Heumann - Chardonnay 2008Nach dem Bernstein von Hummel der zweite Weißwein aus Villany-Siklos aus 2008, vom deutsch-schweizer Ehepaar Heumann. Nun ein Chardonnay, der klassischerweise in Barrique ausgebaut wurde. Das riecht man und schmeckt man auch. Ebenso schmeckt man aber auch den entschieden zu hohen Ahlkoholgehalt. 15% Vol.! Strohgelb im Glas, in der Nase Bananen, viel Vanille, erinnert u.a. an Krémturó, einer klassischen ungarischen Quarkspeise mit Vanille aus dem Kühlregal, Karamell, leicht florale Töne. Am Gaumen dann kraftlos wirkend, mit schwachem Körper, schwach ausgeprägter Frucht aus Ananas und gedämpften Äpfeln, die Säuren stehen im Hintergund, dafür drängt sich der Alkohol mit jeder Millisekunde mehr in den Vordegrund, überlagert alles bis hin zum würzigen, fast brennenden Abgang. Das Kurzresümee nach den Basisdaten zum Wein…

Wein: Chardonnay 2008
Weingut, Ort: Heumann, Siklós
Rebsorte/n: Chardonnay
Alkoholgehalt: 15,0% Vol.
Preis: 7,50 EUR
Internet: heumannwines.com

Nach diesen zwei Erfahrungen – und ich muss mehr als deutlich betonen, dass ich noch spielend leicht andere Beispiele präsentieren könnte bzw. an andere Stelle dies schon getan habe –  wäre es schön, wenn man sich in Villány auf Rotwein konzentrieren würde. Man tut sich selbst und dem geneigten Weinfreund einfach keinen gefallen. Oder baut man in Tokaj auch krampfhaft Rotweine aus? (OK, mir ist dunkel bekannt, dass Szepsy sich mit Blaufränkisch versucht und ausgezeichnete Ergebnisse erzielt haben soll). Man kann beim besten Willen keinen Gefallen an den viel zu hohen Alkoholgraden haben. Zumindest nicht, wenn sie nicht durch eine kräftige Eigenstruktur, hohen Extrakten im Zaum gehalte werden. Dafür gibt es, der Erderwärmung sei dank, inzwischen auch in Deutschland schon schöne Beispiele, u.a. von Clemens Busch, denen man die 13,5-14% Vol. nicht anmerkt. Das gilt auch für einige Top-Tokajer, wie etwa die trockenen Furmint von Homonna Attila oder Demeter Zoltán. A propos Deutschland: immerhin genoss ich umso bewusster einen deutschen Riesling, der zwar nur 11% Vol hatte, dafür aber in jeglicher Hinsicht alles, was einen guten Weißwein ausmacht.

2 Antworten

  1. Hallo

    Ich habe die beiden letzten Einträge zu Horst Hummel und zu unserem 2008er Chardonnay Heumann mit Interesse gelesen. Ich habe ein gewisses Verständnis für die Meinung von Peter Klingler, möchte aber trotzdem gewisse Aussagen zu unserem Chardonnay aber auch generell zur weisswein-tauglichkeit der Region nicht unkommentiert lassen. Ich gehe mit Peter Klingler insofern einig, als unser Chardonnay mit 15% an der oberen Alkoholgrenze liegt und möchte betonen, dass auch wir Weissweine mit tieferem Alkoholgehalt anstreben. Nichtsdestotrotz gibt es viele Kunden, welche den 2008er sehr schätzen. Dabei kommt es darauf an, ob man den Wein alleine trinkt oder zum Essen. Als Aperitif ist dieser Wein sicherlich sub-optimal. Aber zu Huhn, Curries aber auch zu einem Schweinebraten passt dieser Chardonnay hervorragend. Eine Erkenntnis, welche ich gerne weitergebe, ist die, dass der Wein gewinnt, wenn er dekantiert wird. Interessanterweise tritt dann der ursprüngliche alkoholische Ton ganz in den Hintergrund. Vielleicht mal ausprobieren.

    Dass es in der Region Villany möglich ist, auch Weissweine tieferem Alkoholgehalt zu erzeugen, zeigt unser 2009er Chardonnay – im Stahltank ausgebaut – mit 13.8% Alkohol. Dies, obwohl 2009 noch heisser war als 2008. Der Wein ist fruchtig, die Säure wunderbar integriert und verströmt einem Duft nach Äpfeln und schwarzen Johannisbeeren. Auch dieser Wein ist gehaltvoll, aber trotzdem elegant. Ich bin auf den Kommentar zu diesem Chardonnay gespannt.

    Generell lässt sich sicherlich festhalten, dass Villany-Siklos eher ein Rotweinanbaugebiet ist. Man sollte aber nicht vergessen, dass gerade Siklos früher immer als Weissweingebiet gegolten hat. Dies hängt vermutlich damit zusammen, dass der Kalkanteil im Boden höher ist, was wiederum die Säure im Wein erhöht. Die Weine werden immer gehaltvoller sein, als zum Beispiel die Weissweise aus nördlicheren Gebieten. Man vergleiche nur die filigranen Rieslinge der Mosel mit den gehaltvollen aus der Pfalz resp. aus der Wachau. Beide Richtungen habe ihre Berechtigung und ihren Kundenkreis – warum sollte dies nicht auch für Weissweine aus Villany-Siklos gelten?

    Freundliche Grüsse

    Erhard Heumann
    Weingut Heumann
    H-7800 Siklos

    • Danke für den ausführlichen Kommentar, auf den ich auch gerne nochmals reagieren möchte. Ich haben den Chardonnay über drei Abende weg probiert. Das mache ich mit fast allen Weinen so, da es grundsätzlich interessant ist, wie sie sich mit Luftkontakt entwickeln. Davon profitieren insbesondere fast alle Weine von Herrn Hummel. Nur wenn ich schon im Voraus weiß, dass dekantieren zwingend notwendig ist, mache ich das von Beginn an. Und selbst dann gönne ich mir einen ersten Eindruck „direkt aus der Flasche“. Der Chardonnay hat meiner Meinung nach nicht wirklich gewonnen, die Wahrnehmung des Alkohols ging in der Tat zurück, aber leider verlor er auch an Frucht.

      Den 2009er werde ich beizeiten gerne probieren und bin gespannt, wie sich der zeigt. Grundsätzlich muss ich aus betonen, dass ich über die schönen Rotweine der Heumanns nicht geschrieben hatte, nachdem ich sie einmal besucht habe. Das ist definitiv ihre Stärke, da kommt der Chardonnay nicht ansatzweise heran. Dabei bleibe ich auch. Natürlich stimmt es, dass man einen solchen Chardonnay nicht solitär trinken darf und er sicherlich manch asiatisches Gericht oder auch eine deftigere deutsche Speise gut begleiten kann. Für mich sollte sich ein Wein aber nicht krampfhaft an deftigem oder stark gewürztem Essen abstützen müssen – bzw. einfach ausreichend ausbalanciert sein, um im Zweifelsfall auch mal nur mit einem Stück Brot Spaß zu machen.

      Auch muss ich ganz klar sagen, dass was ich bisweilen und in jüngster Vergangenheit (demnächst kommen hierzu einige Einträge) aus Tokaj versuchen konnte, ist Welten, ich wiederhole: Welten von dem entfernt, was an Weißweinen in Villány oder auch Siklós – Vergangenheit hin oder her – vorhanden ist. Und das wird immer, wirklich immer so sein. Das macht ja auch nichts, man verlangt ja auch nicht von einem Wasserballer, dass er im trockenen über genauso viel Ballbeherrschung verfügt wie in seinem Element. Ungarn soll als Weinland erster Güte international bekannt werden – und da tragen trockene Weiß- und edelsüße Weine aus Tokaj ganz eindeutig mehr bei, als aus Villány-Siklós. Und da hinkt meiner Meinung nach auch der Parallel-Vergleich zwischen Pfalz und Mosel sehr. Es stimmt zwar, dass die Mosel filigranere Rieslinge hervorbringt als die Pfalz, letztere aber dennoch mit teils absolut erstklassigen Rieslingen aufwarten kann, die weltweit Ihre Anerkennung haben. Und für mich, das mag jetzt ganz subjektiv sein, ist die Pfalz zuallererst auch Riesling-Land. Nochmals: ich hätte ja gar nichts dagegen, wenn es wirklich schöne Weißweine aus Villány-Siklós gäbe, um Gottes Willen, nein! Nur kann ich nicht daran glauben, dass mehr als einige Achtungserfolge möglich sind. Dagegen sprechen meine bisherigen Eindrücke und kurz- bis mittelfristig müsste da schon einiges geschehen, auf dass sich das ändert. Bitte, liebe Heumanns, versteht das also gerne auch als Aufforderung, mir das Gegenteil zu beweisen. Ich lasse mich da gerne eines Besseren belehren und denke bzw. hoffe zumindest, grundsätzlich offen genug zu sein. Aber vergesst dabei nicht, bei Euren Roten jedes Jahr noch ein wenig besser zu werden, als ihr jetzt schon seid. Das würde mich am meisten freuen.

      Peter Klingler

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  1.  Orban 01 und 02: Kötenger Chardonnay und Kerekesdomb Szürkebarat 2009, Orban Pince, Balaton-Oberland - BorWerk – Das Blog über ungarische Weine

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