Meine Kadarka-Serie neigt sich dem Ende entgegen. In Kürze wird noch ein Resümee folgen, darauf dann auch noch einzelne Nachzügler. Aber für Duelle gehen mir langsam schlichtweg die Weine aus. Interessant genug: von Szekszárd habe ich nach wie vor einige Vertreter im Keller. Andere sind teils einfach schwierig zu bekommen, zumindest will oder kann der Weinhändler meines Vertrauens mich nicht ausreichend dabei unterstützen…

Bereits vor drei Wochen, zwischen den Tagen, hatte ich noch den derzeit vermeintlich teuersten Kadarka näher begutachtet, der „Nagybor“ von St. Andrea. Dagegen lief eine Selektion mit dem Namen „Heiliger Gral“ vom jüngst verstärkt gefeierten Mészáros Pál aus Szekszárd.

St. Andrea, Kadarka Nagy Bor 2007

Kadarka Nagybor 2007, St. Andrea, Eger

Leuchtend helles bis mittleres Rubinrot. In der Nase nach dem kürzlich von St. Andrea getrunkenen Pinot Noir einmal mehr typische noten für das Anbaugebiet Eger: waldig-erdig ledige Töne, daneben die Kadarka-Charakteristik von roten Früchten, Erdbeeren, Himbeeren und auch Zwetschgen. Am Gaumen weich und rund, feine Würze, neben gut balancierten, wohl dosierten Säuren deutlich süßliche Frucht aus Zwetschgen und Erdbeeren, auch hier wieder erdige Töne, Tannengrün, auch Muskat. Warm und durchaus filigran-vielschichtig wirkend, mit ordentlichem Druck und mittlerem bis langem Abgang. Schöner, leider aber überteuerter Kadarka.

Wein: Kadarka Nagy Bor 2007
Weingut, Ort: St. Andrea, Egerszalóker
Rebsorte/n: Kadarka
Alkoholgehalt: 14,0%
Preis:  29,00 EUR (7.800 Ft.)
Internet: standrea.hu

Mészáros Pál, St. Grál Kadarka 2007

Kadarka Nagybor 2007, St. Andrea, Eger

Etwas dunkler als der St. Andrea und auch dichter. In der Nase Steinobst, etwas zu deutliches Holz, daneben Vanille und Joghurtnoten. Am Gaumen letztlich enttäuschend, linienlos, deshalb schwer definierbar. Erstaunlich wenig, dumpf-gedeckt wirkende Frucht aus roten Johannisbeeren und Zwetschgen, feine Kräuteraromen, schwache Säuren, der recht breite aber kurze Körper definiert sich vor allem über die deutlichen Gerbstoffe, warmes, leicht grünliches Holz. Mittlerer Abgang. Mag sein, dass der Gute noch ein wenig Zeit braucht. Richtig viel Potential kann ich aber nicht erkennen. Wenn mir jemand plausibel erläutern kann, warum man 18 EUR dafür hinlegen soll, bin ich dankbar.

Wein: St. Grál Mézi Kadarka Reserve 2007
Weingut, Ort: Mészáros Borház, Szekszárd
Rebsorte/n: Kadarka
Alkoholgehalt: 14,0%
Preis:  18,00 EUR (4.800 Ft.)
Internet: meszivin.hu

Um es kurz zu machen. Der Nagybor von St. Andrea ist dem Heiligen Gral weit überlegen. Ein schöner Wein, sogar ein außergewöhnlicher. Dennoch würde ich persönlich keine 30 EUR hinlegen. Aber diesen Gesichtspunkt habe ich bei den Duelle ja ohnehin ausschalten müssen. Das Duell Szekszárd vs. den Rest der kleinen Kadarka-Welt endet demnach dummerweise unentschieden:

6:6

Das zwingt mich automatisch dazu, doch noch zumindest zu versuchen, in die Verlängerung zu gehen. Denn wer möchte sich in der heutigen Welt mit einem Unentschieden zufrieden geben? Wobei auch das eine Aussage ist, doch dazu mehr im Resümee…

Die bisherigen Artikel der Serie:

Zur Einleitung und zum Teil I der Kadarka-Serie: Borműhely (Szekszárd) vs. Frittmann (Kunság)
Teil II der Kadarka-Serie: Heutige Verbreitung des Kadarka in Ungarn. Duell II Villányi Kadarka 2006, Vylyan (Villány) vs. Kadarissimo 2006, Szt. Gaál Pince (Szekszárd)
Teil III der Kadarka-Serie: Name und Herkunft des Kadarka. Duell III: Kadarka 2005, Balla Géza, Ménes (Rumänien) vs. Kadarka 2007, Heimann (Székesfehérvár)

Zum Teil IV der Kadarka-Serie: Die Landnahme des Kadarka in Ungarn. Takler (Szekszárd) vs. Orsolya (Eger)
Teil V der Kadarka-Serie: Farbenspiele und Imageprobleme – eine Zwischenbilanz, und Duell V: Vida Péter (Szekszárd) vs. Maurer Oszkár (Délvidék, Serbien)
Teil VI der Kadarka-Serie: Veredelung des Kadarka. Halmosi Pincészet (Szekszárd) vs. Malatinszky Kúria (Villány)
Teil VII der Kadarka-Serie: Stimmen von Winzern I. Eszterbauer (Szekszárd) vs. Günzer Zoltán (Villány)
Teil VIII der Kadarka-Serie: Stimmen von Winzern II. Gróf Buttler (Eger) vs. Sebestyén (Szekszárd)
Teil IX der Kadarka-Serie: Stimmen von Winzern III. Dúzsi Tamás (Szekszárd) vs. Jekl (Villány)
Teil X der Kadarka-Serie: Stimmen von Winzern IV. Gedeon Birtok (Dél-Alföld) vs. Prantner Pince (Szekszárd)
Teil XI der Kadarka-Serie: Sauka (Villány) vs. Remete Bor/Vesztergombi József (Szekszárd)

2 Antworten

    • Ich würde denke, dass 18 EUR angemessen wären, maximal 20. Man muss sich doch nur einmal vor Augen führen, was man aus Frankreich von der Rhone bekommen kann. Da wird schon absolute Klasse für unter 30 EUR geliefert.

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