Spielereien wie den Anett Bora, den „Wein von Anett“, einem edelsüßen Muskateller, der nach seiner Freundin benannt ist.

Birtokbor 2008

Der Wein für den Einstieg in die Welt von Zoltán Demeter, zum einfachen erklären, so er selbst. Weshalb er vielfach auch in Restaurants zum Zuge kommt. Ein Blend aus drei Terroirs, aus den Lagen Veres, Lapis und Újhegy. Ein sich ungemein über klare, reife Frucht definierender, halbtrockener Furmint. In der Nase kühle Frucht aus grünen und gelben Äpfeln. Am Gaumen auch mit diesen sortentypischen Apfelaromen, schön saftig, klar, der Restzucker ergänzt die feinen, tanzenden Säuren, fein schmelzend, ganz leichter mineralischer Touch, gut verständlich, offen, freundlich. Fein.

Morgen dann zu den Lagenweinen…

Die magische Szenerie einer umfunktionierten, ehemaligen Backstube. Während Zoltán den Pressvorgang überwacht, findet sich genügend Zeit und Ruhe auf dem Sofa, Gedanken nachzugehen oder zu lesen.

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  1.  Zu Gast bei Zoltán Demeter, Tokaj – Teil II. Seine Lagenweine. | BorWerk - Das Blog über ungarische Weine
  2.  Zu Gast bei Zoltan Demeter, Tokaj – Teil III. Seine edelsüßen Weine. | BorWerk - Das Blog über ungarische Weine

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