József Szentesi (hatte meine Kamera zu Hause vergessen, Copyright alkoholista.blog.hu)

Jószef Szentesi ist einer von den Guten. Einer von denen, die es gut meinen, ehrlich sind, freundlich, offen, traditionsbewusst ohne rückwärtsgewandt zu sein. Seine Offenheit hat ihn letztlich doch zum Wein zurück gebracht, zum Weinbau genauer gesagt.

Anfang der 1990er, als er noch seinem Vater in den Weinbergen bei Nadap, nahe des Velencer Sees half, schwor er sich, dass er mit der beschwerlichen Arbeit in den Reben nichts mehr zu tun haben möchte. Dann die Kehrtwende, 1998, doch weiter machen. Das Handwerk lernen, bei anderen abgeschaut, nachgefragt, selbst ausprobiert, stetig verbessert. Alles ist nur ein Hobby, aber eines, das József ernst nimmt. Dafür spricht die Qualität seiner Weine. Zum nötigen Ernst gesellte sich alsbald eine Aufgabe, oder gar Mission. Er widmete seine Aufmerksamkeit den alten, autochthonen Rebsorten. Einige erleben derzeit ein Revival, wie etwa Kadarka. Andere fristen ein Randdasein, wie beispielsweise Zengő. Und dann gibt es da noch einige Namen, von denen man höchstens mal am Rande etwas gehört hat, sie aber nie im Glas hatte, geschweige denn damit rechnen konnte, dass dies jemals der Fall sein würde: wie etwa Vörösdinka oder Laska. Ihnen widmet József Szentesi zunehmend viel Zeit, seine unternehmerischen Tätigkeiten laufen scheinbar gut nebenher. So arbeitet er behutsam an der Wiederbelebung einer traditioneller Weine, etwa dem Budai Cuvée aus Kadarka und Csóka.  Alles bislang in homöopatischen Dosen, so wird aus Fassproben Glasballonproben. Was vom kostbaren Gut im Glas zurück geblieben ist wird anschließend wieder zurückgegossen in die Ballons. Zum Verkauf langt es da noch lange nicht. Umso spannender war es, doch einmal alles probieren zu dürfen. Ach ja: ganz nebenbei macht József den derzeit wohl schönsten echten Riesling Ungarns.

Die Notizen zu den Fass- bzw. Glasballonproben:

Cuvée Weiss aka A Cuvée 2009 (Fassprobe)

… aus Grünem Veltliner, Zengő, Olaszrizling (Welschriesling) und Grauburgunder. Noch sehr frisch, traubig-mostig in der Nase und am Gaumen, leicht florale, grünliche Nase. Warm, ganz feine Kräuteraromatik, gleichzeitig sanft schmelzig, sanfte klare Säuren, daneben etwa spürbare Restsüße. Schlank, in sich rund, noch jung aber durchaus zugänglich, einfach.

Ezerjó 2009 (Fassprobe)

Ezerjó, Tausendgut, eine autochthone Rebsorte, für die das kleine, insgesamt unbedeutende Weingebiet Mór bekannt ist, das rund 25km westnordwestlich von Szentesis Weinbergen, also vom Örtchen Nadap bzw. dem Velencer See entfernt liegt. Ausgesprochen mild, sanft, weich, v.a. da ansonsten für recht kräftige Säuren bekannt. Kühle gelbe Frucht in der Nase, am Gaumen leicht steinig-mineralisch, gegen Ende hin vegetabile Töne. Benötigt noch Zeit.

Rajnai Rizling 2009 (Fassprobe)

Der einfache Riesling, nach zwei Jahren mit halbtrockenem Ausbau nun gänzlich trocken. Anfangs leicht faulige Töne, unsauber, dann Pfirsicharomen in der Nase. Am Gaumen mit feinen Säuren und zartem Schmelz, weich, recht verschlossene, schwer greifbare Frucht. Wirkt nicht nur absolut Riesling-untypisch, sondern gar fehlerhaft. Muss man sehen, ob das ein Übergangsphänomen ist, wie er sich noch entwickelt.

Rajnai Rizling Bátyus 2009 (Fassprobe)

Die trockene Riesling Spät- oder gar Auslese, wenn man so will, wofür gerade mal noch 0,4-0,5l Ertrag pro Stock bleiben. Noch sehr kühle, distanzierte, leicht grünlich-gelbe Frucht. am Gaumen sehr klar, Äpfel und Birnen, reine Säuren mit recht kräftiger Mineralität, schon jetzt rund, in sich stimmig. Schön.

Zengő 2009 (Fassprobe)

Die zweite autochthone weiße Rebsorte des Vormittags, eine Kreuzung aus Ezerjó x Bouvier. Kühle, florale Nase, Honig, grünliche Töne. Am Gaumen unreife Birnen und Quitten, kräftige Säuren und zum Ende hin spürbarer Mineralität. Robust, kantig, ohne anzuecken. Wie immer interessant.

Vörösdinka 2009 (Probe aus Glasballon)

Und gleich die dritte autochthone, reinsortig ausgebaute Rebe, die ich bislang noch bnie kosten konnte. Hier schon nur noch in homöopathischen Dosen von Szentesi zu Testzwecken erzeugt, aus einem Glasballon stammend. Schöne, fruchtig-tropisch anmutende Nase mit daneben etwas beißenden Aromen. Banane, Birne und halbreife gelbe Äpfel, ausgewogene Säure, mittlerer Körper mit leichtem Schmelz dank etwas Restzucker. Schön. Interessant.

Zöld Veltelini 2009 (Fassprobe)

Ein Grüner Veltliner, der 4 Tage auf der Maische blieb. In der Nase traubig, Honigmelonen. Am Gaumen mit gelben Fruchtschnitzen, saftig, nicht zu starken Säuren und matter grüner Würzigkeit. Nicht sortentypisch aber genau deshalb spannend.

Morgen dann zu den Roten…

Trackbacks/Pingbacks

  1.  Zu Gast bei Szentesi Jozsef in Budaörs: einzigartige Querverkostung autochthoner Rebsorten, Teil II: Csoka, Kadarka, Laska und Co. | BorWerk - Das Blog über ungarische Weine

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