Mit einem hochwasserbedingten Tag Verspätung – erst Keller auspumpen, dann leer räumen, dann schreiben – die Vorsetzung der Notizen vom Besuch bei József Szentesi, nun also mit den Rotweinen:

Csóka 2009 (Fassprobe)

Die nächste autochthone Rebsorte, die erste Rote, die aber im Vergleich zu anderen in den letzten zwei-drei Jahren ein kleines, sagen wir zumindest in Kennerkreisen wahrnehmbares Comeback in Ungarn gefeiert hat. Alles steht noch ganz am Anfang. Ich hatte bereits den 2007er Jahrgang und auch von Vylyan einmal eine Halbliterflasche verkosten können. Die Traube ist nach den Starenvögeln benannt, ihre Weine bekannt für ihre intensive, dunkle Farbe. Entsprechend tiefpupurfaben im Glas. Intensive, reife Frucht von Brombeeren und Holunder in der Nase, daneben leicht kräuterig, fein warm-holzige Note. Auch am Gaumen mit ungemein reifer, schon jetzt schön entwickelter Frucht, erneut Brombeeren und Holunder, saftig texturiert, mit matten Gerbsäuren. Mittlerer Abgang. Einmal mehr nur in sehr geringen vorhanden. Noch nicht für den Verkauf bestimmt, weitere Pflanzungen sind aber fest geplant. Wirklich sehr eigenständig.

Pinot Noir 2009 (Fassprobe)

Für Pinots im Glas außergewöhnlich dunkel und dicht, rubinrot leuchtend. Intensive Nase aus schwarzen Früchten, Brombeeren und schwarze Kirschen, feines Holz und Laub.  Am Gaumen schon jetzt schön entwickelt, kräftig, dicht gewoben, wobei die Frucht aus schwarzen getrocknetem Zwetschgenkompott noch verhalten ist, das Holz und die Säuren im Vordergrund stehen. Mittlerer bis langer Abgang. Eigenständiger Pinot, wird interessant sein ihn in einigen Monaten wieder verkosten zu können.

Kadarka 2009 (Fassprobe)

Noch dunkler im Glas als der für seine Sorten-Verhältnisse ohnehin schon dunkle Pinot. József verriet anfangs die Sorten nicht, ließ mich raten – aber auf die sonst recht blasse Rotweine ergebende Kadarka wäre ich nie gekommen. Denn auch in der Nase und am Gaumen alles anderes als typisch: keine Erbeer-/Himbeeraromen, sondern Waldbeeren, ok, die klassische Würze ist gegeben, ansonsten vergleichsweise dicht, konzentriert, Laub, Leder, warm, ziemlich lang.

„Budai Cuvée 2009“

Von Hand im Glas „assembliert“: das traditionelle, heutzutage nicht mehr erhältliche Rotweincuvée von Buda, aus 2/3 Kadarka und 1/3 Csóka. Hier hat man es mit einer Minderheitsregierung zu tun, geduldet oder ertragen vom Kadarka. Dessen außergewöhnliche Konzentration genügt nicht, um gegen die Kraft der Csóka anzukommen. stark adstringierend, dicht, Zwetschgenkompott, Holz, wieder einmal leder und Laub. Interessant. Irgendwann wird es am Markt zur Renaissance des Budai Cuvée kommen – eben wenn Szentesi ausreichend traubenmaterial haben sollte. Das dauert (leider) noch.

Kékfrankos 2009 (Fassprobe)

Es folgte ein Blaufränkisch, mit mittlerem Purpur im Glas, typischen Sauerkirschen in der Nase. Am Gaumen sehr kompakt, nicht allzu breit, mit zurückhaltender Frucht, die Säuren sind recht ausgeprägt, sprechen aber erst gegen Ende an, feine Gerbstoffe. Mittlerer Abgang.

Laska 2009 (Glasballonprobe)

Und wieder eine der autochthonen Rebsorten, die man kaum oder eher gar nicht kennt. Auf der Suche nach Informationen im Web stößt man auf nicht allzu viel, eher auf Abwege: im Tschechischen bedeutet láska „Liebe, Zuneigung“, was möglicherweise sogar hinter dem Rebsortennamen stehen könnte. Doch genug spekuliert. ein sehr Fruchtiger Wein, in der Nase und am Gaumen mit Erdbeeren und Brombeeren aufwartend, auch Zwetschgen und Schoko-Töne neben feinen Gerbstoffen und soliden, klaren Säuren. Der Charakteristik nach irgendwo zwischen Kadarka und Pinot Noir anzusiedeln.

Merlot 2009 (Fassprobe)

Auch die internationale Rebsorte findet hier eine andere, untypische Interpretation: mineralisch, Gerbstoffreich, fast etwas kantig wirkend, in jedem Fall aber dicht, konzentriert, mit noch sehr zurückhaltender Frucht. Mittlerer Abgang. Noch sehr jung.

Velence Cuvée 2009 (Fassprobe)

35% Cabernet Sauvignon, 35% Cabernet Franc, 30% Merlot. Teerig, erdig wirkend, in der Nase und auch am Gaumen, mit teifschwarzer, sich noch wenig zugänglich zeigender Frucht. In der Nase auch leicht medizinische Anklänge, am Gaumen mit recht kräftigen Säuren und ordentlichen, noch vor jugendlichem Leichtsinn strotzenden, ungebändigt wirkenden Gerbstoffen. Mittlerer bis langer Abgang. Deutet aber sein Potential an, wird es auch nur sehr limitiert quasi ab Keller geben.

Morgen dann noch die Notizen zu vier Flaschenproben…

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