Am Montagnachmittag fand eine weitere Verkostung statt, bei der es um sogenannte kézműves  borok, um „handgemachte Weine“ ging. Das meint einen teils künstlich erzeugten, teils (auch aus meiner Sicht) willkommener Trend hin zum echten Weinbau – gegen technische, mit Hilfe des Labors erzeugte Weine, die ihre Sorte und Herkunft ehrlich offenbaren sollen.
Jeweils mit drei bis hin zu acht Weinen vertreten waren folgende Erzeuger:
Kikelet (Tokaj), Kislaki Bormanufaktúra, Légli Géza (Süd-Balaton), Losonci Bálint (Mátra), Merfelsz (Szekszárd), Orsolya Pince (Eger), Ráspi Pince, Horváth József (Sopron), Somlói Apátsági Pincészet (Somló), Szecskő Tamás (Mátra), Szentesi József (Etyek-Buda),
Váli Pince (Badacsony), Weninger (Sopron).

Váli Pince, Badacsony

Ein neuer Name für mich, einzig die Flaschen hatte ich aufgrund ihrer modernen, leuchtend-farbigen Etiketten einmal in einem Regal bemerkt. marketingtechnisch ist man somit schon gut gerüstet, am Ende macht es aber dann ja doch der Inhalt aus. Und da liegt noch einiges an Arbeit vor Váli Péter, der das Familienweingut führt. handwerklich sind die Weine in Ordnung, kein Zweifel. Der Kéknyelű sagte mir zu, zwar nicht der Stil an sich, aber zumindest zeigte sich Potential. Alle anderen Weine sind durchweg gut trinkbar, unkomplizierte Sommerweine zu fairen Preisen. Aber eben auch nicht mehr.

Budai Zöld 2008

Echter Sommerwein aus der heute selten angebauten, alten Sorte Budai Zöld, „Grüne aus Buda“, die heutzutage noch am ehesten in der Region Badacsony angebaut wird. Ihre Weine sind gemeinhin einfach strukturiert und reich an Säure. In der Nase kühl, fein würzige Kräuteraromen, grün-gelbe Früchte. Am Gaumen mit spritzigen Säuren, Zitrusfrüchten und Gurkenaromen, schlank, leicht. Ein unkomplizierter Sommerwein eben.

Szürkebarát 2008

Einr einsortiger Grauburgunder. Schönes Bouquet aus warmen, floralen Tönen, Sommerwiese. Am Gaumen dann mit erstaunlich straffen stählernen, leicht grünlich wirkenden Säuren. Etwas körperreicher als der Budai Zöld, daneben aber wenig Frucht, eintönig.

Olaszrizling 2008

Zur Hälfte in Holz, zur Hälfte reduktiv in Edelstahltanks ausgebaut. Warmes Holz, floral, Bananen, Heu und Honig. Am Gaumen dominiert eine seifig-steinerne mineralische, leicht bitter-nussige Note, nicht allzu dicht, etwas gedecktere Säuren. Mir ein wenig nichtssagend.

Kéknyelű 2008

In kleinen Eichenfässern ein Jahr lag ausgebaut. In der Nase gefällig, Feuerstein und Stroh, halbreife gelbe Birnen. Am Gaumen der markanteste Wein von Váli, maskulin, mineralisch, extraktreich, ordentliche Säuren, und eher über die Summe dieser Teile definiert, als über Frucht. Nicht gerade filigran, aber recht gut gelungen, nicht uninteressant.

Luca Bor 2009

80% Muskotály (Muskateller), 20% Budai Zöld. Ein Wein, gemacht für die Frauen dieser Welt, so meinte zumindest Péter Váli grinsend. Das ist mir persönlich inzwischen immer ein wenig zu platt, zu verallgemeinernd. Und zumeist auch eine gehörige Vorwarnung. In der Nase ein aufdringlich starkes, fast schon als vulgär zu bezeichnendes Bouquet aus vielfältigen, duftenden Blumen, am ehesten sind noch Rosen auszumachen. Am Gaumen quasi ohne, bestenfalls stumpf wirkende Säuren auskommend, matte Frucht und grüne Blätter. Nicht mein Fall, aber ich bin ja auch nicht Frau von Welt.

Kislaki Bormanufaktúra, Légli Géza (Süd-Balaton)

Von Légli Géza hatte ich nach den Enttäuschungen mit dem ehemals sehr schönen 2007er Sauvignon Blanc recht lange nichts mehr getrunken. Umso gespannter war ich auf den 2008er, aber auch die anderen, für mich durchweg neuen Jahrgänge seiner Weine. Am Anfang stand jedoch ein gänzlich neuer, ein Riesling vom János hegy.

Rajnai Rizling 2009

Alles andere als ein sortentypischer Riesling. In der Nase sind zwar noch Aprikosen ausmachbar, neben floralen Noten, buttrigen und gar fleischigen, leicht rauchigen Tönen. Am Gaumen dann sehr eigen, fast ohne Säuren und daher stumpf wirkend, bislang wenig ausgebildete Frucht, grüne Blätter, zum Ende hin bitter. Noch jung, klar, aber gar nicht mein Fall, nein.

Sauvignon Blanc 2008

An dieser Stelle will ich noch einmal mein Standardthema ansprechen. Nicht, weil ich es mit Wonne wieder und wieder auf die Tagesordnung setzen würde. Ganz im Gegenteil. Aber wie kann man Verkostungen organisieren, ohne Voraussetzungen für gut temperierte Weine zu bieten? So bei jeder großen Somló-Verkostung. Und hier nun: wenn man schon Weißweine ausschenkt und einen Kühlschrank in Reichweite gibt, warum ist es dann zu viel verlangt von denjenigen, die die Weine präsentieren, diese auch entsprechend auf einer vernünftigen, akzeptablen Temperatur zu lassen?
Der Sauvignon Blanc von Géza war ebenso wie der Riesling jedenfalls schon zu warm, als ich ihn eingeschenkt bekam. Das ist unprofessionell und schlichtweg ärgerlich, jeder schadet sich ja selbst damit. Dass ich das einleitend zum Sauvignon Blanc von Géza schreibe, soll nicht persönlich gegen ihn gerichtet sein. Ich war einfach nur ein wenig enttäuscht vom Wein und das hatte definitiv auch mit den 18-20 Grad zu tun, die er da schon hatte. Trotz Wärme recht verhalten in der Nase, feine Kräuterwürze, Äpfel, Quitten und Gras waren ausmachbar. Am Gaumen mit leichtem Schmelz, etwas gedeckter, gleichwohl kompakter Frucht aus Birnen und Quitten, auch floral wirkend, jedoch nicht so geradlinig, klar wie der 2007er, hinten raus seifig-mineralisch. Dennoch muss man, muss ich ihn der Fairness halber nochmal unter Normalbedingungen probieren.

Morgen die Notizen zu jeweils einem Weißwein von Orsolya, Weninger, Somlói Apátság.

Kommentieren? Hier entlang... ▼

Connect with Facebook


Verwandte Artikel