Heute also der letzte Teil der Querverkostungs-Serie von Horst Hummels Weinen.

Der XEYN ist ein reinsortiger Merlot, der Wein mit X und Y. XEYN ist die Fügung, wobei das „Y“ vom Griechischen her zu denken ist, wo der Buchstabe für „i“ steht, als Wink, dass unsere Kultur und Weinkultur letztlich ihre Wurzeln in der griechischen Antike hat. Der 2005er Jahrgang reifte 18 Monate lang in gebrauchten ungarischen und französischen Barriques.

Hummel – Merlot XEYN 2005

XEYN 2005

Für mich kein typischer Merlot. Als ich die Flasche öffnete wusste ich nicht, was sich hinter XEYN verbirgt. Zwischen Purpur und Rubinrot, an den Rändern leicht bräunlich. Kühle Kräuternase, feuchtes Moos, Rosinen, dunkle Trockenfrüchte, zartes, warmes Holz. Am Gaumen Zwetschgen, Holunder und Schlehen, kaum adstringierend, etwas störende grünlich-bräunliche Bitteraromen, ein wenig zu spitze Säuren. Auf schmalem Grat gut Druck aufbauend aber nicht in die Breite drängend. Die klassische Fülle, das Volumen, die Rund- und Weichheit eines Merlots vermisst man. Mittlerer Abgang.

Ich bin bei diesem XEYN ein wenig ratlos, kann ihn schwer einordnen und nicht wirklich sagen, ob man einfach noch ein wenig warten, ihm Zeit geben muss. So wie ich ihn erlebt habe, ist er ein Wein, auf den man sich nicht nur einlassen können muss, der sich einem widersetzen möchte, sondern der auch dann nicht jedermanns Fall ist. Ein schwieriger Geselle.

Das große Cuvée, das „J.M.“, trägt die Initialen des Urgroßvaters von Horst Hummel, der bis 1945 in der Vojvodina Winzer war, also in jener Region des heutigen Serbien, die direkt an Ungarn angrenzt.

J.M. Cuvée 2005

Zu je einem Drittel aus Cabernet Sauvignon, Kékfrankos und Merlot. Mittleres Rubinrot, derzeit einen Tick heller als der 2004er. In der Nase anfänglich wärmer als der 2004er, Aromen von Preiselbeeren und Heidelbeeren,  Waldboden, Tannengrün, feine Kräuter und Bitterschokolade. Am Gaumen von Beginn an mit deutlich mehr Tanninen als der 04er, gegen Ende feinherb adstringierend. Kühler, deutlich mehr Säuren, Aromen von Mandeln, Schokolade, nach einiger Zeit auch Wachholderbeeren, reife, dunkle Frucht. Je länger er an der Luft ist, zumindest eine halbe Stunde, umso mehr Volumen baut er auf, die Frucht wird reifer, breiter und bleibt dennoch kompakt. Langer Abgang. Wirklich ein schöner, der komplexeste Wein von Horst Hummel in dieser Reihe. Echtes Trinkvergnügen.

Hummel – J.M. Cuvée 2004 und 2005

J.M. Cuvée 2004

60 % Kékfrankos, 20% Cabernet Sauvignon, 20% Merlot.

Mittleres Rubin mit leicht bräunlichen Rändern. In der Nase verdichtete, tiefschwarze Früchte, dezent auch warmes Holz. Am Gaumen gekochte, kompakte Frucht, vor allem schwarze Kirschen, Zwetschgen und gegen Ende sehr deutlich Aromen von reifen Schwarzen Johannisbeeren. Fein adstringierend, lebendige, gut austarierte Säuren. Nach einiger Zeit an der Luft schön gereift und doch noch frisch und vital wirkend. Mittlerer bis langer Abgang. Nicht so körperreich wie der 05er, auch die Frucht ist nicht so schön ausgebildet.

Der 05 er ist breiter, voller, kompakter, in sich einfach „größer“. Der 04er punktet durch sein zusätzliches Jahr Reife. Der 05er ist männlicher, würziger, dunklere aber kühlere Frucht, braucht noch Zeit. Der 04 er jetzt gerade sehr schön, gereift wirkend, fruchtbetont.

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Ein Resumée

Die Weine von Horst Hummel sind nach allem was ich bislang aus Villány im Glas hatte in der Tat etwas Eigenständiges. Das gilt für die Summe aller Weine, wenngleich manche Einzelteile, wie etwa die Weißweine und mit Einschränkungen auch die Portugieser, losgelöst vom Rest, weniger charakterlich gefestigt scheinen, sprich über weniger Merkmale verfügen, die für diese Eigenständigkeit stehen. Was aber macht diese Eigenständigkeit aus, wie definiert sich der gemeinsame Nenner?

Durchweg sind die Weine angenehmerweise keine Alkoholbomben mit hohem Holzeinsatz, versuchen nicht Volumen und Kraft aus hohen Alkoholgraden zu generieren. Das finde ich persönlich mehr als erfreulich, denn der normale Alltag in Ungarn spielt sich bei Rotweinen inzwischen fast schon standardmäßig jenseits der 13,5% Vol. ab. Das ist ermüdend, teils sogar richtig nervig. Die Weine von Horst Hummel erscheinen in der Tat „natürlicher“, haben im positiven Sinne eher mal Ecken  und Kanten, an denen man sich stößt, an denen man sich abarbeiten muss. Wo man aber nach getaner Arbeit umso mehr Freude an ihnen haben kann und dann auch umso mehr darf. Das bedeutet gleichzeitig auch, dass man sich auf sie einlassen (können) muss. Sie sind nicht per se selbstverständlich, Zeit an der Luft tut ihnen generell gut. Der Faktor Geduld spielt da mit rein, ob das in die heutige, schnelllebige Welt immer passt, ist zu bezweifeln.

Ein in sich geschlossenes, stimmiges, zugespitzt ausgedrückt „durchgestyltes“ Portfolio mit klarer Linie habe ich nicht wirklich ausmachen können. Vermeintlich spielt hier die Spontanvergärung eine gewisse Rolle, in Teilen ebenso der jüngst begonnene biologisch kontrollierte Weinbau und für die Weine vor 2008 der intergierte Landbau. Und sicherlich ein gutes Stück weit auch die oftmals fehlende Präsenz Horst Hummels vor Ort in Villány. Man kann ein derartiges Projekt nicht mit dem eines Vollzeit-Winzers vergleichen, Abstriche müssen zwangsläufig gemacht werden. Das geht in Ordnung. Die Portugieser sind gut gelungen, das Loess Cuvée wusste absolut positiv zu überraschen, der 04er J.M. ist ein schöner, jetzt trinkreifer Wein mit sicher noch ein-zwei Jahren Zukunft, aber deutlich besser noch der 05er J.M.

Dennoch, was sich da nach einigen Jahrgängen in den Gläsern zeigt, verdient Respekt. Auch wird in Ansätzen deutlich, wo der Weg hinführen soll und dass die Fahrt dorthin schon begonnen hat. Nicht von ungefähr ist Horst Hummel Burgunder-Liebhaber, das merkt man seinen Weinen an. Sie überzeugen durch ein filigranes Frucht-Säure-Spiel und die „großen Gewächse“ haben Charakter und vermeintlich gar ein größeres Alterungs-Potential, als manch ein technisch perfekt erzeugter, moderner Konkurrent aus der Region.  Ein Experiment mit Kadarka erscheint mir daher logisch, naheliegend, nein sogar zwingend notwendig – in jedem Falle aber wünschenswert, weil gewiss spannend.

Bezug der Weine über Horst Hummel selbst

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