Das Wort Apfel wird in den Notizen zur großen Furmint-Verkostung unweigerlich sehr häufig vorkommen. Gestern Abend hatte der zu Furmint-Februar ausgerufene Monat seinen Höhepunkt in einer Querverkostung von insgesamt 50 Furmint im Festetics Palota, den Räumlichkeiten der Deutschen Universität in Budapest. Die Hauptcharakteristik der Furmint-Rebe ist das Aroma von grünen Äpfeln, welches sich in der Tat häufig genug und auch ohne es sich bewusst herbeireden zu müssen in vielen reinsortigen Weinen finden lässt.
50 Weine, die meisten aus Tokaj, einige aus Somló, einer aus Eger und drei Weine zweier Winzer aus dem österreichischen Burgenland standen zur Verkostung bereit. Das ist zu viel, um physisch seriös verarbeitet werden zu können. Daher wählte ich im Vorfeld – die Veranstaltung war vom Online-Magazin vinoport sehr gut organisiert worden – schon jene aus, die mich interessierten. Somló ließ ich bewusst außen vor, da im März bereits das nächste Großereignis in denselben Räumen stattfinden wird: der Somlói Tavasz, die Vorstellung des Jahrgangs 2009.

So konzentrierte ich mich auf Tokaj, wo die Grundlage für den Boom des trockenen Ausbaus einer der schönsten Weißweinsorten der Welt vor einigen Jahren maßgeblich durch István Szepsy gelegt wurde. Am Start waren am gestrigen Abend nämlich keine Süßweine, sondern maximal halbsüße, mehrheitlich jedoch trockene.

Demetervin Úrágya-dűlő Furmint 2008,Demetervin, Mád

Spontan vergärt. Reife gelbe Birnen, etwas Holz in der Nase. Fester Biss, geradlinig, grüne und gelbe Äpfel, Limetten, ab der Mitte kräftige Säuren, verhalten steinige Mineralität. Nachhaltig. Nicht uninteressant. Restzucker: 2,0 g/l
Säure: 5,7 g/l
Alkohol: 14,0% Vol.
Von 70 Jahre alten Rebstöcken, in zweiter Oktoberhälfte geerntet, 30 hl/ha, spontan vergoren in kleinen Zempléner-Holzfässern, zweite bis vierte Füllung, danach in denselben Fässern 12 Monate gereift.

 

Tokaji Furmint Öregkirály dűlő 2007, Barta Pince, Mád

15 Monate im Holz, das ging nicht spurlos vorbei. Daher Holz und auch deutlich Vanille in der Nase, neben überreifen Birnen und Aprikosen. Am Gaumen weich, bei gerade einmal 2 g/l Restzucker viel Schmelz, der wohl zweifelsohne von spürbaren 14% Vol. Alkohol herrührt und sich vor allem im Abgang unangenehmerweise breit macht. In einer Zwischenpassage schön fruchtig, wie ein Biss in reife Äpfel, auch Spuren von Gräsern. Aber der Alkohol ist einfach nicht eingebunden. Restzucker: 2,0 g/l
Säure: 5,4 g/l
Alkohol: 14,0% Vol.
Details: 3 Jahre alte Rebstöcke, September 2007 geerntet, 10 hl/ha, im Holzfass spontan vergoren, danach 10 weitere Monate im Holz gereift.

 

Furmint Nagy Palánt dűlő 2008, Breitenbach Kézműves Pince, Bodrogkisfalud

Warme Nase aus grünen Äpfeln, überreifen Kiwi und Stachelbeeren. Am Gaumen sehr weich, filigran, gute eingestellte Säuren begleiten die milde Frucht aus roten Äpfeln, zudem schön matt traubig. Mittel im Abgang. Kein Schreihals, feinfühlig, gut „kalibriert“, rund, daher ein Ausrufezeichen wert! keine Detailangaben

 

Halas Furmint 2008, Breitenbach Kézműves Pince, Bodrogkisfalud

Warme Nase aus gelben Äpfeln und Heu, mit subtiler Würze von halbtrockenen Kräutern. Am Gaumen viel Schmelz, gleichzeitig viel mineralische, fast feurige Würze, reife rote Äpfel, Birnen, Orangenschalen, welche dem Ende zu in nicht unangenehmer Bitterkeit mit mittlerer Länge ausklingen. Restzucker: 11,0 g/l
Säure: 7,2 g/l
Alkohol: 13,5% Vol.
Von 60 Jahre alten Rebstöcken, am 24. Oktober 2008 geerntet, 10 hl/ha, spontan vergoren in Holz, danach über 14 Monate in 300l-Holzfässern gereift.

 

Tokaji Furmint 2007, Karádi és Berger Borászat, Erdőbénye

Zu warm präsentiert (versteh wer will, warum der gute Mann nicht zumindest halbwegs auf die Temperatur achten konnte, denn diesmal wurden extra mit Eis bestückte Wannen für jeden bereit gestellt). Speckig-rauchige Nase, für Furmint nicht untypische, dennoch bisweilen etwas merkwürdig erscheinende grüne Frucht. Am Gaumen mit recht stark ausgeprägter Würze, viel und vor allem spürbarem Alkohol, traubig, Frucht aus grünen Beeren, fleischig, mit Biss, recht ausgewogene Säuren, auch (wohl dank des Alkohols) leicht süßlich. Diplomatisch ausgedrückt: eigenständig. Restzucker: 4,0 g/l
Säure: 6,5 g/l
Alkohol: 14,5% Vol.
Von 25-100 Jahre alten Rebstöcken im September und Oktober geerntet, 17 hl/ha, Gärung in Holzfass, danach 8-monatige Reife in Holzfässern.

 

Furmint Battonage 2008, Gizella Pince, Tokaj

Typische, lauwarme Furmint-Nase mit viel grünen Äpfeln, feinen Botrytis-Tönen. Am Gaumen leicht und schmelzig-fleischig texturiert, leicht spürbarer Botrytis, etwas Honig- und Orangennoten. Kurz bis mittel. Schöner, unkomplizierter „Alltagsfurmint“. Restzucker: 4,8 g/l
Säure: 7,2 g/l
Alkohol: 13,5% Vol.
Von 43 Jahre alten Rebstöcken, am 27. Oktober und 6. November geerntet, mit Reinzuchthefen in Holzfässern vergoren, dann 7 Monate in Szerednye-Fässern (2. Füllung) gereift.

 

Morgen dann Teil II/III…

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