Kadarka von Dúzsi und Jekl

Kadarka von Dúzsi und Jekl

Zwei weitere Stimmen zur Kadarka-Rebe (Quelle wie bei allen anderen Borigó Magazin Nr. 25. Oktober 2008):

Jekl Béla (Villány)

«Nicht nur ihre Würze und Fähigkeit, ein starkes Säuregerüst zu bilden, sind etwas Besonderes, sondern auch ihre fantastisch vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. In guten Jahren und mit einer starken Ertragsbegrenzung bringt sie dunkle, große Weine hervor. Dank der Säurestruktur kann man einen hervorragenden Schillerwein oder Rosé aus ihr gewinnen, bei hohem Zuckergehalt kann sie gar einen Aszú ergeben. In einem Wort: sie kann ein ausgesprochen wertvolle Grundlage für den Winzer sein. Genau deshalb kann Kadarka eine prägnante Antwort auf die Frage sein, welche rote Rebsorte als echtes Hungaricum betrachtet werden sollte.
Dennoch befasse ich mich mit Kadarka lediglich, um mein Sortiment zu verbreitern. Weil die Risiken groß sind und derAufwand, der mit der Bewirtschaftung der ausgesprochen heiklen Sorte einher geht, überdruchschnittlich groß ist. Deshalb steht auch nicht zu befürchten, dass in der Zukunft mehrere Tausend Hektar mit Kadarka bepflanzt werden.
Es trifft bei uns in Villány nicht zu, dass Kadarka nur zwei Mal in zehn Jahren einen großen Wein hervorbringt. Bei mir waren 2008, 07 und 06 und 2003, 02 und 00 großartige Kadarka-Jahrgänge. Wenn etwas dran ist an der These der globalen Erwärmung, dann ist das für die Rotweine Ungarns und also auch Kadarka gut. Aber auch die großen Weine der guten Jahrgänge müssen den typischen, leichten Charakter der Kadarka bewahren. Früher, als zwei Drittel des Landes mit Kadarka bepflanzt waren, war der Basis-Kadarka, der einfache Tafelwein, vermutlich ein heller, leichter, mit der einheimischen gastronomischen Tradition eng verbundener Wein. Zu einem Paprikás (Gulasch) kann man keinen im Barrique ausgebauten Cabernet trinken. Deshalb wäre ich auch vorsichtig mit der Suche nach anderen Klonen. Je weiter wir in die Richtung von kleinbeerigen, dickhäutigen, dunklen und tanninreichen Sorten mit einer anderen Reifezeit gehen, desto mehr entfernen wir uns von unserer Tradition. Wir selektieren so lange, bis das Wesen der Kadarka, die leichte Würzigkeit und damit auch die Kadarka selbst, ganz verschwindet.»

Heimann Zoltán (Szekszárd)

«Bei uns sind mehrere Experimente im Gange, nicht nur mit Kadarka. Wir stecken in einem Kadarka-Test, bei dem wir alte Sorten vom Önologischen Forschungsinstitut aus Pécs und andere alte Kadarka-Klone die im Karpatenbecken und der Umgebung eingesammelt haben, insgesamt mehr als 30 verschiedene: „Weiße Kadarka“, „Duftende Kadarka“, „Würzige Kadarka“, „Gänsefuss Kadarka“ usw. 2007 hatten wir die erste Ernte und 2008 wurden die ersten Weine verglichen. Jeder Klon und jede Sorte wurde getrennt aber identisch ausgebaut. So gesehen ist es eine wahre Freude, dass die beiden Jahrgänge unterschiedlich sind, weil wir so am einfachsten sehen konnten wie die einzelnen Reben auf die klimatischen Unterschiede reagieren.
In unserer Weinregion steht hinter der Kadarka noch ein großes Fragezeichen. Sie wird nur auf 70 von 2.000 Hektar Rebfläche angebaut. Die Welt verlangt von uns den Kadarka-Wein, weshalb wir alles daran setzen müssen, diesem Wunsch, dieser Nachfrage nachzukommen. Was unsere Antwort darauf am Ende sein wird weiß noch niemand – ob Schillerweine, die Grundlage für den Bikavér (Bestandteil eines Cuvées) oder wirklich große, eigenständige Weine. Das müssen wir noch genauso herausfinden, wie wir noch auf der Suche nach dem echten Gesicht, der Identität von Szekszárd sind.»

Das nunmehr schon neunte Duell:

Dúzsi Tamás, Szegszárdi Kadarka bora 2006

Dúzsi Tamás, Szegszárdi Kadarka bora 2006

Szegszárdi Kadarka bora 2006, Dúzsi Tamás, Szekszárd

Klares, helles bis mittleres Purpur. In der Nase vor allem Zwetschgenkompott, auch leicht grüne, getrocknete Gewürze, deren Einfluss sich mit der Zeit verstärkt. Am Gaumen nach all den vorherigen Begegnungen ein ausgesprochen typischer Kadarka, der da wäre würzig und fruchtig (dies etwas verhaltener als manch andere), rote Frucht aus Erbeeren, roten Kirschen und Zwetschgen. Die Würze hält sich konstant, Säuren halten sich im Hintergrund, ganz leicht adstringierend. Mittlerer Körper und ordentlicher Abgang. Gutes, ansprechnendes Kadarka-Muster.

Wein: Szekszárdi Kadarka bora 2006
Weingut, Ort: Dúzsi Tamás, Szekszárd
Rebsorte/n: Kadarka
Alkoholgehalt: 12,5% Vol.
Preis: 11,00 EUR (2.890 Ft)

Jekl Pincészet, Villányi Kadarka 2006

Jekl Pincészet, Villányi Kadarka 2006

Villányi Kadarka 2006, Jekl Pincészet (Jekl Béla és Flóra), Villány

Immer wieder als der vermeintlich beste Kadarka des Landes ausgezeichnet und der diesjährigen Pannon Top 25 zugehördend.  Im Glas fast identisch mit dem Dúzsi, nur leicht bräunlich am Rand. In der Nase dominieren schwarze Kirschen, auch hier eine feine Kkräuterwürze, die etwas betonter ist und mit der Zeit durch leicht süßlich-alkoholische Noten, Marzipan, Nougat, ergänzt wird. Insgesamt weicher, runder, wärmer wirkend. Auch am Gaumen würziger, sehr stark an Zwetschgenkompott erinnernd, Schlehenmarmelade, deutliche Mandelnaromen, auch eine Spur Vanille. Schöne, frische Säuren, die 14% Vol. Alkohol sind spürbar, aber nicht unangenehm. Erinnert durch die klare Präsenz von Frucht und Alkohol und den Mandeln im Hintergund ein wenig an Amarone, selbstverständlich ohne die Power, den Druck, die schiere Gewalt zu entfalten. Mittlerer Abgang.

Wein: Villányi Kadarka 2006
Weingut, Ort: Jekl Pincészet, Villány
Rebsorte/n: Kadarka
Alkoholgehalt: 14,0% Vol.
Preis: ehrlich gesagt keine Ahnung, denke so um die 3.000 Ft (12 EUR)

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Der Dúzsi taugt wirklich als schnörkelloser Vorzeigekadarka. Zu nicht mehr, aber auch das ist viel wert. Schöner ist, mehr Vergnügen bereitet der Jekl.

Szekszárd vs. alle anderen: 4:5

Bisherigen Artikel dieser Serie:

Zur Einleitung und zum Teil I der Kadarka-Serie: Borműhely (Szekszárd) vs. Frittmann (Kunság)
Teil II der Kadarka-Serie: Heutige Verbreitung des Kadarka in Ungarn. Duell II Villányi Kadarka 2006, Vylyan (Villány) vs. Kadarissimo 2006, Szt. Gaál Pince (Szekszárd)
Teil III der Kadarka-Serie: Name und Herkunft des Kadarka. Duell III: Kadarka 2005, Balla Géza, Ménes (Rumänien) vs. Kadarka 2007, Heimann (Székesfehérvár)

Zum Teil IV der Kadarka-Serie: Die Landnahme des Kadarka in Ungarn. Takler (Szekszárd) vs. Orsolya (Eger)
Teil V der Kadarka-Serie: Farbenspiele und Imageprobleme – eine Zwischenbilanz, und Duell V: Vida Péter (Szekszárd) vs. Maurer Oszkár (Délvidék, Serbien)
Teil VI der Kadarka-Serie: Veredelung des Kadarka. Halmosi Pincészet (Szekszárd) vs. Malatinszky Kúria (Villány)
Teil VII der Kadarka-Serie: Stimmen von Winzern I. Eszterbauer (Szekszárd) vs. Günzer Zoltán (Villány)
Teil VIII der Kadarka-Serie: Stimmen von Winzern II. Gróf Buttler (Eger) vs. Sebestyén (Szekszárd)

2 Antworten

    • Meine Herrn. Das heißt ja, dass er noch ein gutes Sück mehr kostet. Und dazu war ich vor einem halben Jahr bereit, ohne mit der Wimper zu zucken? Ziemlich saftiger Preis…

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  1.  Kadarka – Stimmen von Winzern zur Rebe 4: und Kadarka-Duell X: Prantner (Szekszárd) vs. Gedeon ( | BorWerk - Das Blog über ungarische Weine

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