Weißweine haben im südlichsten Anbaugebiet Ungarns, in Villány-Siklós, einen schweren Stand und zwar in mehrfacher Hinsicht. Da wäre die inzwischen standardmäßig einplanbare große Hitze im Sommer, welche die ernsthafte Beschäftigung mit manchen Klassikern wie etwa Riesling von vornherein unmöglich macht. Viele versuchen sich folgerichtig an Chardonnay abzuarbeiten, oft auch an Olaszrizling und Hárslevelű. Trotz alledem liegt der Fokus stets auf den roten Gewächsen. Dafür ist die Region bekannt, dafür steht sie auch zu recht. Weißweine werden also konsequenterweise zumeist eher stiefmütterlich behandelt und wenn man sich doch mit Ihnen auseinandersetzt, entstehen oft hochprozentige Geschosse mit Schieflage, da gegen den Alkoholgehalt kaum etwas an kann.

So kann zumindest ich von mir behaupten, nie wirklich von einem Weißwein aus Villány begeistert oder zumindest angetan gewesen zu sein. Der Lagen-Chardonnay von Sauska war schön, aber eben auch zu alkohollastig. Aber natürlich sucht man stets weiter, verkostet und hofft auf eine angenehme Überraschung.

Doch zur Verkostung der Weißweine von Horst Hummel:

Der ’normale‘ Hárslevelű wurde spontan vergoren, anschließend zu 20% in gebrauchten Barriques aus dem Burgund ausgebaut, der Rest in Tanks und dann verschnitten. Mit 13,5% Vol. gehört er auch schon zu den schwereren Weißen, ist also in dieser Hinsicht ein typischer Villányer.

Hummel – Hárslevelű 2007

Hárslevelű 2007

Intensives Strohgelb. In der Nase Botrytisnoten, Honig, Stroh. Am Gaumen neben vegetabile Noten vor allem Honig, Quitten und Orangenschalen, Ananas, daneben auch Laub, teils ledrig wirkend, leicht bittere, bräunlich-grünliche Säuren. Etwas uneinheitlich, benötigt einige Zeit an der Luft eher er runder. harmonischer, „lesbarer „wird. Am zweiten Tag wirt er in sich stringenter, abgeschliffener, kommen deutlichere Heu und Strohnoten zum Vorschein, dafür haben die Säuren an Spritzigkeit und Wirkungskraft verloren. Alles in allem ein ordentlicher, kein außergewöhnlicher Hárs, dem man die 13,5% nicht wirklich anmerkt, da Säure und Extrakte gut gegen anhalten.

Hummel – Hárslevelű Bernstein 2007

Neben dem normalen ‚Lindenblättrigen‘ bietet Herr Hummel in manchen Jahren auch den ‚Bernstein‘ an. Der 2007er war neun Monate in einem gebrauchten Burgunder Barrique  von Segiun Moreau, und ergab deshalb gerade einmal 300 Flaschen. Diese sind selbstredend ausverkauft.

Hárslevelű „Bernstein“ 2007

Ein wenig dunkler, intensiveres Strohgelb als der „einfache“ Hárs, schön reflektierend, kann gerne auch Bernsteinfarben genannt werden…  Kräftiger, intensiver, wärmer, gleichzeitig weicher und runder, reifes helles Kernobst, Kieselstein-Mineralik, feine, etwas dezentere Säuren, zarter Schmelz. In sich gesetzter. Interessante Spielvariante.

Hummel – Gewürztraminer 2007

Gewürztraminer 2007

Den Gewürztraminer kann ich nicht wirklich ins Gesamtangebot einordnen, kommt mir ein wenig wie ein Fremdkörper vor. OK, das hat sicher auch ein wenig damit zu tun, dass ich mit sehr aromatischen Weißweinen mir ein wenig schwer tue, sie einfach nicht wirklich genießen kann. Bisweilen ist mir die überbordende Aromatik einfach zu viel, erscheint mir künstlich. Der Gewürztraminer von Horst Hummel ist ein klassischer Vertreter. Typische Traminer-Nase, als da wären Rosen- und Litschiaromen, auch etwas Marzipan. Auch am Gaumen schlank, mit den gewohnt zurückhaltenden Säuren, frische, nicht zu dominante Frucht, auch hier Litschi, Stachelbeeren.

_____________________________

Hummels‘ Weißweine sind alle gut trinkbar – dabei nichts Spannendes, Außergewöhnliches. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Doch ohne zu hart klingen zu wollen stellt sich für mich nach wie vor die erst einmal davon losgelöste Frage, ob man als Weinerzeuger in Villány unbedingt auch Weißweine im Portfolio haben muss. Sicher, Kunden werden dies immer wieder verlangen und dem muss man sich stellen. Da habe ich leicht reden und kritisieren.

Aber nachdem ich bekanntermaßen die Ansicht vertrete, dass Ungarns Stärke gerade im Feld autochthoner weißer Rebsorten liegt und es dafür definitiv prädestiniertere Anbaugebiete gibt, allen voran Tokaj, würde ich automatisch andere Quellen als Villány bevorzugt suchen und finden. Das hat primär nichts mit Hummels Weinen zu tun, doch trifft im Zweifelsfalls eben auch auf seine drei Weißen einfach zu.

Morgen dann zu den Rotweinen….

Trackbacks/Pingbacks

  1.  Die Weine von Horst Hummel, Villany – eine Querverkostung, Teil III: Kékfrankos, Cabernet Sauvignon und Loess Cuvée | BorWerk - Das Blog über ungarische Weine

Kommentieren? Hier entlang... ▼

Connect with Facebook


Verwandte Artikel