Schon lange hatte ich Bálint Losonci besuchen wollen. Wieder und wieder kam etwas dazwischen, doch Ende Februar klappte es dann doch endlich. Dass ich meine Verkostungsnotizen bislang nicht veröffentlicht habe, ist wirklich mit nichts entschuldbar. Ich hatte lange kaum Zeit, zudem wollte ich neben den Notizen auch zumindets beginnen über ein spannendes Projekt zu berichten, das ich in den komnmenden Jahren begleiten darf. dabei geht es um das Aufpfropfen von Edelreißern auf bestehende alte Unterlagen und eine Neupflanzung. Beides hat sich der junge Bálint Losonci noch für dieses Jahr vorgenommen.

Jetzt aber lediglich die Verkostungsnotizen, allesamt  von Fassproben, die damit auch schon nicht mehr aktuell sind –  zumindest aber besser als nichts. Sorry. Demnächst komme ich noch einmal bei Bálint vorbei, dann kommt immerhin ein Update.

Grundsätzlich gefallen mir die Roten besser als die Weißen, sehe ich dort nach heutigem Stand mehr Potential. Auch wiegt für mich bei den Weißen das Problem zu hoher Alkoholgehalte im wahrsten Sinne des Wortes recht schwer. Bálint ist eifrig, fast übereifrig, experimentiert viel und es ist zu hoffen, dass er seinen Weg und damit auch Stil finden wird. Zu gönnen ist es ihm, nicht nur aber auch menschlich, sondern auch, weil er vermeintlich das Zeug und den Mut dazu hat.

Olaszrizling 2009

Mit kleinem Anteil Zöld szilváni, Silvaner. Durchschnittlich verblieben 3kg Reben an jedem Stock – und rund 10g/l Restzucker im Wein. Warmes Boquet aus reifen grünen Äpfel und Birnen. Am Gaumen mit zartem Schmelz, Frucht aus Stachebeeren und Birnen, schönen Säuren, die gut gegen die Restsüße laufen. Zum Ende hin leicht bitter, steinig-mineralisch. Schön.

Úrráteszi Olaszrizling 2009

Hochinteressante Nase mit Gummibärchenaromen, auch etwas trockenes Stroh. Auch der neue Úrráteszi zeigt sich dank eines gewissen Restzuckergehalts mit zartem Schmelz am Gaumen. Apfelaromen dominieren, spannende Salznote, wirkt noch jung, dennoch schon komplex, dicht. Soll aber noch ruhen. Meiner Meinung nach schöner als der Jahrgangs-Vorgänger.

Mézes Fehér 2009

Der Name verweist auf die Rebsorte, eine autochthone, in der Mátra auch Margit Szőlő genannt, die Bálint wieder zu neuem Leben erwecken möchte. In der Nase sehr fruchtig, Trauben und Honigmelonen. Am Gaumen mit sanfter Mineralität, die Frucht nicht so sehr ausgeprägt, vor allem reife gelbe Birnen, das Holz vom Ausbau ist spürbar, aber nicht unangenehm. Interessant. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Warten wir es mal ab.

„Demi Sec“ 2009

Der Name ist Programm (Restzucker liegt bei 30-40 gr/l, und natürlich denkt man an den Demi Sec von Királyudvar), aber noch nicht endgültig als Produktname festgelegt. Ein Cuvée aus 2/3 Olaszrizling und 1/3 Hárslevelű. Zurückhaltend im Glas, Traubenzucker und feine Minzaromen. Am Gaumen vor allem Honigaromen, auch etwas Heu, leicht bittere Säuren die ihm aber gut zu Gesicht stehen. Schön weiche, schmelzig Textur. Nicht schlecht.

Magyar Frankos 2008

Eine weitere autochthone Rebsorte, die auch im Schillerwein von Bálint Einzug gehalten hatte.  Warme, unglaublich präsente schwarze Frucht, Kirschen, Türkischer Honig, Tannenreisig. Am Gaumen kühle, schlanke, aber intensive dunkelrote Frucht, schöne klare Säuren. Gut ausgewogen. Spannend, deutlich interessanter jedenfalls, als der Mézes Fehér.

Kékfrankos ‚Gereg‘ 2008

Der Top-Wein von Bálint, ein reinsortiger Blaufränkisch. Der 2007er Gereg hatte mir ausgesprochen gut gefallen. Noch heute verfluche ich mich, dass ich nicht zuindest eine Flasche rechtzeitig sichern konnte. Die Mikroauflage von 420 Flaschen führte zu einem schnellen Ausverkauf. Damals zögerte ich allein aufgrund des recht hohen Preises.
Der 2008 wird aller Voraussicht nach im Herbst auf den Markt kommen. Er zeigt sich aber jetzt schon von schöner Seite, gut gereift. In der Nase anfangs noch frisch, kühle Meeresluft, rote Johannisbeeren, Erdbeeren, mit der Zeit dann Waldboden und Efeu. Am Gaumen mit elegant schlanker Frucht, zwar straffen, dabei aber nicht zu ausgeprägten Säuren. Einer Portion Kräuterwürze, die ihm charakterlich gut tut, schöne Mineralität und im Abgang gute Länge.

Kommentieren? Hier entlang... ▼

Connect with Facebook


Verwandte Artikel