Nach den Portugiesern aus Teil I nun zu den weiteren Rotweinen von Horst Hummel. Grundsätzlich baut er als reinsortige Weine Portugieser, Kékfrankos, Cabernet Sauvignon und Merlot aus. Daneben hält er für seine Kunden zwei Cuvée bereit, J.M., das „große“, und seit neuestem auch „Loess“, das kleine Cuvée. Letzteres hat seinen Namen den schweren Löss-Böden Villánys zu verdanken, auf denen alle Reben gedeihen.

Hummel – Kékfrankos 2006

Villányi Kékfrankos 2006

Auch der Kékfrankos, also Blaufränkisch oder, wie es auf der Flasche für Kunden aus Süddeutschland vermerkt ist, „Lemberger“, wurde spontan vergoren. Ich hatte den Wein ehrlich gesagt schon einmal getrunken, Ende 2008. Damals gelang mir jedoch das Kunststück, sowohl die Verkostungsnotizen zu verschlampen als auch einen Detail-Rekonstruktion derselben aus dem Gedächtnis dadurch unmöglich zu machen, dass ich schlichtweg mit so viel anderem zu tu hatte, dass mir der Fauxpas erst einige Wochen später auffiel. Die Fragmente meines schwachen Hirnes förderten immerhin noch zutage, dass sich der Wein für einen Villányer ausgesprochen schlank, gleichzeitig warm und rund und mit schöner Fruchtpräsenz und angenehmem Holzeinsatz offenbarte.

Im Glas erscheint er nun, Anfang Winter 2009, als einer der dichteren Blaufränkisch, Rubinrot, an den Rändern leicht bräunlich. Interessante Nase, Blutwurst, kräuterig-medizinische Note, schwarze Kirschen, Sauerkirschen, Lakritz, Leder und Laub. Am Gaumen dann nach dem Boquet etwas enttäuschend, erstaunlich drucklos, kompakte rote Frucht, mittig, auf kleinem Raum, schön eigebundene Säuren, hinten raus deutlich adstringierend, im mittleren Abgang dominante Gerbstoffe.

Hier scheiden sich die Geister. Herr Hummel meinte, der Wein stünde erst am Anfang. Ich hatte eher den Eindruck, dass er schon den Zenit überschritten hat. Zugeben muss ich jedoch, dass mir nach dem Verkosten aller Hummel-Weine klar wurde,

Hummel – Cabernet Sauvignon 2004

dass man ihm zumindest Zeit geben sollte. Der Kékfrankos entwickelte sich in den Folgetagen nach mehr Luftkontakt zwar nicht bemerkenswert weiter. Doch andere Beispiele, wie das Loess Cuvée (s.u.) und die beiden J.M. Cuvée (morgen darüber mehr) zeigten eindeutig in die Richtung: Geduld haben. Ich hatte sie hier nicht und sah auch das Potential nicht wirklich. Werde dem 2006er aber in 2010 bei Gelegenheit wieder eine Chance geben.

Cabernet Sauvignon 2004

Der reinsortige Cabernet wurde auch auf natürlichen Hefen spontan vergoren und reifte 24 Monate in einem alten Eichenfass. Leider hatte der Wein einen Korkfehler. Was vorkommen kann aber immer bedauerlich ist und jedes Mal – und ich habe noch Glück, bei mir kommt das selten vor – erneut die Frage aufwirft, wie lange man noch auf Naturkork setzen soll respektive überhaupt darf. Doch hier erst einmal: Schwamm drüber.

Loess Cuvée 2007

Abschließend: das kleine Cuvée, preislich mit EUR 8,50 deutlich unter dem J.M. (der 2005er kostet EUR 25,00) angesiedelt.

Hummel – Loess Cuvée 2007

2006 kam das „Loess“ erstmalig auf den Markt, in einer exklusiven Aktion für die taz-Leser. Der 2007er ist somit der erste Jahrgang für alle – ich hatte quasi noche eine Fassprobe erhalten, das Etikett war noch nicht fertig. Horst Hummel selbst auf der Homepage über den Wein: „Er besteht aus den drei für das Villányer Terroir typischen und wichtigsten Rebsorten Kékfrankos, Portugieser und Cabernet Sauvignon. Der früh reifende Portugieser bringt Frucht, Fülle und Wärme, der Kékfrankos Frische, Spannung und Mineralität, der späte Cabernet Sauvignon Struktur, Tiefe und Komplexität.“ 56% Kékfrankos, 27% Portugieser, 17% Cabernet Sauvignon. 18 Monate in alten Eichenfässern und gebrauchten Burgunder Barriques ausgebaut.

Nun, in der Tat ist der Loess für mich der erste Wein, der mich erstaunen ließ und den ich gar bewunderte. Für das Geld bekommt man nämlich ein spannendes Stück Villány, eben nicht ein geschickt zusammengestelltes, mit Barrique aufgepepptes Etwas, sondern ein sehr eigenständiges, ja gar fast markantes Cuvée. Mittleres bis dichtes Rubinrot. In der Nase warmes, weiches Holz, Frucht von schwarze Kirschen und Cocktailkirschen, daneben auch Marzipannoten. Am Gaumen mit fleischiger Textur, Fülle und doch Filigranität. Schön präsente, volle und frische Frucht aus Brombeeren, schwarzen Kirschen und Johannisbeeren, eingebettet in eine klare, gut austarierte Säurestruktur. Dem Ende zu matt adstrigierend, mittlerer Abgang. Ein ausgesprochen gelungenes Charakterköpfchen! Kann ich vorbehaltslos empfehlen.

Morgen dann noch der Merlot XEYN und das Cuvée J.M….

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