Miklóscsabi, Haramia 2007

„Der Dichter, der Dichter,
der kriegt was auf die Lichter.“
(kleine Reminiszenz an OJ)

Manch Erzeuger meint ja, auffallen zu müssen. Wenn schon nicht durch außergewöhnliche Weine, dann doch zumindest durch entsprechende Etiketten. Warum auch nicht, der Faktor Marketing kommt ja zumeist eher zu kurz, was verständlich aber in der heutigen Welt leider Gottes fatal ist. Um Miklós Csaba, aus dem kleinen, eine Randexistenz fristenden Weinbaugebiet Mór, der sich trendigerweise gerne miklóscsabi schreiben lässt, braucht man sich zumindest dahin gehend keine Sorgen zu machen. Inzwischen wird ein jedes Etikett für jeden Wein jedes Jahr anders gestaltet, was immerhin auch etwas konsequentes hat und durch die außergewöhnlichen Designs auch auffällt im Weinregal eines jeden Händlers.

Aber der Gute fühlt sich ja auch noch zum Dichter berufen, über was man hinweg sehen kann bzw. könnte – wenn es dann doch nicht auch mal nerven würde. Was bringt einem ein Erguss wie folgender, wenn es um ein halbtrocken ausgebautes Cuvée aus Traminer, Leányka and Pinot Blanc geht:

„Együtt egymásért. Jóban, hordóban. Haramia fiatal, életút izgalmas.“
„Gemeinsam für einander. Gut, im Fass. Junger Räuber, spannender Lebensweg“

Hm…

???

Nach dieser zweifelsohne gelungenen Kunst(pause)  – soll das kopflose Männchen ein Wink mit dem Zaunpfahl sein (?) – zum Wein an sich: mittleres Strohgelb im Glas, recht verhalten und kühl in der Nase, ganz dezente Botrytistöne, gelbe Birnen, leichte Zitrusnoten, der Pinot-„Räuber“ scheint den beiden Kumpanen den Schneid zumindest dufttechnisch abgekauft zu haben. Und im Glas herrscht stille Eintracht, d.h. eher ein Patt, gegenseitiges Aufheben der Kräfte. Die Cuvée-Kombinaton führt zu wenig Frucht und wenig Säure, etwas Restsüße samt Botrytis-Aromen und leichtem Schmelz, feinen gelben Birnenschnitzen, etwas grünlich Gräsern-Florales findet man, geht man nach und verliert dann wieder die Spur. Ausgewogen in seiner zurückhaltenden Art, ohne leider wirklich subtil oder filigran zu sein. Ja. Und warum wurde es Haranmia, Räuber, getauft? Hm… ???

Wein: Haramia Cuvée 2007
Weingut, Ort: Miklós Pince, Mór
Rebsorte/n: Tramini, Leányka und Pinot Blanc also Weißer Burgunder
Alkoholgehalt: 12,5% Vol.
Preis: so um die 2.300 Ft, also gut 8 EUR
Internet: mikloscsabi.com

Kommentieren? Hier entlang... ▼

Connect with Facebook


Verwandte Artikel