kadarka_prantner-gedeon

Und noch einmal zwei Stimmen von Winzern zur Kadarka-Rebe:

Szentesi József (Etyek-Buda)

«Bei mir hat das Ganze so angefangen, dass ich in einem Buch las, dass der erfolgreichste Exportartikel in Zeiten der Monarchie der sogenannte „Budai Óvörös“ (Alter Roter aus Buda) war, der aus einem Drittel Csókaszőlő und zwei Drittel Kadarka bestand. Der jetzige Stand ist, dass ich 2010 ungefähr von 20 Rebsorten aus der Zeit vor der Reblausplage Weine haben werde, aber natürlich jeweils nur sehr kleine Mengen.
Unsere Kadarka Pflanzen haben wir aus Szekszárd geholt, aber nur die mit kleinen, lockeren Beeren ausgesucht. Mehrere Dutzend Exemplare  haben wir ausgewählt und bei Nadap, am Velencer See (auf halbem Weg zwischen Budapest und Balaton gelegen) und jeweils auf zwanzigjährige Unterlagen aufgepfropft. Jetzt beobachten wir die Stöcke und haben bei manchen festgestellt, dass sie doch keine Kadarka sind. Andere wiederum bekommen nicht die gewünschte Farbe oder sind nicht ganz gesund, so dass wir gezwungen sind, deren Unterlagen mit neuen, anderen Reben zu pfropfen.
Auch bei den einzelnen Stöcken tauschen wir jene aus, die nicht gut reifen. Da die Klone auf alten Unterlagen sind, wird sich nach 2-3 Jahren herausstellen, welche Substanz haben und welche nicht, so dass wir recht schnell eine gute Pflanzung haben werden. Natürlich reden wir trotzdem noch mindestens von einem Jahrzehnt, ehe wir echte, vorzeigbare Ergebnisse haben werden.»

Vesztergombi József (Szekszárd)

«Eigentlich ist es erstaunlich, dass wir erst jetzt begonnen haben, uns mit dem wissenschaftlichen Hintergrund der Kadarka zu beschäftigen. Das Forschungsinstitut in Pécs hat damit begonnen, davor hat aber 50 Jahre lang sich nicht um das Thema gekümmert. Bis wir ein Ergebnis haben, werden Jahrzehnte vergehen.

Die alten Pflanzungen waren entsprechend der damaligen Umstände der Weinerzeugung, d.h. dass die alten mit ein bisschen Übertreibung alles durcheinander gepflanzt haben was sie gefunden haben. Das Endprodukt war ein sehr vielfältiges Etwas. Wir haben dieses Geschmackserlebnis in Erinnerung und das nennen wir Kadarka. Ich habe aber selber schon eine angebliche Kadarka-Pflanzung rausgerissen, wo man neben Kadarka alles finden konnte – von Oportó, Szlanka bis Otelló. Letztere war eigentlich die Süßigkeit, die man wegen der dicken Haut der Beeren für den Winter aufheben konnte. Aber da sie schon mal da war, hat man sie auch in den Wein gegeben. Die Szlanka hat dem damaligen Wein den charakteristischen Duft verliehen, aber der Farbe geschadet, weil sie selbst nur rosafarbene Weine ergibt.

Kadarka werde ich noch oben auf dem Berg an einer windigen, trockenen, warmen Fläche gleich neben Merlot pflanzen. Die wirdperfekt sein. Von den Klonen werde ich solche auswählen, die im Forschungsexperiment von Heimann Zoltán vorkommen und selber zur Datensammlung beitragen, indem ich sie beobachten werde. Zwei kleinere, ältere Pflanzungen mit alleinstehenden  Stöcken habe ich noch. Von diesen alten, klassisch erzogenen Reben stammen meiner Meinung nach in Szekszárd die derzeit besten Kadarka, egal ob von Heimann oder Vesztergombi Ferenc.»

Das zehnte Duell:

Gedeon Birtok, Kadarka 2008

Gedeon Birtok, Kadarka 2008

Kadarka 2008, Gedeon Birtok

Helles, bräunliches Rubinrot, ausgesprochen dünn, klar, durchsichtig. In der Nase eine schöne, leicht gedeckte Frucht. Eingemachte rote Kirschen, etwas frisch getrocknetes Heu, leicht forale Töne. Am Gaumen mindestens so leicht wie der Frittmann, der ja auch aus der Tiefebene stammt, aber feiner, filigraner. Ausgesprochen bekömmlich, kaum Säuren, ganz feine Würze, frische Frucht aus Kirschen und Erd- und Himbeeren. Im Grunde ist alles da, was einen Kadarka ausmacht – nur dass dieser eben verdünnt wurde.

Wein: Kadarka 2008
Weingut, Ort: Gedeon Birtok, Izsák
Rebsorte/n: Kadarka
Alkoholgehalt: 11,0% Vol.
Preis: 4,70 EUR (1.250 Ft)

Prantner, Kadarka 2008

Prantner, Kadarka 2008

Kadarka 2008, Prantner Pince

Mittleres Rubinrot. Kühle Nase mit schwarze Kirschen und Johannisbeeren, auch etwas Walnuss, insgesamt zurückhaltend, erst mit der Zeit sich entwickelnd, dann stärker Richtung Sauerkirschen gehend, wenig Würze zeigend. Anfänglich gebrauchtes Holz, meint nicht beißend und doch auffallend. Verkochte dunkelrote Früchte, vor allem Reineclaudes, etwas bitter wirkend, auch leicht stumpf, doch an der Luft legt sich das. Die Frucht wirkt zunehmend reifer, das Holz tritt in den Hintergrund, die Säuren sind gut eingebettet. Nicht druckvoll, nicht auffällig, aber in sich schön. Kein Kunstwerk. Einfach, aber gut für den Preis.

Wein: Kadarka 2008
Weingut, Ort: Prantner Pince, Szekszárd
Rebsorte: Kadarka
Alkoholgehalt: 13,0% Vol.
Preis: 7,00 EUR (1.890 Ft)
Internet: prantnerpince.hu

___________________

Der Kadarka aus der Tiefebene schlägt sich gut. Nur kommt er derart schwach, so sehr dünn daher, dass man ihn doch nicht wirklich ernst nehmen kann. Der Prantner wusste von Stunde zu Stunde mehr zu überzeugen und entwickelte sich von einem gefällig trinkbaren Kadarka zu einem zwar nicht vielschichtigen, komplexen, tiefen, wohl aber für den Preis schönen Vertreter seiner Sorte. Der Punkt geht folgerichtig nach Szekszárd.

Szekszárd vs. den Rest: 5:5

Die bisherigen Artikel der Serie:

Zur Einleitung und zum Teil I der Kadarka-Serie: Borműhely (Szekszárd) vs. Frittmann (Kunság)
Teil II der Kadarka-Serie: Heutige Verbreitung des Kadarka in Ungarn. Duell II Villányi Kadarka 2006, Vylyan (Villány) vs. Kadarissimo 2006, Szt. Gaál Pince (Szekszárd)
Teil III der Kadarka-Serie: Name und Herkunft des Kadarka. Duell III: Kadarka 2005, Balla Géza, Ménes (Rumänien) vs. Kadarka 2007, Heimann (Székesfehérvár)

Zum Teil IV der Kadarka-Serie: Die Landnahme des Kadarka in Ungarn. Takler (Szekszárd) vs. Orsolya (Eger)
Teil V der Kadarka-Serie: Farbenspiele und Imageprobleme – eine Zwischenbilanz, und Duell V: Vida Péter (Szekszárd) vs. Maurer Oszkár (Délvidék, Serbien)
Teil VI der Kadarka-Serie: Veredelung des Kadarka. Halmosi Pincészet (Szekszárd) vs. Malatinszky Kúria (Villány)
Teil VII der Kadarka-Serie: Stimmen von Winzern I. Eszterbauer (Szekszárd) vs. Günzer Zoltán (Villány)
Teil VIII der Kadarka-Serie: Stimmen von Winzern II. Gróf Buttler (Eger) vs. Sebestyén (Szekszárd)
Teil IX der Kadarka-Serie: Stimmen von Winzern III. Dúzsi Tamás (Szekszárd) vs. Jekl (Villány)

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  1.  Kadarka Sauska (Villány) vs. Remete Bor, Vesztergombi József (Szekszárd) | BorWerk - Das Blog über ungarische Weine
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